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Solarenergie schützt den Viktoriasee und seine Fischer

Mbita > Die deutschen Unternehmen OSRAM und SolarWorld AG engagieren sich mit diversen zukunftsträchtigen Projekten für Afrika. So testet OSRAM in einem weltweit einzigartigen Projekt am Viktoriasee in Kenia nachhaltige Lichtlösungen für Regionen ohne Stromnetze. Der Aufbau von Solartankstellen am Viktoria-See ist ein herausragendes Beispiel für den wirtschaftlich aussichtsreichen Einsatz zukunftsfähiger Energien mit praktischem Nutzen für die Bevölkerung. Technische Expertise und das Verständnis für die Lebenslagen der Bevölkerung fließen hier zusammen. Partner des Projekts ist Nokia, von SolarWorld kommen die Solarzellen für die OSRAM Energy Hubs. Die lokale Nichtregierungsorganisation OSIENALA stellt ein Microfinancing-System für die Finanzierung der Lampen und die Pfandanleihe zur Verfügung.

Ein weiterer Partner, der OSRAM auf die Region rund um den Viktoriasee und das Potential für Offgrid-Lösungen aufmerksam machte, ist Udo Gattenlöhner und der Global Nature Fund. Die internationale Stiftung für Umwelt und Natur engagiert sich seit zehn Jahren gemeinsam mit anderen NGOs in dem internationalen Living-Lakes-Projekt und unter dem Motto „Rettet die Seen der Welt!“ – darunter auch für den ostafrikanischen Viktoriasee. Eine zunehmende Wasserverschmutzung, Veralgung und ein sinkender Wasserspiegel bedrohen nicht nur den See, sondern auch seine Anwohner. Ein Problem dabei: Um den See leben rund 175.000 Fischer vom nächtlichen Fischfang. Um die kleinen Fingerlinge in die Netze zu bekommen, sind die Fischer mit Kerosinlampen auf dem See unterwegs. 1.200 Liter Kerosin verbraucht ein einzelnes dieser Boote pro Jahr; 20 Millionen Liter Kerosin kommen so jährlich zusammen. Das belastet die Umwelt durch den CO2-Ausstoß und das in den See gelangende Kerosin, kostet die Fischer viel Geld und führt zu Hautkontermination und belastendem Rauch.

Seit zehn Jahren steht der Global Nature Fund mit der kenianischen NGO OSIENALA in Kontakt. Wissenschaftliche Studien zu dem Problem und möglichen Lösungen gab es nicht. „Wir sind ‚empirisch‘ vorgegangen und haben vor etwa sechs Jahren mit Auto- und Motorradbatterien alternative Lampen zu bauen begonnen“, berichtet Udo Gattenlöhner. Von Anfang an bestand dabei eine hohe Bereitschaft der lokalen Fischer, auf Alternativen einzugehen. Die ersten zweieinhalb Jahre unterstützte die GTZ dieses Projekt. Vor zwei Jahren startete das Projekt mit OSRAM.

Mitarbeiter von OSRAM hörten einen Vortrag von Udo Gattenlöhner über die Situation am Viktoria-See und wurden so auf das Projekt aufmerksam. Das Unternehmen betrachtete das Problem aus einem größeren strategischen Blickwinkel und entschloss sich, völlig neue Wege in der Energieversorgung für Menschen in abgelegenen Dörfern einzuschlagen – mit einem Pilotprojekt in der Region um den Viktoria-See. 1,6 Milliarden Menschen weltweit nutzen Kerosin für Beleuchtungszwecke. 77 Milliarden Liter des immer teurer werdenden Kerosins werden global pro Jahr verbraucht und etwa 190 Millionen Tonen CO2 emittiert. 67 Millionen Tonnen CO2 stammen aus Afrika, 50.000 Tonnen darin von den Fischerbooten auf dem Viktoria-See. Abgesehen von der enormen Umweltbelastung und dem uneffizienten Verbrauch fossiler Brennstoffe öffnet sich hier aus der Perspektive von OSRAM auch ein großer Markt für so genannte Off Grid Lösungen – die Stromversorgung außerhalb von Stromleitungsnetzen. Die Idee:

OSRAM Energy Hubs – ein deutsches Wort dafür könnte ‚Energietankstelle‘ sein – knüpfen an einen Vorteil konventioneller Kerosintankstellen an: die Energieabgabe in kleinen Portionen. Heute gibt es drei Energy Hubs in Kenia, ein weiterer in Uganda wird Ende November eröffnet. Pro Hub stehen rund 1.000 batteriebetriebene Lampen zur Verfügung. Die Fischer kaufen die Lampen nicht, sondern zahlen ein Pfand. Gezahlt wird für die Ladeeinheit. Dabei liegt der Preis pro Einheit rund 30 Prozent unter dem von Kerosin – für das Kerosin müssen die Fischer etwa 1,20 Euro bis 1,40 Euro aufbringen. OSIENALA unterstützt das Projekt zugleich mit der Vergabe von Mikro-Kredite an die Fischer. Die Energy Hubs verfügen zudem über eine Trinkwasseraufbereitungsanlage, die zur Entkeimung des Trinkwassers mit UV-Strahlern von OSRAM bestückt ist. Bis zu 3.000 Liter entkeimtes Wasser können so pro Tag bereitgestellt werden. Sollte die Pilotphase erfolgreich sein, plant OSRAM die Solarstationen auf Afrika und Asien auszudehnen. Denn in vielen ländlichen Gegenden Kenias wird es noch bis zu 20 Jahren dauern, ehe die Menschen Anschluss an ein Stromleitungsnetz erhalten.

Die Energy Hubs am Viktoria-See tanken selbst Sonnenenergie – mit Photovoltaik-Modulen der SolarWorld AG. „Wir wollen an ausgewählten Beispielen zeigen, wie Solartechnik sinnvoll in Afrika eingesetzt werden kann“, berichtet Peter Finger von dem international erfolgreichen deutschen Unternehmen. Dabei geht die SolarWorld AG sehr sorgfältig vor: Mit einer umfangreichen Checkliste werden Projekthintergründe, Ziele, mögliche Partnern und Perspektiven für die zukünftige Betreuung des Projektes vor Ort erfasst. Das Unternehmen unterstützt seine lokalen Partner dann dadurch, dass es Solarstromtechnik – insbesondere Photovoltaik-Module – zur Verfügung stellt. Diese Module liefert die SolarWorld AG an einen gewünschten Ort in Deutschland. Kompetenz zum Umgang mit der Solartechnik soll vor Ort aufgebaut werden. Die SolarWorld AG verfolgt seine Projekte aufmerksam und betreibt z.B. mit den Partnern gemeinsam die Pressearbeit. Neben dem Projekt in Mbita unterstützt SolarWorld zwei weiterführende kenianische Schulen bei der Trinkwasseraufbereitung. Weitere Projekte unterstützt das Unternehmen in Malawi, Ruanda, Mali, Kongo, Uganda und Südafrika – in der Regel über einen Projektzeitraum von fünf Jahren.

Das Projekt am Viktoria-See zeigt, wie alternative Energieformen wirtschaftlich ertragreich und mit einem hohen Nutzwert für die Bevölkerung eingesetzt werden können – wenn technische Expertise und ein Verständnis für lokale gesellschaftliche Gegebenheiten zusammen fließen und Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gemeinsam neue Wege gehen.

Foto: Fischer in Mbita (OSRAM)