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Fairtrade, Bio und Menschenrechte – die Faire Woche 2008

Remscheid > Die am Wochenende in Berlin eröffnete Faire Woche 2008 steht unter dem Motto „Doppelt gut! Bio im Fairen Handel“. Bis zum 28. September sind in ganz Deutschland knapp 3.000 Veranstaltungen geplant. In Remscheid ist ein Pantomimenabend mit Carlos Martinez zum Thema „Menschenrechte“ dabei. Mit einer lokale Besonderheit.

Die gute Nachricht brachte die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Kortmann aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Montag bei der Eröffnung in Berlin auf die Formel: „Der Faire Handel zeigt Wirkung!“ Rund 193 Millionen Euro haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr für fair gehandelte Produkte ausgegeben – eine Steigerung von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum einen erobern Fairhandelsprodukte zunehmend den allgemeinen Einzelhandel und dringen in das Warenangebot der Discounter vor. Zum anderen erwirtschaften diesen Umsatz die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter örtlicher Vereinigungen wie der Ökumenischen Initiative im Remscheider Stadtteil Lüttringhausen. „Wir wollen auch einen Arbeitsplatz schaffen“, betont Volker Beckmann aus dem Initiatorenkreis dieser Initiative. 35 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich heute in dem Verein, der durchaus auch in betriebswirtschaftlichen Kategorien denkt. Seit 10 Jahren verzeichnet der Weltladen in Lüttringhausen ein jährliches Umsatzplus von etwa 10 Prozent.

Am vergangenen Wochenende lud die Initiative zu Veranstaltungen mit dem spanischen Pantomimenkünstler Carlos Martínez ein. „Human Rights – Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte menschlich erklärt“ lautete das Programm. Martínez spielte dabei mit dem Kontrast von hell und dunkel, mit Mimik und Bewegung, mit den verschiedenen Charakteren und schickte sein Publikum auf eine emotionale Achterbahn zwischen Belustigung, Staunen und Entsetzen. „Ein universelles Thema wie die Menschenrechte braucht eine universelle Sprache wie die Kunst“, erläuterte Martínez nach der Aufführung. Ein Künstler hat dienende Funktion, wäscht dem Publikum die Füße und nicht den Kopf und hilft ihm, besser zu gehen und zu sehen, ist Martínez überzeugt. Das belustigt sein Publikum in der Szene von dem Arbeiter, der in Schlaf fällt und von Urlaub träumt. Und das entsetzt, als er einen Fliesbandarbeiter darstellt, der über das Leben von Säuglingen entscheidet und die nicht Normentsprechenden tötet.

Martínez will provozieren, Aufmerksamkeit wecken und Fragen aufwerfen – zum Thema Menschenrechte. Das will die Faire Woche 2008 auch – schwerpunktmäßig diesmal zum Thema fair gehandelte Bio-Produkte. Fairhandelsprodukte sind heute in über 800 Weltläden, in 30.000 Supermärkten und zahlreichen Naturkostfachgeschäften am erhältlich und am Fairtrade-Siegel erkennbar. 70 Prozent der fair gehandelten Produkte stammen zugleich aus ökologischer Landwirtschaft.

Seit Anfang der 1970er Jahre gibt es den Fairen Handel mit höheren Erlösen für die Erzeuger, Beratung, professioneller Qualitätssicherung, langfristigen Handelsbeziehungen, direkterer Vermarktung und Fairtrade-Prämien. Von der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft erhoffen sich die Initiatoren gesündere Arbeitsbedingungen für Arbeiter, neue Absatzperspektiven für Kleinbauern in den Ländern des Südens und zugleich Lebensmitteln ohne Schadstoffe und Gentechnik in den Ländern des Nordens.

Weitere Informationen im Internet:
www.fairewoche.de