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CSR und Compliance fallen bei deutschen Unternehmen auseinander

Frankfurt > Einige wichtige Schritte haben deutsche Unternehmen in Sachen CSR noch vor sich: Die Bedeutung der Menschenrechte wird in der CSR-Diskussion weiterhin unterschätzt. Und: Deutsche Firmen trennen strikt zwischen Compliance und Corporate Social Responsibility. Dies sind Ergebnisse eines Seminars vom vergangenen Donnerstag in Frankfurt, zu dem Dr. Guido Knörzer (CSR-Agentur, www.csr-agentur.de) für die Leser von CSR NEWS berichtet:

“Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins sowie Ernst&Young luden am 2. Oktober zu einem Seminar nach Frankfurt ein, das ihn ähnlicher Form bereits in Paris und London stattgefunden hatte. Auf der Agenda stand CSR in der Praxis und die rechtliche Entwicklung in Deutschland, Frankreich, England und den USA.

Für den ersten Teil konnte Prof. Klaus M. Leisinger, Novartis Foundation, gewonnen werden. Er stellte besonders die weithin unterschätzte Bedeutung der Menschenrechte für die CSR-Diskussion in den Mittelpunkt und steuerte seine reichen Erfahrungen aus der CSR-Praxis bei Novartis sowie seiner Beratungsarbeit für den Global Compact der U.N. bei.

Einen weiten internationalen Überblick über die finanzrechtliche Bedeutung der CSR-Entwicklungen gaben die Gastgeber von Latham and Watkins, Finn Zeidler (Frankfurt), Emmanuel Drai (Frankreich), Rachel Thorn und Richard Owens (USA) und Larry Cohen (UK) im zweiten Teil. Wenngleich in unterschiedlicher nationaler Ausprägung, entwickeln sich einige CSR-Bereiche in der globalisierten Wirtschaft parallel: Die Bedeutung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren im Berichtswesen großer Kapitalgesellschaften steigt. Wirtschaftsprüfer legen immer stärkeren Wert auf CSR-Aktivitäten. Den Investmentfonds wird nachhaltiges Wirtschaften immer wichtiger und auch Wertsteigerungen einer Marke (Brands Value) durch CSR-Aktivitäten werden von Ratingagenturen immer detaillierter verfolgt – etwa im Zusammenhang mit dem Dow Jones Sustainability-Index.

Im dritten Teil der Veranstaltung ging es um die Frage, wie ein CSR-Programm und Compliance-Aktivitäten eines Unternehmens möglichst proaktiv in Gang gesetzt werden können, bevor das ‘Korruptionskind in den Brunnen gefallen’ ist. Stephan Grüninger von Ernst&Young sah bei deutschen Unternehmen immer noch eine strikte Trennung von Compliance und CSR-Aktivitäten getrennt. Ziel sollte dagegen sein, interne Standards (CSR) wie externe Standards (rechtliche Vorgaben) zu behandeln und so die ungleiche Wertigkeit von beiden aufzuheben. Diese Auffassung vertrat auch Klaus Leisinger.

Trotz der präzise vorbereiteten und auf ihre Art erstmaligen Veranstaltung zu diesem Thema war die eigentlich anvisierte Zielgruppe schwach vertreten. Dies bestätigte die Einschätzung der Referenten, dass in Deutschland eine Sensibilisierung von Managern und Juristen für CSR-Themen eine wichtige Aufgabe der nächsten Zeit bleibe. Die Veranstaltung war hierzu sicher ein Meilenstein.”