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DNWE-Expertenforum heute gestartet – wirtschaftsethische Impulse für aktuelle Diskussionen

Zittau > Heute öffnet das DNWE-Expertenforum. Mit diesem Forum bezieht das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) in aktuellen Diskussionen Stellung zu zentralen wirtschaftsethischen Fragen – vertreten durch Fachleute in einzelnen Themengebieten. Mit drei Expertenstatements und aktuellen Nachrichten zu den angesprochenen Themen ging das Forum am Mittag online. Der Link zur Website lautet:
www.dnwe.de/expertenforum

Zum Thema „Manager – alles nur Gier?“ nimmt der Konstanzer Wirtschaftsethiker Prof. Dr. habil. Josef Wieland in dem Forum Stellung. Seine Kernthese: „Wer illegales und unmoralisches Verhalten in der Wirtschaft verhindern will, muss den Zusammenhang zwischen individueller Gier und den Triebkräften der Umwelt ins Visier nehmen. Die aktuelle Diskussion über die Gier der Manager führt eher in die Irre. Wir brauchen eine Analyse der individuellen und strukturellen Auslöser wirtschaftskriminellen Verhaltens.“

Wieland vertritt in seinem Beitrag drei Thesen:

  • Erstens: Der „ehrbare Kaufmann“ war zu keiner Zeit eine Ist-Beschreibung, sondern eine normative Soll-Forderung, gerade weil die Kaufleute dieser Zeit alles andere als durchgängig „ehrbar“ waren. Jedenfalls waren sie, wenn die tradierten Geschichten nicht trügen, den heutigen Managern an Durchschnittsmoral nicht überlegen.
  • Zweitens: Ehre und Freundschaft rangieren in dieser Welt über dem Gesetz, und zwar aus dem Grund, weil das Gesetz als schwach und schwer durchsetzbar angesehen wurde. Private Erzwingungsmechanismen werden öffentlichen vorgezogen, weil sie effizienter die Einhaltung von Vertrags- und Geschäftsversprechen sicherzustellen scheinen. Allerdings hat sich hier die Lage in modernen Gesellschaften gründlich geändert. Ein ehemaliger hoher Politiker, der vor nicht allzu langer Zeit sein „Ehrenwort“ über den Gehorsam gegenüber dem Gesetz stellte, erregte seinerzeit eher Kopfschütteln, auch wenn ihm seine Haltung als „anständig“ vorgekommen sein mag.
  • Drittens: Gier ist Ausdruck des menschlichen Strebevermögens, welches als ein Zuviel das rechte Maß verfehlt. Schon die griechische Antike wusste, wie ungesund sie für den Menschen ist und hat dies in der Sage vom Perserkönig Midas kommuniziert. Der Gegenbegriff zu Gier ist die Acedia, die Trägheit des Herzens, eine der sieben Wurzelsünden des Christentums, die ein Zuwenig des Strebens anzeigt. Wie auch immer: Gier gehört zur Naturausstattung des Menschen und erklärt als solche nur dessen Potenz, vom rechten Maß abzuweichen. Was aber folgt daraus, dass jemand seine Gier nicht im Griff hat? Nahegelegt wird, dass die heutigen Probleme der Wirtschaft ein Ausdruck individuellen Versagens seien, deren Kur dann konsequenterweise in einen Appell an den Anstand des Einzelnen kulminiert. Dabei erklärt Gier nicht einmal spezifisches abweichendes Verhalten – also Korruption, Betrug und so weiter. Im besten Fall ist dieser Erklärungsansatz Ausdruck moralischer Besorgnis. Nötig ist dagegen eine genaue Analyse der individuellen und strukturellen Trigger wirtschaftskriminellen Verhaltens. Deren Zusammenspiel zu verstehen ist sowohl zum Verstehen als auch zur Prävention „gierigen“ Verhaltens unabdingbar. Dies ist die Aufgabe eines professionellen Compliance Managements.
  • Der ganze Beitrag, die themenbezogenen Nachrichten und die Diskussion ist unter folgendem Link zu erreichen: http://www.dnwe.de/corporate_governance.php

    Zwei weitere Beiträge stehen zur Diskussion:

  • Prof. Dr. Klaus M. Leisinger, Präsident und Exekutivdirektor der Novartis Foundation for Sustainable Development, mit dem Thema: „Wie weit reicht der Einfluss von Unternehmen – und wie weit ihre Verantwortung?“
  • Caspar von Hauenschild, Vorstand bei Transparency International und dem TTN Institut an der LMU München, mit dem Thema: „Glaubwürdige Korruptionsprävention im Unternehmen“
  • Das DNWE-Expertenforum wird in Kooperation mit CSR NEWS gestaltet und von der Stiftung Apfelbaum unterstützt.

    Foto: Prof. Dr. habil. Josef Wieland (DNWE)