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Nachhaltigkeitsberichte erobern die Branchen

Berlin > Nachhaltigkeitsberichte halten in immer mehr Branchen Einzug. Einen ersten Nachhaltigkeitsbericht legten jetzt die internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young sowie die Kommunikationsagentur Johanssen + Kretschmer vor.

„Die Basis unseres Erfolgs sind die Mitarbeiter. Ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihr Engagement bilden die Grundlage für unser nachhaltiges Wachstum“, heißt es in dem Ernst & Young-Nachhaltigkeitsbericht mit dem Titel „Engagement aus Überzeugung“. Zur Mitarbeiterorientierung gehört für die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft zum Beispiel der faire Umgang mit Praktikanten. Dafür erhielt das Unternehmen im Fair Company Guide der Zeitschrift Karriere ein Gütesiegel. Die jährlich rund 1000 jungen Menschen werden umfassend betreut. Unternehmensmitarbeiter erhalten mit der „Learning Map“ eine Übersicht zu Pflicht- und optionalen Trainings für die von ihnen angestrebten Karrierestufen. Die Zahl der Seminare in dem flexiblen und systematisch aufgebauten Seminarkonzept steigerte sich zwischen 2006 und 2008 um rund 80 Prozent.

Auch in Bezug auf das Thema Diversity kann das Unternehmen Fortschritte ausweisen: So unterzeichnete Ernst & Young im Juni dieses Jahres die „Charta der Vielfalt“. Der Bericht weist auch Defizite aus – und was das Unternehmen dagegen unternimmt: Etwa die Hälfte der Berufsanfänger bei Ernst & Young sind Frauen, in der oberen Führungsebene sind es jedoch nur 10%. Helfen sollen hier die Bildung von Netzwerken und ein Erfahrungsaustausch unter dem Titel GROW-Initiative (Growth and Retention of Women). Mit daran mag es gelegen haben, dass sich in den letzten beiden Jahren der Anteil der Senior Managerinnen von 23 auf 27 Prozent erhöhte. Zu den weiteren Schwerpunkten des Mitarbeiterengagements von Ernst & Young gehören Life Balance und Gesundheitsmanagement.

Der Ernst & Young-Nachhaltigkeitsbericht „Engagement aus Überzeugung“ ist grafisch ansprechend gestaltet, quantifiziert das Engagement des Unternehmens übersichtlich und bietet am Schluss eine Zusammenstellung der Zahlen und Fakten nach dem GRI-Index. Das alles erleichtert die Übersicht und macht das Lesen angenehm.

„Wissen.Wirkungen.Werte.“ heißt der CSR-Bericht der Kommunikationsagentur Johanssen + Kretschmer. Mit diesem ersten Nachhaltigkeitsbericht orientiert sich auch J+K an dem Rahmen der Global Reporting Initiative. Interessant liest sich die Auseinandersetzung gerade mit den ethischen Fragen der PR-Branche. Das Unternehmen legt sich fest: „J+K ist überzeugt, dass nur ein Selbstverständnis wahrhaftiger Kommunikation und Kommunikationsberatung einen Beitrag zu einer verantwortlichen und nachhaltig auf Mehrwert orientierten Unternehmensführung leistet.“ Zu den ethischen Grundentscheidungen von J+K gehört, keine Kunden aus der Rüstungsindustrie nehmen zu wollen. Die Umsetzung dieses Grundsatzes dürfte angesichts der mit Teilen ihrer Produktion an Rüstungsprodukten beteiligten Technologie-Mischkonzerne eine Herausforderung bilden. Ansonsten benennt der Bericht Kernfragen: Welche Grenzen gelten für die Beobachtung gesellschaftlicher Organisationen? Was bedeutet Transparenz im Lobbying und wann sind solche Tätigkeiten offenzulegen? Ethische Fragen wie diese wurden im laufenden Jahr bei J+K verstärkt praxisnah diskutiert. Für alle Mitarbeiter gilt ein auf der auf der Website www.jk-kom.de publizierter „Code of Business“. Und auch J+K bietet jungen Menschen ein faires Praktikum an und investiert in die Fortbildung der Mitarbeiter.

Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und eine Kommunikationsagentur veröffentlichen ihre ersten Nachhaltigkeitsberichte. Corporate Social Responsibility und mit ihr die Nachhaltigkeitsberichterstattung erobert die Branchen.