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Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie

Kranenburg > Die Bundesregierung hat die Verabschiedung des Umweltgesetzbuches von der Tagesordnung genommen. Das meldet die Rheinische Post heute und beruft sich dabei auf Regierungskreise. Mit dem Umweltgesetzbuch sollte eine bundesweit einheitliche Rechtsgrundlage für alle Bürger und Betriebe geschaffen werden. Dazu passt auch das gestern von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigte Veto gegen Klimaschutzregeln der EU, die Arbeitsplätze gefährden. Ist ökologische Verantwortung nur etwas für die satten Jahre des Wirtschaftslebens? Kann ein Unternehmen zugleich wirtschaftlich erfolgreich und ökologisch verantwortlich handeln? Und wo liegen dabei die entscheidenden Herausforderungen für die Corporate Social Responsibility? Über die Rolle der Wirtschaft zwischen Gewinnmaximierung und Umweltschutz sprach CSR NEWS mit Dr. Roland Pietsch, dem Gründer der dropko Kooperationsberatung Natur- und Umweltschutz.

CSR NEWS: In welchen Branchen spielt der Natur- und Umweltschutz eine besondere Rolle? Welche Branchen sind bereits vorbildlich engagiert und wer hinkt hinterher?

Dr. Roland Pietsch: In welcher Branche sollte der Natur und Umweltschutz eine besondere Rolle spielen? In erster Linie sind hier aus öffentlicher Sicht Wirtschaftszweige, deren Produktionsverfahren oder Produkte besonders umwelt- und klimabelastend sind, zu nennen. Dazu gehören sicherlich insbesondere die Wirtschaftskomplexe um die Energie-, Chemie- und Automobilindustrie. Aber auch z.B. Fluggesellschaften, andere Logistiker oder die Landwirtschaft werden hier mit einbezogen.

Als grundsätzlich umweltfreundlich gelten per se zunächst einmal vor allem Firmen, die sich ihrem Unternehmensziel entsprechend z.B. auf dem Gebiet der Umwelttechnologien wie der regenerativen Energien engagieren. Hier wird jedoch sehr wohl kritisch zwischen den klassischen großen Energieversorgern unterschieden, die diese Sparte eher nebenbei zu betreiben scheinen, und z.B. den vielen kleineren Windkraft-, Geothermie- und Blockkraftwerk-Schmieden, bei denen umwelt- und klimaschonende Produkte ‚natürlicher‘ Be-standteil der Unternehmensphilosophie ist, wenn das auch noch nichts über die Umweltverträglichkeit der Produktion selber aussagt. Im Segment der Bioenergiegewinnung kippt gerade die Stimmung. Denn trotz vermeintlicher CO2-Neutralität belastet hier der Anbau von Energiepflanzen durch die Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelgewinnung und verbliebenen Naturräumen die Wohlfühlbilanz.

Bestimmte Branchen tun sich in Sachen Natur- und Umweltschutz ansonsten nicht hervor. Es sind doch eher einzelne Unternehmen, die sich dieser Anforderung aufrichtig stellen. Solche Bemühungen werden aber in der öffentlichen Wahrnehmung sofort wieder zunichte gemacht, wenn z.B. – wie derzeit – ein führender Energiekonzern eine große vermeintliche Klimaschutzkampagne mit immensem Medienaufwand betreibt und darin doch nur die Durchsetzung seiner ganz eigennützigen, ja letztlich sogar umwelt- und klimaschädlichen Unternehmensziele verpackt. Das stellt die gesamte Wirtschaft sofort wieder unter den Generalverdacht des vorsätzlichen Umweltfrevels.

Einige Marketingfachleute in den Unternehmen scheinen wohl offensichtlich immernoch nicht begriffen zu haben, wie Sensibilisiert ein stetig wachsender Teil der Gesellschaft inzwischen ist. Sie verstehen nicht, wie ganz normale Verbraucher heute tatsächlich ‚ticken‘, nicht die sehr unterschiedlichen Werteschätzung von ‚Ökonomen‘ und ‚Ökologen‘ (Wie hoch ist der emotionale, materielle oder gesellschaftliche Wert z.B. einer gut ausgebauten Straße im Vergleich zu einer bedrohten Pflanzen- oder Tierart?). Hier ist nicht der kritischen Öffentlichkeit, sondern solchen Marketing-Leuten Naivität und/oder sogar Arroganz vorzuwerfen. Da müssen endlich neue Wege zur Herstellung der Glaubwürdigkeit der Wirtschaft im Allgemeinen beschritten werden, soll auf Dauer ein gesellschaftlicher Konsens auf Grundlage von Vertrauen erhalten bleiben. Der ist Voraussetzung für ein langfristig erfolgreiches Wirtschaften von Unternehmen. Dafür müssen auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

CSR NEWS: Welche Themen aus dem Natur- und Umweltschutz sind besonders drängend? Wo wird das unternehmerische Engagement gebraucht?

Dr. Roland Pietsch: Umweltverschmutzung, Klimawandel, Artensterben und Globalisierung als Schlagworte beeinflussen heute besonders stark die Meinungen, Entscheidungen und Emotionen der Menschen unserer Gesellschaft, und zwar aus ehrlicher Sorge um unsere Zukunft. Hieraus ergeben sich dann auch schon die konkreten Handlungsfelder für unternehmerisches Engagement.

Selbst Industrien, die durch ihre Produkte bedingt trotz bestmöglicher umwelttechnischer Ausstattung immer stark umweltbelastend produzieren werden (z.B. Montanindustrie), könnten durch konkrete Hilfen z.B. im Bereich des Arten- und Naturschutzes vieles ehrlich und mit breiter Akzeptanz wieder ‚gutmachen‘.

CSR NEWS: Wie ‚teuer‘ ist es, wenn ein Unternehmen seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen will?

Dr. Roland Pietsch: Das kann auf Dauer gesehen vergleichsweise günstig sein, wenn die langfristige Unternehmensstrategie auf Glaubwürdigkeit angelegt ist. Denn Dienstleistungen oder Produkte eines Unternehmens mit einem unbelasteten Umweltimage befreien Konsumenten von ihrem – bewusst oder unbewusst – schlechten Gewis-sen bei der Konsumentscheidung. Das erspart permanente Image-Reparaturen, ständig neue und teure Werbefeldzüge und ist (umwelt)krisensicher. Das hätte jetzt z.B. die Automobilindustrie feststellen können, hätte sie die Zeichen der Zeit ernst genommen und auf verbrauchsarme und damit wirtschaftliche Karossen gesetzt. Die Auferstehung aus einem Image-Crash ist ungleich teurer, als glaubwürdige Investitionen in gesellschaftliche Verantwortung.

Viele Unternehmen v.a. im Bereich der Umwelttechnologien haben eindrucksvoll bewiesen, dass sich Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz gewinnbringend miteinander verbinden lassen und auf den internationalen Märkten zu einer Marktführerschaft führen kann. Jetzt müssen die anderen Branchen nachziehen. Ökonomie und Ökologie schließen sich gegenseitig nicht aus!

Ganz ‚nebenbei‘ lässt bei flächen-/natur-/umwelt-/klimaschutzrelevanten Investitionsvorhaben durch Vermeidung jahrelanger Auseinandersetzungen in Genehmigungsverfahren noch eine Menge Zeit und Geld einsparen. Dieses sollte im Gegenzug – zu einem Teil zumindest – lieber dem Natur- und Umweltschutz zugute kommen. Gut für Shareholder Value, Image und gesellschaftliche Verantwortung.

CSR NEWS: Sind Konsumenten wirklich an dem CSR-Engagement von Unternehmen interessiert?

Dr. Roland Pietsch: Ja, ohne Frage. Denn ‚Corporate Social Responsibility‘ hat sich inzwischen zu einem gleichwertigen Ziel gegenüber klassischen Unternehmenszielen entwickelt. Im Fokus stehen Themen wie Wasser, Boden, Emissionen, Abfall, Klima, Energie, Flächenverbrauch, Gesundheit und Sicherheit. CSR-Engagement ist heute unablässige Bedingung zur Befriedigung des guten Gewissens und damit der Konsumbehaglichkeit von Verbrauchern, selbst wenn das oft nur durch ein auf den ersten Blick verlässliches Label erreicht wird. Unternehmen, die das beherzigen, werden zukünftig die Nase vorne haben, auch international.

CSR NEWS: Sind Umweltschutzorganisationen (NGOs) heute mehr Partner oder mehr Kontrolleure und Gegner von Unternehmen?

Dr. Roland Pietsch: Solange Natur- und Umweltschutz für viele Unternehmen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus im Wesentlichen nur Feigenblatt-Funktion hat, werden Umweltschutzorganisationen mit Legitimation einer anwachsenden gesellschaftlichen Schicht diese Interessen bündeln und somit Kontrolleure und Gegner der Wirtschaft bleiben (müssen). Hier wird nur ein ehrliches Engagement der Unternehmen Abhilfe schaffen können.

CSR NEWS: Welche Schritte sollte ein Unternehmen gehen, das sich neu seiner Verantwortung für Natur und Umwelt stellen will?

Dr. Roland Pietsch: Das geht nur über in der Gesellschaft breit aufgestellte Umweltpartnerschaften auf gleicher Augenhöhe, durch Vertrauensbildung und zum gegenseitigen Nutzen, beispielsweise durch konkrete Kooperationen für anspruchsvolle und öffentlichkeitswirksame Projekte im Natur- und Umweltschutz.

Da beide gesellschaftlichen Interessengruppen, Wirtschaft und Umwelt, – bei allen Übergängen und Schattierungen – aus Überzeugung vom Prinzip her so grundsätzlich unterschiedlich, oft emotional und ideologisch verfestigt denken, sich artikulieren und handeln (Man traut sich gegenseitig nicht über den Weg.), bedarf es hier unbedingt eines geeigneten Katalysators.
Und das kann glaubwürdig nur jemand sein, der mit beiden Seiten, Wirtschaft und Umwelt, erfahren und vertraut ist, ihre Beweggründe kennt und versteht, sie akzeptiert und selber lebt. Jemand, der den emotionalen, ideologischen und fachlichen Zugang zu beiden Seiten besitzt.

Denn ohne dauerhaft funktionierende ökologische Systeme ist eine langfristig nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. Ohne eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist aber auch ein wirksamer Natur-, Umwelt- und Klimaschutz nicht finanzierbar. Dieses Potential ist gemeinsam auszuschöpfen!

Ich empfehle deswegen einen ausführlichen Blick auf die Website von dropko, der ersten Kooperationsberatung Natur- und Umweltschutz: www.dropko.net.

CSR NEWS: Herzlichen Dank!

Für Rückfragen:
Dr. Roland Pietsch
Email: mail@dropko.net
Internet: www.dropko.net
dropko – Die erste Kooperationsberatung Natur- und Umweltschutz

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