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Zufälligkeit bei der Kooperationsanbahnung überwinden – die Mittlerdatenbank

Gütersloh > In Deutschland ist die Anbahnung von Kooperationsprozessen zwischen Wirtschaftsunternehmen und gemeinnützigen Initiativen oft von Zufälligkeiten geprägt: Manchmal gibt ein Unternehmer oder einer seiner Mitarbeiter den Impuls dazu, manchmal bringt ein Missstand die Verantwortlichen zusammen. In anderen Ländern gibt es eine Tradition von Beratung und Begleitung durch Mittlerorganisationen. Die Erfahrungen dort zeigen: Eine effektiv gestaltete Verantwortungsübernahme benötigt sowohl Initiativkraft als auch Rahmenbedingungen, die von Know-how, robusten Strukturen und angemessenen Instrumenten zur Projektentwicklung geprägt sind. Dazu soll die von der Bertelsmann Stiftung ins Leben gerufene „Mittlerdatenbank“ beitragen.

Mit diesem im vergangenen Jahr gestarteten Online-Angebot will die Bertelsmann Stiftung Rahmenbedingungen zur Anbahnung, Begleitung und Auswertung von Kooperationen zwischen unterschiedlichen Partnern im kommunalen und regionalen Raum verbessern. Die Datenbank wendet sich an Unternehmen, Kommunen, öffentliche Körperschaften und gemeinnützige Organisationen, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit anderen haben und dabei durch die Unterstützung von Dritten erfolgreicher sein wollen. Dazu stellt sie das Feld der Mittlerorganisationen vor: Sie verzeichnet verschiedene Organisationsformen und informiert über Profile, Kompetenzen und Angebote. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Anbieter.

CSR NEWS sprach mit Dr. Gerd Placke, der dieses Projekt bei der Bertelsmann Stiftung leitet:

CSR NEWS: Herr Dr. Placke, warum hat sich die Bertelsmann Stiftung für das Projekt „Mittlerdatenbank“ entschieden? Wie knüpft das an bisheriges Stiftungsengagement an?

Dr. Gerd Placke: Im Themengebiet der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zeigen internationale Erfahrungen: Bei neuen gesellschaftlichen Kooperationen zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen sind so genannte Mittlerorganisationen von großem Vorteil. Sie vermitteln zwischen den verschiedenen Erfahrungswelten von Wirtschaft und Gesellschaft, sie moderieren solche Prozesse und machen Angebote im lokalen Umfeld. Wir benötigen hierfür in Deutschland verstärkt ein Verständnis: Promotoren können hilfreich sein, die Projekte zwischen verschiedenen Akteuren voranbringen, weil Kooperationen im Zuge der immer größer werdenden Herausforderungen bedeutsamer werden.

CSR NEWS: Welche Bedeutung kommt den Mitteln im Tätigkeitsfeld zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen zu? Geht es nicht auch ohne sie?

Dr. Placke: Tatsächlich, der Einsatz von Mittlern ist für Unternehmen kein „Muss“, viele Projekte klappen auch ohne Mediation. Nur: Allgemein betrachtet ist in unserer unübersichtlichen Welt eine Infrastruktur sinnvoll, die öffentlichkeitswirksam auf solche Projekte hinweist, an die man sich wenden kann und die im lokalen und regionalen Umfeld Angebote unterbreiten. Gerade für Kommunen sind solche Institutionen wie Freiwilligenagenturen, Bürgerstiftungen, Lokale-Agenda-Büros, Quartiersmanager eine Entlastung, weil sie Projekte initiieren, wofür die Verwaltung bisweilen keine Zeit erübrigen kann.

CSR NEWS: Worauf sollte ein Unternehmen achten, das für sein Engagement den „richtigen“ Mittler finden will?

Dr. Placke: Das Kompetenzprofil von Mittlern ist sehr anspruchsvoll: Mitarbeiter aus Mittlerorganisationen sollten über Wissen aus den unterschiedlichen sozialen Welten verfügen und ein grundlegendes Verständnis von Organisationsstrukturen und Handlungsweisen sowohl in Unternehmen als auch in Gemeinwohlorganisationen haben. Erforderlich sind also soziale, kommunikative und moderierende Kompetenzen. Die Szene der Anbieter ist sehr unterschiedlich. Entscheiden Sie im Zweifelsfall nicht „kalt“ nach dem „Portfolio“, denn auch die „Chemie“ zwischen den agierenden Personen sollte stimmen. Unterschätzen Sie nicht Faktoren wie etwa eine spezielle regionale Ausrichtung oder Vorerfahrungen im Themenfeld, das im Projekt bearbeitet werden soll.

CSR NEWS: Besten Dank.

Die „Landkarte der Mittlerorganisationen“ verzeichnet bisher deutschlandweit 24 Organisationen. Mittlerorganisationen haben die Möglichkeit, ihr Profil auf der Website einzustellen. Die Freigabe der Profile erfolgt durch einen Redaktionskreis. Die Zahl der verzeichneten Mittlerorganisationen soll in den nächsten Wochen weiter steigen.

Die Datenbank im Internet:
www.gute-geschaefte-macher.org

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