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Bundespräsident fordert Umdenken für ein neues Wohlstandsmodell

Rostock > “Wir müssen ein Wohlstandsmodell entwickeln und vor allem vorleben, das tragbar und übertragbar ist”, forderte Bundespräsident Horst Köhler am Sonntag in Rostock bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Der Bundespräsident betonte die Notwendigkeit eines Zivilisationswandels und einer neuen industriellen Revolution und zeigte sich überzeugt: “Beides wird auch kommen, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich dieser Herausforderung stellen und an einem Strang ziehen – und zwar in die gleiche Richtung.”

Notwenig seien die Abkehr von fossilen Brennstoffen und der Wechsel zu erneuerbaren Energien sowie eine massive Verbesserung der Energie- und Ressourcenproduktivität. Bei den dafür erforderlichen Technologien sei Deutschland in vielen Bereichen bereits Weltmarktführer. Für ein zukunftsfähiges Wohlstandsmodell reichten Erfindergeist und Ingenieurswissen alleine jedoch nicht aus. “Nachhaltigkeit ist mehr als ein technologisches Produkt. Sie ist vor allem auch eine Frage der persönlichen Haltung, des Lebensstils von uns allen”, betonte Horst Köhler. Dabei gehe es nicht um einen Appell an die Askese, der in der Geschichte noch nie erfolgreich gewesen sei. Es gehe aber um “das Finden von Maß und Mitte für die Eine Welt”. Mit einem Blick auf die Finanzkrise zitierte der Bundespräsident Forschungsergebnisse, nach denen “Menschen, die nur nach materiellem Reichtum streben, weniger Aussicht auf Lebenszufriedenheit haben als jene, die sich persönliche Ziele jenseits des bloßen Konsums stecken und die soziale Beziehungen pflegen.”

Der Bundespräsident hielt sein Grußwort vor 1.100 Gästen in der Stadthalle Rostock. Dort nahmen Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dekan der Donald Bren School für Umweltwissenschaft und -management der Universität Kalifornien (Santa Barbara), und Dr. Holger Zinke, Gründer und Vorstandsvorsitzender des mittelständischen Biotech-Unternehmens BRAIN AG (Zwingenberg), den mit 500.000 Euro höchst dotierten Umweltpreis Europas entgegen. Von Weizsäcker unterstrich die Bedeutung einer ökologischen Steuerreform, die die menschenfreundlichste, sozial- und wirtschaftsverträglichste sowie effektivste Form einer Steuerung sei. Diese Gedanken müssten auch in die asiatischen Wachstumsräume transportiert werden, weil “dort die Musik spielt”. Zinke zeigte sich sehr froh und auch stolz darüber, dass die langjährige Arbeit als “biologisches Gewissen der Industrie” ihre Würdigung in einem so renommierten Preis gefunden habe. Gleichzeitig verstehe sein Unternehmen diese Auszeichnung als Bestätigung seines Beitrags an dem industriellen Transformationsprozess und Motivationsschub für weitere Produkt- und Prozessentwicklungen für ein nachhaltiges Wirtschaften.