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BASF Crop Protection und REWE analysieren Ökoeffizienz von Äpfeln

Berlin > Nachhaltigkeitsthemen erleben auf der heute in Berlin zu Ende gehenden Fruit Logistica eine große Nachfrage. Das überraschte Dr. Andreas Kicherer, der für die BASF dort ein Nachhaltigkeitstool vorstellt. An der Ökoeffizienz-Analyse arbeitet Kicherer seit zwölf Jahren, 350 Mal ist sie bereits zum Einsatz gekommen. Sie erfasst die Umweltauswirkungen von unterschiedlichen Produkten, in denen Chemie steckt: vom Teppich über Lacke bis zu Textilien. Nun hat BASF gemeinsam mit REWE Äpfel unter die Lupe genommen – und das öffentliche Interesse übertrifft alles, was Kircherer bisher mit seinem Analysetool erlebt hat.

Der BASF-Chemiker weiß um die Grenzen seines Tools und der Bemühungen um Nachhaltigkeit. Jedes menschliche Handeln und jede Produktion hat Auswirkungen auf die Umwelt, entzieht ihr zum Beispiel Ressourcen. Absolute Nachhaltigkeit gibt es nicht. “Es geht aber um Schritte hin zu nachhaltigeren Produkten”, sagt Kicherer. Und dabei hilft die Ökoeffizienz-Analyse der BASF: Sie erfasst die Faktoren Energie, Emissionen, Landverbrauch, Ressourcenverbrauch, Risiko- und Toxizitätspotential. Und sie reicht von den ersten Schritten zur Anbauvorbereitung bis zu dem Moment, in dem das Produkt den Verbraucher erreicht. Erfasst werden die ökologische und die ökonomische Nachhaltigkeit. Preis und Qualität müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen, und ökologische Qualität muss bezahlbar bleiben, diese Erkenntnis steht auch hinter dem Design des Analysetools. Einzelne soziale Faktoren fließen mit in die Bewertung ein, bei den Risikofaktoren etwa die Häufigkeit von Arbeitsunfällen. Ansonsten arbeitet die BASF in anderen Bereichen mit einer Sozio-Ökoeffizienz-Analyse, die gesellschaftliche Faktoren umfassender berücksichtigt. Und so stellt Kicherer auf der Fruit Logistica für den ganzen Produktions- und Distributionsweg der Äpfel vor, welcher Energie- und CO2-Ausstoß damit verbunden ist.

Für die Äpfel ist das Ergebnis auf den ersten Blick wenig überraschend. Nach der Eingabe eines umfangreichen Zahlenmaterials in die Datenbank des Analysetools zeigt eine Matrix mit den beiden Koordinaten Ökologie und Ökonomie auf: Im November, wenn europäische Äpfel frisch zur Verfügung stehen, sind diese den Früchten aus Neuseeland in Sachen Ökoeffizienz um Längen überlegen. Das Bild ändert sich im April: Dann liegen die neuseeländischen Äpfel im vorderen Feld. Ursächlich ist dabei insbesondere der hohe Aufwand für die kühle Lagerung der Produkte. Überhaupt fällt der Ressourcenverbrauch im Zusammenhang mit der Produktion gering aus im Vergleich zu dem Aufwand für Transport und Lagerung.

Kicherer versäumt nicht, auch auf folgendes Ergebnis hinzuweisen: Einen positiven Einfluss auf die Ökoeffizienz besitzt die Erntemenge pro Hektar. Denn bei ertragreichen Anbauverfahren verteilt sich etwa der Dieseleinsatz für den diese Fläche bewirtschaftenden Traktor auf eine größere Menge an Produkten. Das Ernteergebnis lässt sich auch durch den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbessern. Ein kritischer Punkt bei dem Analysetool ist indes die Gewichtung der verschiedenen Kriterien, etwa CO2-Ausstoß gegenüber Flächenverbrauch. Diese Gewichtung entscheidet mit darüber, welchen Anteil die Produktion und welchen die Distribution auf die Ökoeffizienz nehmen. Für diese Gewichtung greift BASF auf Stakeholderbefragungen zurück. Und die Gewichtung wird nicht produktspezifisch angepasst. Eine Anpassung erfolgt allerdings regional. Denn der CO2-Ausstoß besitzt für eine der intensiven Sonnenausstrahlung ausgesetzte Region wie Neuseeland eine höhere Bedeutung als für andere Erdteile.

Für BASF gibt die Ökoeffizienz-Analyse wichtige Argumente für Investitionsentscheidungen bereits ab der Stufe von Forschung und Entwicklung. Denn bei solchen auf ein jahrelanges Engagement angelegten Projekten will das Unternehmen wissen, dass es in eine nachhaltige Technologie investiert. Für REWE dürfte die Transparenz gegenüber Kunden und Nichtregierungsorganisationen im Vordergrund stehen. Der Einzelhandel steht unter dem Druck der NGOs, die ihrerseits Zulieferketten von Nahrungsmitteln analysieren und öffentlichkeitswirksam diskutieren.