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Beschäftigungssicherung wird Top-Thema der CSR

Frankfurt > Fast 50 Prozent der deutschen Unternehmen beobachten, dass sich ihre Beschäftigten große Sorgen um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze machen. Dazu haben sie auch allen Grund: Denn rund ein Drittel der Unternehmen in Deutschland hält es für wahrscheinlich, dass die Zahl der Mitarbeiter im eigenen Haus als Folge der Krise erheblich reduziert wird. Fast 20 Prozent halten dies sogar für sehr wahrscheinlich. Damit sind die deutschen Unternehmen im weltweiten Vergleich besonders skeptisch:

International halten einen Personalabbau nur rund ein Viertel der Unternehmen für wahrscheinlich und 10 Prozent für sehr wahrscheinlich. Das ergab eine kürzlich bei 1.000 Firmen durchgeführte internationale Umfrage des Beratungsunternehmens Mercer zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf Unternehmen, an der sich 139 Firmen aus Deutschland beteiligten. Ein Hintergrund: Mehr als 80 Prozent aller Unternehmen weltweit gehen davon aus, dass ihre Entwicklung im kommenden Jahr rückläufig sein wird. In Deutschland hält das die Hälfte der Unternehmen sogar für „sehr wahrscheinlich“.

Die Wirtschaftsprognosen geben den Pessimisten Recht: Das IFO-Institut und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnen im Verlauf von 2009 mit einem Jobverlust von zwischen 540.000 und 600.000 Stellen. Schon jetzt macht sich der Umschwung am deutschen Arbeitsmarkt in einem sprunghaften Anstieg der Kurzarbeit bemerkbar: Im Vergleich zum Vorjahres-Oktober stieg die Kurzarbeit um mehr als 330 Prozent. Arbeitgeber setzen auch andere bekannte Instrumente zum Erhalt von Arbeitsplätzen ein: den Abbau von Überstunden, Arbeitszeitkonten, den Abbau von Zeitarbeit und betriebliche Bündnisse für Arbeit. Das alles hilft aber nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg, und die aktuelle Krise wird voraussichtlich länger andauern. Viele Großunternehmen sind zudem an Betriebsvereinbarungen gebunden, die Beschäftigungssicherheit über Jahre hinweg gewähren. Angesichts der aktuellen Krise können das die Arbeitnehmervertretungen als einen besonderen Erfolg verbuchen.

Gründe für den Pessimismus der deutschen Unternehmen können nach Ansicht der Mercer-Personalmanagementexpertin Dr. Dagmar Wilbs in der Tatsache liegen, dass etwa ein Drittel der deutschen Unternehmen direkt oder indirekt an der Automobilbranche hängen. Sobald diese lahmt, sind sie ebenfalls betroffen. Dagmar Wilbs beobachtet daher, dass sich Unternehmen verstärkt über ihr zukünftiges Personalmanagement Gedanken machen und sich mit der systematischen Abschätzung der Entwicklung des Personalbestands befassen.

Mit einer wachsenden Bedeutung des Themas Corporate Social Responsibility rechnet die Expertin für Personalmanagement ebenfalls. Denn schließlich sei die weltweite Krise von einer eher kleinen Gruppe unverantwortlich handelnder Personen ausgegangen. „Die Fragen nach grundlegenden ethischen Prinzipien, nach mehr Transparenz und der regulatorischen Kompetenz des Staates werden zukünftig eine besondere Bedeutung erlangen“, sieht Dagmar Wilbs voraus.

Dass die aktuelle Finanzkrise die Frage nach der Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft verschärft, sieht auch Christian Conrad, Geschäftsführer von brands & values. Die Fokussierung auf den „reinen Shareholder Value“ hält er für eine der Ursachen dieser Krise. „Unternehmen müssen sich in allen Branchen wieder die Frage nach ihrer Daseinsberechtigung und Rolle, ihrer ‚license to operate‘ stellen. Eine der wichtigsten Rollen, aber nicht die einzige, ist die des Arbeitgebers“, betont Conrad.