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Bankenimage braucht nachhaltige Produkte

Frankfurt > Mit nachhaltigen Anlagen werden Banken das Vertrauen ihrer Kunden wiedergewinnen. Das positive Image dieser Anlageform dürfen aber nicht durch oberflächliche Beratung oder unübersichtliche Produkte eintrübt werden. Diese Ansicht vertrat Prof. Dr. Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management gestern in Frankfurt auf der Tagung „Nachhaltige Geldanlagen – Produkte, Strategien und Beratungskonzepte“. Die Finanzkrise offenbare das hohe Reputationsrisiko der Finanzbranche. Hier seien vertrauensbildende Produkte gefragt. Aber auch unter seinen Studierenden erlebe er zunehmend die Suche nach attraktiven und gesellschaftlich verantwortlichen Arbeitgebern. In den vergangenen Jahren habe eine ausschließliche Shareholderorientierung in die Sackgasse geführt, Shareholder- und Stakeholderansatz müssten integriert werden.

Faust sagt den nachhaltigen Anlageformen ein ebenfalls nachhaltiges Wachstum voraus: „Wir kommen weg von den Idealisten hin zu den ökonomisch handelnden Anliegern.“ So sei allein der Markt für nachhaltige Publikumsfonds von 4,3 Mrd. Euro im ganzen Jahr 2003 auf 30 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2008 gewachsen.

Eindringliche Appelle richtete Faust an die eigene Zunft: Es fehle an einheitlichen Standards und einer ausreichenden Markttransparenz. Produkte und Anlagen müssten stärker kategorisiert werden. Und die Branche brauche eine einheitliche Interessenvertretung. Überwunden werden müsse auch die Unkenntnis mancher Berater über nachhaltige Anlageprodukte.

Dass nachhaltige Investments gegenüber konventionellen keinen Renditenachteil aufweisen, betonte Rolf D. Häßler, Director Business Development bei der oekom research AG. Auch seine Branche boomt. Allein in den letzten beiden Jahren konnte oekom research die Zahl seiner Mitarbeiter auf 30 verdoppeln. Rund 90 Mrd. Euro werden auf der Basis des Research von oekom research gemanagt. Für wichtig hält Häßler die Transparenz von Ratings: Kunden und Unternehmen sollten wissen, wie ein Rating funktioniert und wie sein Ergebnis zustande kommt. Zudem sei es für die Qualität des Ratings wichtig, dass ein Analyst nicht zu viele Unternehmen bewerten müsse. Nicht mehr als 50 Unternehmen pro Analyst seien dies bei oekom research, bei manchem Mitbewerber kämen bis zu 160 Unternehmen auf einen Analysten.

Wie wichtig nachhaltige Produkte als eine Form der Corporate Social Responsibility für das Bankenwesen sind, betonte Prof. Dr. Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Steffens beschrieb die historisch einmalige Situation auf den Finanzmärkten: „Es wird weitergehen, wenn auch anders, sehr anders. Es wird sich eine neue globale Finanzkultur herausmänteln. Und eine solche Konferenz kann zu einem positiveren Verständnis der Bankwirtschaft beitragen“, so Steffens. Mit rund 120 Konferenzteilnehmern zeigten sich die Veranstalter jedenfalls ganz zufrieden.

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