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Klimaschutz auf Rädern

Was Unternehmen bewegt, ihr Flottenmanagement ökologisch auszurichten – am Beispiel der Arcandor AG. Von Alexandra Hildebrandt

Klimaschutz wird auch in den Unternehmen zum Thema. Nicht mehr Prestige und PS-Zahl entscheiden über die Wahl der Dienstfahrzeuge, zunehmend werden Verbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß zu Kriterien für das Flottenmanagement. So legt die Arcandor AG nicht nur großen Wert auf Wirtschaftlichkeit und niedrige Emissionswerte, sondern schult auch die Mitarbeiter im Sprits paren.

Mehr als zwei Kilogramm Kohlendioxid entstehen bei der Verbrennung von einem Liter Benzin, 2,333 Kilogramm sind es genau. 168 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer blasen die in Deutschland neu zugelassenen Wagen im Schnitt bei jedem Kilometer in die Luft. Trotz Klimaschutzabkommen wird sich der Schadstoffausstoß des Autoverkehrs zwischen 1990 und 2010 um 27 Prozent erhöhen.1 Klar ist: Wenn man die ambitionierten Ziele von Politik und Wirtschaft, den Kohlendioxid-Verbrauch zu senken, erreichen will, muss der Hebel bei den großen Verbrauchswerten angesetzt werden. Dazu gehört auch der automobile Verkehr.

Vor allem bei Dienstfahrzeugen zählen Prestige und PS-Leistung oft mehr als der Verbrauch. Dass es auch anders geht, dass Nachhaltigkeit Teil der Lösung und nicht des Problems ist, zeigt das Flottenmanagement der Arcandor AG. Es soll dazu beitragen, klimabedingte Kosten zu senken und Risiken für die Wertschöpfungskette zu reduzieren. Doch ist das Thema nachhaltige Mobilität keine Reaktion auf aktuelle Debatten, betont Dr. Matthias Bellmann, Personalvorstand bei Arcandor und verantwortlich für die Gesellschaftspolitik im Konzern. Vielmehr wird es seit fast zwei Jahren mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns und anderen strategischen gesellschaftspolitischen Prozessen verknüpft. So erscheint Nachhaltigkeit nicht als Kosten-, sondern als ein Wertschöpfungstreiber. Nachhaltiges Fuhrparkmanagement hat bei der Arcandor AG konzernübergreifende Bedeutung, weil alle Unternehmensbereiche davon betroffen sind. Es zeigt zugleich, dass Nachhaltigkeit von jedem Mitarbeiter gelebt werden kann.

Auch ein Konzern muss sich der Umweltthematik stellen und seine soziale Verantwortung beweisen – so begründete der Konzernvorstand die Idee, umweltfreundliche Dienstfahrzeuge von Mitarbeitern testen zu lassen. Dafür wurden in einer internen Verlosung sieben Mitarbeiter ausgewählt, die Ende 2007 zwei Wochen lang verschiedene Fahrzeuge zur Probe fahren konnten. Zum Einsatz kamen die Modelle VW Passat BlueMotion, Touran EcoFuel und Caddy EcoFuel von Volkswagen sowie Audi A3 und A4 Avant mit 1.9-TDI-e-Motor und der Toyota Prius. Die niedrigen Verbrauchswerte dieser Fahrzeuge beeindruckten die Mitarbeiter und bewirkten ein Umdenken in Sachen Energieverbrauch und Kohlendioxid-Emission.

Ein solches Umdenken bestimmt auch die Flottenpolitik des Konzerns. Im Dezember 2007 starteten die Fuhrparkverantwortlichen Bettina Huhnen und Andreas Otte eine Angebotsabfrage bei den Herstellern. Bei der Wahl der Fahrzeuge wurden nicht nur wirtschaftliche Faktoren, sondern auch der Kraftstoffverbrauch und damit der Schadstoffausstoß berücksichtigt. Das Ergebnis: In der Dienstwagenflotte schlug BMW die vergleichbaren aktuellen Modelle. Geschuldet ist dies vor allem dem Konzept EfficientDynamics, mit dem die BMW Group einen weltweit einzigartigen Erfolg bei der Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der Kohlendioxid-Werte im Straßenverkehr verbuchen konnte. Hinter der Wortverknüpfung EfficientDynamics steckt ein Entwicklungskonzept zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und der Kohlendioxid-Emissionen. Es geht davon aus, dass eine exzellente Fahrdynamik und hohe Wirtschaftlichkeit nicht im Widerspruch zueinander stehen. Für BMW zahlt sich das aus. Nach einer Analyse des Marktforschungsinstituts dataforce für die Zeitschrift Auto Motor und Sport konnte BMW 2007 seinen Absatz im Flottenmarkt von 79.000 auf 87.000 Fahrzeuge steigern. Denn die Flottenbetreiber achten verstärkt auf Treibstoffverbrauch und Kohlendioxid- Werte, wie Ferdinand Dudenhöfer, Chef des Marktforschungsinstituts B&D Forecast, betonte: „Die Unsicherheit über zukünftige Kohlendioxid-Steuern schürt dabei die Vorsicht. Von daher steuern immer mehr Flottenbetreiber auf Sprit sparende Modelle und Kohlendioxid-Minderungen um.“

Für BMW sprach nicht zuletzt, dass Umweltschutz seit Langem ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie des Autobauers ist. Bereits zu Beginn der 70er-Jahre wurde der Umweltschutz in der Unternehmensorganisation etabliert. Die Einhaltung ökologischer Standards wird durch regelmäßige Audits überprüft. Im Dow Jones Sustainability Index World, der Unternehmen mit besonders nachhaltiger Geschäftspolitik listet, wurde die BMW Group in den Jahren 2005 und 2006 als „Supersector Leader“ ausgezeichnet. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist es damit das führende Automobilunternehmen.2

Am 19. August erfolgte die symbolische Schlüsselübergabe in der BMW Welt in München. Im Laufe der nächsten drei Jahre sollen rund 500 Managementfahrzeuge gegen BMW-Modelle ausgetauscht werden.

Nach Managementebenen gestaffelt stehen dabei Fahrzeuge der Baureihen 320d und 525d zur Wahl. Kontraproduktive Sonderausstattungen wie Breitreifen kommen künftig nicht mehr zum Einsatz. Technische Systeme zur Überprüfung des Reifendrucks sind ebenfalls für alle Fahrzeuge vorgesehen – ebenso entsprechende Schulungsmaßnahmen, denn große Einsparpotenziale hängen auch vom individuellen Fahrverhalten ab. In der Summe kann sich das Ergebnis sehen lassen. „Durch die Umstellung auf BMW im Managementbereich streben wir eine Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen um etwa 20 Prozent im Jahr an“, sagt Bettina Huhnen.

Im Laufe der nächsten drei Jahre sollen etwa 500 Managementfahrzeuge durch BMW-Modelle ersetzt werden – nicht die einzige Umstellung, wie Andreas Otte, Leadbuyer Nichthandelsware Corporate Service Group, berichtet: „Im Bereich der Vielfahrer haben wir seit einem Jahr bereits 400 Fahrzeuge auf den Ford Focus mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 119 Gramm pro Kilometer umgestellt“, ergänzt er. „Dadurch verringern wir pro Fahrzeug den Kohlendioxid-Ausstoß um 16 Gramm pro Kilometer.“ Die Servicefahrzeuge werden ab Oktober auf den Ford Focus Econetic umgestellt. „Damit verbessern wir den Kohlendioxid-Ausstoß um weitere vier Gramm pro Kilometer“, freut sich Otte.

Begleitet wird die Umsetzung von Nachhaltigkeitsgrundsätzen im Konzernfuhrpark von der Fachzeitschrift Flottenmanagement. Julia Rose kommt als Redakteurin mit vielen Fuhrparkmanagern ins Gespräch und stellt fest, dass die Umweltverantwortung von immer mehr Unternehmen bis in den Fuhrpark durchdringt. Eine der schwierigsten Aufgaben ist für sie allerdings, „dem Mitarbeiter bewusst zu machen, dass man ihn nicht bestrafen will, wenn auf einmal Umweltkriterien bei der Fahrzeugwahl zum Tragen kommen“.

Bei Arcandor setzt man deshalb auf ökologieorientierte Anreizsysteme. „Wir denken über Maßnahmen nach, die den Nutzer zu effizientem Fahren anhalten sollen, ob via Bonifizierungen, Umweltbeiträgen zur Kohlendioxid- Neutralisierung oder Sanktionierungen. Wir wollen dem Mitarbeiter bewusst machen, wie viel Kraftstoff er im Jahr verbraucht, um ihn emotional einzubinden“, erläutert Bettina Huhnen, Abteilungsleiterin Konzernfuhrpark Corporate Service Group, die weiteren Vorhaben. „Dazu benötigen wir ein schlüssiges System, das die Verbräuche archiviert und auswertet, damit wir Ausreißer zur Rede stellen und Sparer belohnen können.“ Ist der Verbrauch zu hoch, wird der Fahrer gegebenenfalls in defensiver Fahrweise geschult. Denn oft sind es einfache Maßnahmen, mit denen Kraftstoffverbrauch und Kosten gesenkt werden können und zugleich die Umwelt entlastet wird.

Für Julia Rose ist das Arcandor-Konzept glaubwürdig und schlüssig, weil es „dem Mitarbeiter seine Verantwortung für Umweltschutz aufzeigt und ihn zu einem aktiven Teil der Nachhaltigkeit werden lässt, ohne den Motivationsfaktor Dienstwagen zu beschneiden. Ich denke, dass dies die Identifikation mit dem Arbeitgeber sogar vergrößert. Mit gutem Beispiel voran gehen ebenfalls die Fuhrparkverantwortlichen mit der Vorbereitung für die Fuhrparkumstellung, die gewiss etliches an Mehrarbeit erfordert und einige feste Strukturen aufgebrochen hat. Aber nicht zuletzt der Rückhalt durch die Vorstandsetage hilft essenziell bei der Umsetzung innovativer und sinnvoller Projekte, das wird hier sehr deutlich.“

Denn es geht darum, Klimaschutz vorzuleben und andere durch authentisches Verhalten dazu anzuleiten, es selbst auszuprobieren. Das weiß auch Arcandor-Vorstand Dr. Matthias Bellmann, der Initiator und Förderer des nachhaltigen Fuhrparkmanagements: „Weil es zu den Grundüberzeugungen der Arcandor AG gehört, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen, und diese Haltung auch in unseren Tätigkeitsberichten zum Ausdruck kommt, sollten die Führungskräfte das auch vorleben.“3

Zugute kommt dem, dass das Ökobewusstsein mittlerweile zum Statussymbol avanciert. Die neuen Ökos wollen nicht durch Verzicht, sondern vor allem durch bewusste und nachhaltige Entscheidungen die Umwelt schonen. Dabei steht nicht mehr das Haben im Zentrum, sondern das Sein.

Dr. Alexandra Hildebrandt ist Leiterin Gesellschaftspolitik bei der Arcandor AG.

Kontakt:
Arcan dor AG
Dr. Alexandra Hildebrandt
Leiterin Gesellschaftspolitik
Theodor-Althoff-Straße 2
D-45133 Essen
Tel.: +49 (0)201/727-96 62
Fax: +49 (0)201/727-69 96 62
alexandra.hildebrandt@arcandor.com www.arcandor.com

Quellen
1 Fred Grimm: Shopping hilft die Welt verbessern. Der andere Einkaufsführer. München 2006, Seite 298.
2 EfficientDynamics – der intelligente Weg zu weniger Emissionen. Informationen der BMW Group 2007, Seite 11. Siehe auch: BMW EfficientDynamicsTM. Mehr Fahrfreude. Weniger Verbrauch. Jetzt. BMW Innovationen. München 2008,
Seite 21.
3 „Nicht schneller als 130“. Interview mit Dr. Matthias Bellmann in: Lebensmittel-Zeitung (11. Juli 2008).

Foto: Bei der Schlüsselübergabe:Andreas Otte, Leadbuyer Nichthandelsware Corporate Service Group, Bettina Huhnen, Abteilungsleiterin Konzernfuhrpark Corporate Service Group, und Stefan Teuchert, Leiter Vertrieb an Großkunden bei BMW. Foto: Christoph Püschner, Arcandor AG.
Der Beitrag ist zuerst erschienen bei changeX. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin.