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CSR-Reporting: Weniger Hochglanz und mehr belastbare Zahlen gefordert

Düsseldorf > Die CSR-Hochglanzberichterstattung von Unternehmen täuscht häufig. Zahlen und Fakten in den Berichten sind nicht belastbar, die dort genannten Ansprechpartner kennen sich nur lückenhaft oder gar nicht aus, und Public-Relations-Abteilungen besitzen immer noch einen sehr starker Einfluss bei der „Implementierung“ von CSR-Strategien. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie „Corporate Social Responsibility Verankert in der Wertschöpfungskette“ der Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Die Autoren schlussfolgern: „Die Unternehmen müssen lernen, CSR als einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel zu verstehen, der alle Mitarbeiter betreffen wird.“ Aufschlussreich sind einige Einzelergebnisse der Studie, die im vergangenen Herbst mit Fragebögen und persönlichen Interviews unter 55 deutschen und internationalen Großunternehmen der Konsumgüterindustrie und des Handels durchgeführt wurde:

Alle befragten Unternehmen geben an, CSR-Strategien und -Prinzipien in allen Bereichen der Wertschöpfungskette zum Einsatz zu bringen – jedoch mit unterschiedlicher Ausprägung. So sieht eine vergleichsweise hohe Zahl der Unternehmen kaum eine Relevanz für CSR in den Bereichen Finanzen & Controlling. Einen messbaren ROI sieht die große Mehrzahl der Befragten für CSR-Investitionen nicht.

Als Motiv für die Verfolgung von CSR-Strategien steht die Reputation an der Spitze, gefolgt von der persönlichen Überzeugung. Wissenschaftliche Erkenntnisse und politischer Einfluss spielen offensichtlich nur eine geringe Rolle.

Ansprechpartner für das Thema Corporate Social Responsibility sind mit 64 Prozent in – eher weniger einflussreichen – Stabstellen und nur mit 36 Prozent in Führungspositionen zu finden.

86 Prozent der Befragten veröffentlichen CSR-Berichte, 71 Prozent auf Basis der GRI. Jedoch sind interne oder externe Auditierungssysteme wenig verbreitet: 71 Prozent der Unternehmen auditieren Zulieferer, jedoch nur 14 Prozent die Bereiche Marketing & Vertrieb sowie Forschung & Entwicklung oder 29 Prozent die Bereiche Service, Management sowie Finanzen & Controlling. Das nährt Zweifel an der Belastbarkeit des für die CSR-Reports verwendeten Zahlenmaterials.

In der Beschaffung achten Unternehmen besonders auf soziale Faktoren wie die Einhaltung der Menschenrechte, die Mindest-Arbeitsstandards sowie Mindeststandards in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt. Dem Fair Trade kommt eine untergeordnete Bedeutung zu.

Der Deloitte-Bericht beginnt mit der Frage: „Zeigt der momentane Zustand der globalen Finanzmärkte nicht, dass man mit den Instrumenten der Eigenverantwortung früher oder später scheitern wird?“ Eine CSR-bezogene Antwort findet sich in der Studie nicht, wohl aber Hinweise darauf, was Unternehmen tun sollten: unternehmensweite CSR-Strategien definieren und unternehmensspezifische CSR-Ziele mit realistischen Zeitplänen festlegen, diese Ziele weitgehend an der Wertschöpfungskette orientieren und messbar machen, ein kontinuierliches Change-Management nutzen und den Prozess mit einer kontinuierlichen Kosten-Nutzen-Analyse begleiten. Mit anderen Worten: CSR ins Core Business holen.

Die Studie zum Download im Internet:
http://www.deloitte.com/dtt/research/0,1015,cid%253D249667,00.html