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Wie sicher ist sicher bei Europas Tafeltrauben?

Hamburg > Greenpeace kritisiert die Pestizidbelastung der Tafeltrauben auf dem deutschen Markt hart. 43 Prozent der in Deutschland verkauften Trauben sind nach Überzeugung der Umweltschutzorganisation zu stark belastet und nicht empfehlenswert. Das ergibt eine Untersuchung, für die Greenpeace im Oktober Weintrauben in fünf EU-Ländern einkaufte und auf 300 Pestizidwirkstoffe untersuchen ließ. Die deutschen Trauben schlossen im europäischen Vergleich am schlechtesten ab. „Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller. Die Pestizid-Belastungen sind teils so hoch, dass gerade bei Kindern Gesundheitsschäden möglich sind“, kommentiert Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter die Ergebnisse. Eine schlechte Nachricht zu einer Jahreszeit, in der viele Kunden sich süße Trauben schmecken lassen möchten.

Die höchsten Belastungen fanden die von Greenpeace beauftragten Labore in Waren aus der Türkei und Italien. Spanische, französische und griechische Trauben schnitten deutlich besser ab. Greenpeace übt mit seiner Untersuchung Druck auf die deutschen Handelsketten aus, für eine bessere Zulieferkette zu sorgen und den Einsatz von Pestiziden in der Produktion zu verhindern. Zudem wendet sich die Organisation gegen die zum 1. September in der EU verabschiedeten Grenzwerte. „So besteht bei türkischen Trauben bei Real in Hamburg die Gefahr einer akuten Gesundheitsschädigung, die EU-Grenzwerte werden jedoch nicht überschritten“, heißt es bei Greenpeace. An dieser Stelle setzt die Kritik des Industrieverband Agrar an:

Nach Angaben des Industrieverbandes werden in der weit überwiegenden Zahl der von Greenpeace gezogenen Proben die zulässigen Höchstgrenzen zu weniger als 20 Prozent ausgeschöpft. Die Verbandskritik richtet sich gegen die Kriterien, die der Bewertung der Umweltschützer zugrunde liegen: „Die Organisation nimmt für sich in Anspruch, mehr für den Schutz der Verbraucher zu tun als die Behörden. Ihre Bewertung soll sicherer sein als sicher. Das ist ein Widerspruch in sich“, erklärt Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar. Der Verband vertritt 46 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Schädlingsbekämpfung und Biotechnologie.

Greenpeace wendet sich mit seiner Kritik an die Endkunden und gegen die Handelsketten. Das ist die beste Möglichkeit für eine NGO, auf die Veränderung von Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft Einfluss zu nehmen und auf die Verringerung bzw. ein Aus für den Pestizideinsatz hinzuwirken. Für den Verbraucher bleibt die Frage entscheidend, ob die gesetzlich zulässigen Grenzwerte für Pestizidbelastungen ausreichend oder gesundheitsgefährdend sind. Hier geht es nicht nur um die Verantwortung von Erzeugern und Handeln, hier geht es auch um das Vertrauen in unsere Gesetzgebungsorgane und natürlich um die Qualität der Arbeit dieser Organe.

Auf eine Informationsquelle muss der Verbraucher derzeit verzichten: Das „Factsheet_Trauben.pdf“, das Greenpeace im Internet als Informationsquelle anbietet uns das gestern noch online war, ist unter dem angegebenen Link heute nicht mehr zu erreichen.