Nachrichten

Nachhaltigkeitspreis: Die kleine Avelile gab dem Thema ihr Gesicht

Düsseldorf > Nachhaltigkeit braucht ein Gesicht. Beim Deutschen Nachhaltigkeitstag am Freitag in Düsseldorf gehörte dieses Gesicht der siebenjährigen Avelile. Von dem afrikanischen Mädchen, das vor seiner Geburt mit HIV infiziert wurde und dessen Mutter starb, berichtete die schottische Sängerin Annie Lennox. Lennox zeigte zwei Filme: Der erste zeigt eine völlig abgemagerte Avelile am Rande des Todes, der zweite ein pausbäckiges Mädchen – nachdem die Behandlung mit antiviralen Medikamenten angeschlagen hatte. Mit der Kampagne „Sing“ engagiert sich Annie Lennox für HIV-infizierte Frauen und Kinder (www.annielennoxsing.com). Dafür wurde sie in Düsseldorf mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. „Viel war im Maritim die Rede von Markenstrategien, Absatzmärkten und CO2-Emissionen. Wem aber auch nach den Vorträgen und Diskussionen noch unklar geblieben war, was Nachhaltigkeit nun ganz konkret bedeutet, dem zeigten die Filme von Annie Lennox, wie man sich engagieren kann. Nachhaltigkeit hatte gestern das Gesicht der kleinen Avelile“, schrieb dazu die Rheinische Post.

Zu den rund 200 Gästen des ersten Deutschen Nachhaltigkeitstages gehörten Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, der ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer, der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Umwelt-Staatssekretär Matthias Machnig. Für ihr Nachhaltigkeitsengagement wurden bei dieser Veranstaltung ausgezeichnet: der Medienkonzern Axel Springer, die Solarworld AG, der Chemiekonzern BASF, der Steinbeis Papierkonzern, die BSH Bosch Siemens Hausgeräte, Henkel, Solarworld, Volkswagen, Osram, die Barmenia Versicherungen und der Lebensmittelhändler tegut. Einen Sonderpreis als nachhaltigste Stadt erhielt Wuppertal. Corporate Social Responsibility braucht ein gesellschaftliches Umfeld, und das bietet die Stadt im Bergischen Land.

Die BSH Bosch Siemens Hausgeräte ging aus dem Kreis der Top 3 nominierten Unternehmen in der Kategorie nachhaltigste Unternehmen schließlich als „Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen“ hervor. BSH hatte bereits 1996 eine so genannte Produkt-Umwelt-Betrachtung eingeführt. Das Unternehmen gilt zudem als Branchenvorreiter hinsichtlich des Einsatzes von recyclingfähigen und schadstofffreien Materialien für alle Produkte. Die Entwicklungs- und Produktionsprozesse sind nach ISO 14001 (Umweltschutz) zertifiziert. Ein ausgereiftes Set an Managementtools steuert intern die Nachhaltigkeitsprozesse unter Nutzung von umfangreichen Key Performance Indicators und regelmäßigen Wettbewerbervergleichen. Und die soziale Nachhaltigkeit manifestiert sich durch ein breites Spektrum an Maßnahmen, das von der Einführung einer internen Compliance Organisation über hohe Gesundheits- und Sicherheitsstandards bis hin zu umfangreichen Trainings- und Weiterbildungsprogrammen reicht.

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde auch Kritik an der Preisverleihung laut: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bewertet die Auszeichnung der Unternehmen BASF und Volkswagen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis als gravierende Fehlentscheidung. BUND-Ehrenvorsitzende Angelika Zahrnt, die Mitglied der 15-köpfigen Jury war, distanzierte sich von der Auswahl dieser Preisträger. BASF als Produzent einer breiten Palette umweltschädlicher Chemikalien und VW als Hersteller klimaschädlicher Spritfresser mit einem solchen Preis auszuzeichnen, „widerspreche dem Gedanken der Nachhaltigkeit“, sagte Zahrnt.