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Wie glücklich sind Reiche und Arme? Streiflichter einer Podiumsdiskussion

Hamburg > Reiche sind glücklicher als Arme, Idealisten sind glücklicher als Materialisten. Diese Statements stammen aus einer Podiumsdiskussion, zu der am Donnerstag die „Stiftung Wertevolle Zukunft“ nach Hamburg eingeladen hatte. Deren Geschäftsführer Dr. Jesco Kreft betonte einleitend: Der Finanzsektor befindet sich in einer Reputationskrise. Und auch die Wirtschaft insgesamt braucht neues Vertrauen. Deshalb solle der Abend die Frage klären helfen, wie wir in Zukunft miteinander leben und arbeiten wollen. Das Diskussionsthema lautete: Ökonomie, Glück und Gerechtigkeit – wie passt das zusammen?

Ein höheres Einkommen macht glücklich.
Um die Frage nach dem Glück drehte sich das Gespräch auf dem hochrangig besetzten Podium von Anfang an. „Ich habe keine Ahnung, was Glück ist“, bekannte der Ökonom Prof. Dr. Bruno S. Frey von der Universität Zürich zu Anfang der Diskussion. Glück sei etwas sehr Subjektives. Dieses subjektive Glück jedenfalls ist kein knappes Gut, sondern: „Die Menschen sind mit der Gegenwart zufrieden“, befand der Wirtschaftsjournalist Henrik Müller vom manager magazin. Glück wirke sich auch auf das Berufsleben aus: „Glückliche Menschen sind offener, haben weniger Streit und machen weniger blau“, sagte Frey. Offensichtlich besteht hier eine Wechselwirkung, den Frey betonte auch: Ein höheres Einkommen mache glücklich, arme Menschen seien im Allgemeinen unglücklicher. Wozu Müller aus seiner Erfahrung dem Stereotyp vom gehetzten Manager entgegensetzen konnte: Manager sind im Schnitt sehr zufrieden und haben ein intaktes Privatleben.

Persönliche Kontakte machen glücklich..
Die Bedeutung des Geldes für das persönliche Glück relativierte der Psychologe Prof. Dr. Erich Witte von der Universität Hamburg in seinen Beiträgen. Bei Menschen, die höhere Einnahmen erzielten, steige auch das Anspruchsniveau besonders schnell. Zudem schmerzten finanzielle Verluste deutlich stärker als Gewinne glücklich machten. Jeder müsse sich die Frage stellen: Ist Geld mein höchstes Ziel? Von besonderer Bedeutung für das Glück seien Partnerschaft, Familie und allgemein intime und persönliche Kontakte.

Managerversagen delegitimiert Leistungsentlohnung..
Zum Thema Gerechtigkeit diskutierten die Podiumsteilnehmer die Frage nach der Einkommensverteilung. Während Bürger der USA angesichts des wachsenden Unterschiedes zwischen Niedrigeinkommen und Spitzenverdienern eher die Auffassung verträten, jeder habe bei entsprechendem Engagement die Chance auf einen solchen Spitzenverdienst, werde in Europa eher die Forderung nach einer Umverteilung etwa über das Steuerrecht laut. So nimmt der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Lorenz Fischer von der Universität Köln in der Öffentlichkeit einen Kampf um die Legitimität hoher Einkommen wahr. „Das Managerversagen delegitimiert in der Öffentlichkeit Leistungsentlohnung“, sagte Fischer. Es sei außerdem schwierig, Leistungsentlohnung an objektive Kriterien zu knüpfen.

Glücksforschung gibt keinen Vorwand für Untätigkeit..
Gerechtigkeit sei eine wichtige Norm, um ökonomische Prozesse zu organisieren, so Fischer. Was dabei als gerecht betrachtet werde, müsse im gesellschaftlichen Diskurs herausgefunden werden. Der Diskurs würde zugleich die Aufmerksamkeit auf Gerechtigkeitsfragen lenken. Dieser Prozess brauche allerdings Information und Kommunikation: So führe der Kauf von Kaffee in der Regel nicht zum Nachdenken über Gerechtigkeitsfragen, weil den Käufern Informationen über die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern fehlten. Und Frey betonte: Die Glücksforschung dürfe nie als Vorwand dienen, sich nicht um Arme zu kümmern. „Die Menschen in den ärmsten Ländern dieser Welt sind enorm unglücklich“, sagte Frey. Unklar blieb an diesem Abend indes der Zusammenhang von Glück und Gerechtigkeit.

Moderiert wurde die mit rund 100 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung durch Oliver Rehlinger vom Inforadio rbb. Die vielen Beiträge und Fragen in der abschließenden Plenumsdiskussion führten zu einem späten Programmende. Dass spricht dafür, dass die Veranstalter ein wichtiges Thema getroffen hatten.

Die Stiftung im Internet:
www.wertevolle-zukunft.de

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