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Korruptionsprävention ist „burning ships“

Zittau > Mit dem gestern gestarteten DNWE-Expertenforum widmet sich das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik auch dem Thema Korruption. Dabei stellt der DNWE-Experte und Vorstand von Transparency International, Caspar von Hauenschild, vier Erfahrungsregeln für die Vermeidung von Korruption vor:

  • Korruptionsprävention ist „burning ships“: Der Entdecker Hernan Cortez verbrannte 1519 seine Schiffe nach Ankunft in Mexico und signalisierte seinen Soldaten damit: Es gibt kein Zurück! Wer als Geschäftsführer seinem Verkaufskollegen zuzwinkert mit der Botschaft: „wenn es darauf ankommt, reden wir noch mal“, der hat schon verloren. Es wird dauernd „nochmal geredet“, ohne jemals zu prüfen, mit welchen Top-Produkten und ganz anderen Kunden das Geschäft auch „korruptionsfrei“ zu gestalten wäre.
  • Korruptionsprävention braucht Analyse der Konflikte vor Ort: Anti-Korruptionsleitlinien haben es mit Konsens zu tun. Ihr konkreter Stoff aber sind Konflikte! Der „Glaubwürdige“ leistet im Markt mit korruptionsbehaftetem Geschäft nicht nur eine Analyse der Konflikte vor Ort, sondern screent mit dem Verkauf alle Märkte, Kunden, Agenten und Lieferanten nach den Kriterien der Anti-Korruptionsleitlinien. Diese aufwendige Analyse der Konfliktpotentiale ist bereits effiziente Prävention.
  • Korruptionsprävention braucht Integration in die Führungskultur: Wer Korruptionsprävention nicht als ein Changemanagement-Projekt begreift und seine Hausaufgaben in Sachen Konfliktanalyse und Coaching versäumt, der verankert Korruptionsprävention nicht in die Unternehmens- und Führungskultur. Denn Unternehmens- und Führungskultur wird ganz wesentlich bestimmt von Vorbildern, die ihren Erfolg durch Kompetenz, Charakter und Begeisterung auf der Basis der Unternehmensleitlinien erreicht haben. Wer hier wegschaut und ’schwächelt‘ und die ‚falschen‘ Kandidaten fördert, der beschädigt die Glaubwürdigkeit der Führung und damit langfristig den Unternehmenserfolg.
  • Korruptionsprävention braucht „collective actions“: Auch auf überbetrieblicher Ebene ist die Suche nach Koalitionspartner für einen fairen, also korruptionsfreien Wettbewerb wichtig. Es bietet sich an, zunächst den eigenen Verband und die IHKs für gemeinsame Anti-Korruptionsleitlinien zu aktivieren. Das kann mit einem Erfahrungsaustausch über ’schlechte Erfahrungen‘ in Teilmärkten beginnen. Und es kann sich bis hin zu gemeinsamen Vorschlägen für so genannte Integritätspakte fortsetzen, in denen sich der Ausschreiber und die Lieferanten in einem privatrechtlichen Vertrag zu bestechungsfreiem Verhalten, maximaler Transparenz in der Ausschreibung und sorgfältigem Monitoring verpflichten.

Der vollständige Diskussionsbeitrag, Nachrichten und Kommentare dazu ist im DNWE-Expertenforum zu erreichen unter:
http://www.dnwe.de/anti-korruption.php

Foto: Caspar von Hauenschild (DNWE)