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Über 1000 neue Stiftungen in Deutschland – Unternehmen und Unternehmer beteiligt

Berlin > Mit 1.020 Stiftungen bleibt die Zahl der neu gegründeten Stiftungen trotz Finanzkrise weiterhin hoch. Das teilte heute der Bundesverband Deutscher Stiftungen mit. Aktuell gibt es in Deutschland 16.406 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt eine steigende Zahl nichtrechtsfähiger Stiftungen. Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist Dr. Wilhelm Krull, zugleich Generalsekretär der VolkswagenStiftung. Er sagt: „In den vergangenen neun Jahren wurden mehr Stiftungen errichtet als in der 51-jährigen Geschichte der Bundesrepublik zuvor. Das zeigt: Deutschland wird immer mehr zum Stifterland.“

Unter den vier größten Stiftungs-Neugründung ist eine Unternehmensstiftung: Der Siemens-Konzern hat sein gesellschaftliches Engagement in der mit 400 Millionen Euro ausgestatteten Siemens Stiftung gebündelt. Der Stiftungszweck erstreckt sich von der Förderung von Wissenschaft und Forschung, etwa hinsichtlich des Einsatzes innovativer Technologien, über die Verbesserung von Bildungschancen bis zu Engagement im kulturellen Spektrum.

Die drei weiteren größten Stiftungsneugründungen sind Unternehmer-Stiftungen: Die Hamburger „Joachim Herz Stiftung“ fördert mit einem Grundstockvermögen von über einer Milliarde Euro Bildung, Wissenschaft und Forschung. Den „Hector Wissenschaftsfonds“ der Universität Karlsruhe haben der SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector und seine Ehefrau Josefine gegründet. Und mit der „Stiftung für das ISD am Klinikum der Uni München“ stellt der polnische Unternehmer Zygmunt Solorz-Zak ein Stiftungsvermögen von 100 Millionen Euro für das Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) zur Verfügung.

Das Stiftungsvermögen in Deutschland wird auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt. Auch Stiftungen sind als Kapitalanleger teilweise von der Finanzkrise betroffen. Die realisierten Verluste in der Vermögenssubstanz halten sich jedoch in Grenzen, da Stiftungen nicht kurzfristigen Entscheidungszwängen unterliegen und wegen des gesetzlichen Gebots der Kapitalerhaltung traditionell eher konservativ anlegen. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, zeigt sich optimistisch: „Stiftungen bleiben eine solide Säule, die nicht wackelt, wenn es stürmt. In Deutschland ist der Stiftungsbereich weiter eine ‚Wachstumsbranche‘. Bei der Gründungsdynamik sind wir europaweit die Nr. 1.“

Nordrhein-Westfalen führt mit 3.159 Stiftungen in der absoluten Zahl der Stiftungen und liegt mit 228 in 2008 errichteten Stiftungen auch bei den Neugründungen vorn. Jedoch gemessen an der Einwohnerzahl führt Hamburg mit 64 Stiftungen pro 100.000 Einwohner; die größte Errichtungsdynamik in den Flächenländern weist Baden-Württemberg auf. Nach wie vor ist Deutschlands Stiftungslandschaft zweigeteilt. 942 aller neu errichteten Stiftungen entfallen auf die alten Bundesländer, 78 Stiftungen wurden in den neuen Bundesländern gegründet. Die Signale aus dem Osten sind jedoch positiv: Während in vielen westdeutschen Bundsländern weniger Stiftungen als im Vorjahr errichtet wurden, konnten Sachsen, Thüringen, Brandenburg und auch Berlin von allerdings niedrigem Niveau aus einen höheren Zuwachs als im Vorjahr verzeichnen.

Bei den Bürgerstiftungen gehört Deutschland zur Weltspitze. Mit 32 neugegründeten Bürgerstiftungen bleiben diese eine der am stärksten wachsenden Stiftungsgruppen. Mehr als 210 Bürgerstiftungen gibt es bisher in Deutschland. Davon tragen 166 das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Nach den USA gibt es kein Land mit einer vergleichbaren Anzahl an Bürgerstiftungen. Fast 30 Prozent aller Bürgerstiftungen außerhalb der USA sind in Deutschland gegründet worden. Erst kürzlich hat Deutschland Kanada auf Platz zwei abgelöst.

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