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Junge Umweltbotschafter stellen sich Herausforderungen des Klimawandels

Nairobi > Seit gestern regnet es in Nairobi ununterbrochen. Das hinterlässt nicht den Eindruck, die “Ressource Wasser‘ wäre knapp. Doch dieser Eindruck täuscht: In den trockenen Gebieten im Norden des Landes führt der Wassermangel zu Völkerwanderungen und kriegerischen Konflikten. Menschen verhungern und verdursten oder sterben in ethnischen Auseinandersetzungen. Und selbst in dem fruchtbaren und wasserreichen Westen Kenias ist klar, dass eine fortschreitende Professionalisierung der Landwirtschaft zu Verteilungskämpfen führen wird. In den Städten ist es der veränderte Lebensstil, der zu einem hohen Verbrauch der Ressource Wasser führt. Und ein Bewusstsein für dieses Problem ist – nicht anders als vor wenigen Jahren noch in Deutschland – kaum vorhanden.

So sind es nicht mehr die in den Boden eingelassenen Gruben, über denen Menschen der Mittelschicht in Nairobi ihre Notdurft verrichten. Die heute vorhandenen modernen WC-Anlagen dagegen verbrauchen viel Wasser. Dieser Herausforderung stellt sich die 23-jährige Emah Madegwa aus Kenia, die dafür 2006 zur „Miss Kenia Earth“ ernannt wurde. Emah Madegwa unterstützt das ebenfalls 2006 gegründete Unternehmen „Ecotact“ bei der Umsetzung des Projekts „Ikotoilet“. Das Projekt hat zum Ziel, umweltfreundliche und wassersparende Toilettenanlagen in Nairobi zu bauen, um damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Gleichzeitig sollen die hygienischen Verhältnisse insbesondere in den Slums der Millionenstadt verbessert und der zunehmende Bedarf an öffentlichen Sanitäranlagen gedeckt werden.

David Kuria appelliert als Chief Executive Officer der Firma Ecotact Limited insbesondere an die Corporate Social Responsibility der lokalen Arbeitgeber und an die öffentlichen Auftraggeber, wenn es um die Umsetzung der ökologischen Toilettenanlagen geht: Die Herrentoilette der „Ikotoilets“ ist als wasserfreies Wandurinalen ausgestattet und spart so jährlich bis zu 220.000 Liter Wasser gegenüber herkömmlichen Toiletten ein. Zudem verfügen der Damen- und Herrenbereich jeweils über wassersparende Toiletten. Urin kann aufgefangen und zu Bodendünger konvertiert und auch Fäkalien können in Biogas umgewandelt werden.

Emah Madegwa ist nicht nur „Miss Kenia Earth“, sondern auch Umweltbotschafterin ihres Landes. Das Umweltbotschafter-Programm wurde 1998 in Asien gegründet und ist eines der Kernelemente der Kooperation zur Jugend-Umwelterziehung zwischen UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, und dem deutschen Unternehmen Bayer. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf den rasch wachsenden jungen Volkswirtschaften der Welt. Nach dem Start in Thailand wurde das Konzept in den Folgejahren auf Indien, China, Singapur, Korea, Indonesien, die Philippinen, Malaysia, Vietnam, Kolumbien, Venezuela, Ekuador, Peru, Brasilien, Polen, die Türkei und Kenia ausgedehnt. In diesem Jahr nimmt erstmals Südafrika teil.

50 junge „Umweltbotschafter“ aus 18 Ländern und vier Kontinenten waren in dieser Woche zu Gast bei Bayer in Leverkusen, um sich über Entwicklungen und Chancen von Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu informieren. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten sich in Umwelt-Wettbewerben von Bayer in den jeweiligen Ländern mit ihren Projekten gegenüber etwa 1.200 Mitbewerbern durchgesetzt. Bayer fördert die internationalen Kontakte der für ihre Umwelt engagierten jungen Menschen. „Über die Jahre ist so ein Netzwerk junger Umweltschützer entstanden, die sich mit fundierten Fachkenntnissen für die globalen Aufgaben des Umweltschutzes engagieren“, betonte Dr. Wolfgang Plischke, im Vorstand der Bayer AG verantwortlich für Innovation, Technologie und Umwelt, bei der Begrüßung der Programmteilnehmer.

Fast 90 Prozent der Jugendlichen weltweit sind der Meinung, dass die Verantwortlichen dem Klimawandel mit aller Entschiedenheit begegnen sollen, fand eine kürzlich von UNEP erhobene Studie zur Einstellung von Jugendlichen zum Klimawandel heraus. Wie dieses große Ziel in Kenia, Deutschland und weltweit in kleine alltägliche Schritte umgesetzt werden kann, darum ging es in diesen Tagen in den Gesprächen in Leverkusen.

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