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Ehrendoktorwürde für Nachhaltigkeitskanzlerin

Berlin > Für ihre politischen Leistungen nach der Wiedervereinigung erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Berlin die Ehrendoktorwürde der amerikanischen University of Exile, New York School of Social Research. Die Kanzlerin nutzte ihre Dankesrede für einen Blick nach vorne auf eine „Charta für Nachhaltiges Wirtschaften“ nach dem Vorbild der Vereinten Nationen.

Merkel beklagte angesichts der Globalisierung das Fehlen der „gestaltenden Züge, die wir brauchen, um diese auch politisch zu leben“. Die aktuelle Wirtschaftskrise böte Chancen, die Globalisierung politisch zu leben. Gerade Deutschland bringe aus 60 Jahren Sozialer Marktwirtschaft die Erfahrung mit, dass der Staat als Hüter einer freiheitlichen Ordnung für erfolgreiches Wirtschaften immer wieder Leitplanken schaffen müsse. „Genau um diese Frage des Verhältnisses von Leitplanken zu individueller Freiheit wird es in der internationalen Diskussion gehen“, sagte Merkel. Für die Gestaltung der ökonomischen und nachhaltigen Dimension des Zusammenlebens sei ein ähnlicher Kraftakt erforderlich wie bei der Gründung der Vereinten Nationen und der Charta der Menschenrechte. Die westlichen Länder müssten dabei verstehen, dass sie nur das ausgeben können, was sie selbst erarbeiten.

Unter der Kanzlerschaft von Merkel hat das Thema Nachhaltigkeit im politischen Alltag einen hohen Stellenwert erreicht: So diskutierte der Bundestag in der vergangenen Woche den Fortschrittsbericht 2008 der Bundesregierung zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Gemeinsam mit dem Fortschrittsbericht wurde im vergangenen Oktober die Nachhaltigkeitsprüfung für neue Gesetze und Verordnungen beschlossen, zu deren Umsetzung ein Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung gegründet wurde. Der nächste Fortschrittsbericht ist für 2012 angekündigt.

Im Januar hat das in der Bundesregierung zur Corporate Social Responsibility federführende Bundesarbeitsministerium ein CSR-Forum mit rund 40 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik eingesetzt. Die Bundesregierung arbeitet damit an einer nationalen CSR-Strategie ebenso wie am deutschen CSR-Profil im Ausland. Teilnehmer der Begegnung berichteten von einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre trotz teilweise unterschiedlicher Ausgangspunkte. Bei der ersten Begegnung im Januar wurde an einem gemeinsamen CSR-Verständnis gearbeitet. Bei einem nächsten Treffen im April sollen mögliche Handlungsfelder der CSR-Strategie der Bundesregierung eruiert werden.

Die Kanzlerin will sich am 2. April mit einem eigenen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit einsetzen, wenn es beim Treffen der G20-Nationen um mehr Transparenz auf den Finanzmärkten geht.

Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel im November 2007 auf der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung (CSR NEWS)

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