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Fit für Finanzen: Ehrenamtliche beraten gegen Überschuldung und Bayer hilft

Leverkusen > Zwei Tage pro Woche und manchmal mehr investiert Walter Peffgen in das Projekt „Fit für Finanzen“, und das ehrenamtlich. Peffgen baut ein Team mit 14 Freiwilligen auf, das sich einer wichtigen gesellschaftlichen Herausforderung stellt: der Überschuldung. Unterstützung erhält er dabei von der Bayer Cares Foundation.

Allein in Leverkusen gelten 6.350 Haushalte mit rund 11.000 Menschen als überschuldet. Bundesweit ist jeder zehnte Haushalt nicht mehr in der Lage, seinen Zahlungsverpflichtungen gerecht zu werden. Bei den Schuldnerberatungsstellen bilden sich lange Warteschlangen. Und lange nicht jeder nimmt eine solche Krisenberatung in Anspruch, das ist manchem peinlich. In dem Projekt „Fit für Finanzen – Finanzkompetenz von Familien stärken“ werden ehrenamtliche Finanzcoaches ausgebildet. Von den derzeit 14 Aktiven sind etwa zwei Drittel Vorruheständler und Altersteilzeitler, die wie Walter Peffgen ihre fachliche Kompetenz und ihre Zeit in dieses Projekt einbringen. Das von der Evangelischen Erwachsenenbildung Nordrhein und dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Leverkusen getragene Projekt steht am Anfang. In einem 56 Unterrichtsstunden umfassenden Kurs werden die Finanzcoaches von September bis November ausgebildet. Das fördert die Bayer Cares Foundation. Danach wollen sie über Kindergärten und Kindertagesstätten Kontakt zu jungen Familien aufnehmen und in haushaltsnahen Finanzangelegenheiten beraten.

Walter Peffgen stieß über eine gerichtlich bestellte Betreuung für eine ältere Dame auf dieses Thema. Die Dame war überschuldet, und bald beobachtete Peffgen, das nicht nur ältere Menschen von diesem Problem betroffen sind. Oft treibt die Arbeitslosigkeit Menschen in die Schuldenfalle, manchmal sind es eine Krankheit oder die gescheiterte Selbständigkeit, die Trennung vom Partner oder Suchterkrankungen. Auch bevor das Projekt „Fit für Finanzen“ offiziell gestaltet ist, liegen Peffgen bereits die ersten Beratungswünsche vor.

Leverkusens Oberbürgermeister Ernst Küchler lobt das Projekt und die Förderung der Bayer-Stiftung. „Die Stadt kann nicht alles alleine regeln, wir sind auf ehrenamtliches Engagement angewiesen“, betont Küchler. Und wünscht sich eine Kultur des zivilgesellschaftlichen Engagements, in der Bürger zurückgeben, was sie aus der Gesellschaft erhalten haben: Zeit, Geld und Kompetenz. Energisch wehrt sich das Stadtoberhaupt gegen den Vorwurf, hier sollten Bürger Ersatz für fehlende staatliche Hilfeleistungen bieten. „Die öffentliche Hand zieht sich nicht zurück, und Ehrenamtler ersetzen keine professionellen Helfer“, betont der Oberbürgermeister im Gespräch mit CSR NEWS.

Das mag für Leverkusen gelten. In Nordrhein-Westfalen insgesamt stehen die heute schon spärlichen Landesmittel für Schuldnerberatungsstellen zur Diskussion. Und den statistisch belegten Rückgang von Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr führen Fachleute auf die langen Wartezeiten bei den Schuldnerberatungsstellen zurück. Betroffene haben schlicht keine Chance, ihre finanziellen Verhältnisse zu regeln. Es verschiebt sich etwas in unserem Staat. Die „Rückführung der Sozialleistungsquote“ bekommen in diesem Fall die Schuldner zu spüren. Dieses veränderte gesellschaftliche Gleichgewicht ist gleichermaßen ein Motiv für den Ruf nach bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility).

Anlässlich der am 19. September beginnenden „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ stellte Bayer das Engagement seiner Sozialstiftung für regionale Ehrenamtsprojekte gestern in Leverkusen der Presse vor. Insgesamt 27.000 Euro investiert die Bayer Cares Foundation im Umfeld der Stadt in Projekte wie Fit für Finanzen, die Gründung einer Initiative zur qualifizierten Hausaufgabenbetreuung, die Initiative für Behinderte „Mit Profil e.V.“ und andere. „Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentliches Element einer lebendigen und lebenswerten Gemeinschaft“, betonte Bayer-Vorstand Dr. Richard Pott auf der Pressekonferenz. Die Bayer-Stiftung unterstützt das ehrenamtliche Engagement von aktiven und ehemaligen Bayer-Mitarbeitern und anderer Bürger im Umfeld der Unternehmensstandorte und fördert Projekte z.B. der Diakonie. So finden die drei Säulen des zivilgesellschaftlichen Engagements – Unternehmen, Bürger und gemeinnützige Organisationen – zusammen. „Kooperationen von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen haben an Bedeutung gewonnen“, hat Dirk Frenzel beobachtet, der den Bereich Gesellschaftspolitik und Umwelt bei Bayer leitet.

Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr seine Stiftungsaktivitäten neu geordnet und in zwei rechtsfähigen und gemeinnützigen Stiftungen zusammengefasst: Die Bayer Science and Education Foundation ehrt herausragende Forschungsleistungen, fördert wissenschaftliche Talente und unterstützt schulischer Projekte, jeweils in den Bereichen Naturwissenschaften und Medizin. Die Bayer Cares Foundation fördert gesellschaftliche Eigeninitiative und Projekte von besonderer sozialer Relevanz, insbesondere das Ehrenamt und die Hilfe bei Naturkatastrophen. Das Stiftungsengagement hat in dem Unternehmen Tradition: Bereits im Jahr 1923 gründete der damalige Generaldirektor Dr. Carl Duisberg eine Stiftung und unterstützte damit Medizinstudenten im Ausland. Der Bedarf an solchem unternehmerischen Engagement wird wohl auch in Zukunft nicht sinken.

Bild: Bayer-Vorstand Dr. Richard Pott (links) mit Ehrenamtlichen (Bayer AG)

Weitere Informationen im Internet:
www.bayer-stiftungen.de