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Quadratisch. Praktisch. Kreativ – das Museum Ritter

Waldenbuch > „Quadratisch.Praktisch.Gut.“ Diese Produktbeschreibung werden fast alle Deutschen mit einer Schokoladensorte in Verbindung bringen. Es war Clara Ritter, die 1932 die Idee zu diesem außergewöhnlichen Schokoladenformat hatte. Man sollte die Tafeln einstecken und mitnehmen können, sie sollten nicht so schnell schmelzen. Ihre Enkelin Marli Hoppe-Ritter gewinnt dem für die Marke Ritter-Sport typischen Schokoladen-Quadrat noch ganz andere, kreative Seiten ab. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Quadrat erlebt sie als Paradigma der Moderne. Seit 2005 haben 230.000 Besucher die Werke ihrer Sammlung im Museum Ritter bewundert.

Zündfunke für diese künstlerische Auseinandersetzung war der Vortrag des renommierten Kunsthistorikers Dr. Andreas Bee zum Thema „Das Quadrat in der Kunst“ anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 1987. Seit dieser Zeit beschäftigt sich Marli Hoppe-Ritter mit diesem Thema. Ihr erstes Bild – eine kleine Postkarte von Sol LeWitt von 1980 – erwarb sie im Oktober 1993 auf der Art Cologne. Etwa 700 Gemälde, Objekte, Skulpturen und grafische Arbeiten umfasst ihre Sammlung heute. Seit Anfang der 90er Jahre stellt Marli Hoppe-Ritter Kunstwerke in den Fluren und Büros des Verwaltungsgebäudes aus. Neue Mitarbeiter können Bilder für ihre Büros wählen, was einen großen Anklang findet. Sie nutzen auch die speziellen Mitarbeiterführungen, die zweimal jährlich im Museum Ritter angeboten werden. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern darüber hinaus kostenfreie Kunstkurse.

Dass Marli Ritter-Hoppe ihr Museum unmittelbar neben dem Unternehmen angesiedelt hat, ist ein klares und ermutigendes Bekenntnis zum Standort Waldenbuch. Das Quadrat spiegelt sich auch in der Architektur des nach ökologischen Kriterien konzipierten Gebäudes. Wer etwa eine Stunde Zeit mitbringt, kann die dort ausgestellten Werke entspannt betrachten und sich dabei von einem Audio-Guide über deren künstlerischen und historischen Hintergrund informieren lassen. Marli Hoppe-Ritter sammelt „nach vorne“: Kontinuierlich kommen neue Arbeiten hinzu. Die Sammlung zeigt aktuelle Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler in Kombination oder in Auseinandersetzung mit den modernen Klassikern der abstrakten Kunst. Das Museum will nicht durch große Künstlernamen überzeugen, sondern durch die Qualität der Kunstvermittlung, betont Marli Hoppe-Ritter. Davon sollen besonders Kinder und Jugendliche profitieren, für die der Eintritt frei ist. So hat das Museum im vergangenen Jahr ein gemeinsames Projekt mit einer Realschule durchgeführt, bei dem Schüler der 8. Klasse Texte zu einzelnen Bildern entworfen und für den Audio-Guide gesprochen haben.

Das Museum Ritter wird von der Marli Hoppe-Ritter-Stiftung getragen, einer privatrechtlichen Kapitalstiftung, und finanziert sich unabhängig von der öffentlichen Hand. Die Beziehungen zur Kommune sind dennoch eng. Derzeit rufen die Stadt Waldenbuch und angrenzende Gemeinden einen Museumsweg ins Leben, der auch zu diesem Museum führen wird.

Mit der Marli Hoppe-Ritter-Stiftung ist das Museum juristisch völlig unabhängig vom Unternehmen Alfred Ritter GmbH & Co.KG. Dennoch sind die Verbindungen vielseitiger, als die unmittelbare Angrenzung des Museumskomplexes an das Firmengelände es vermuten lässt. So hat eine Künstlergruppe folgende interessante Idee für die laufende Ausstellung entwickelt: Mitarbeiter der Firma können Kunstwerke für die Ausstellungsdauer – ein halbes Jahr – mit in ihr Zuhause nehmen. Sie werden dort gemeinsam mit dem Kunstwerk fotografiert, und im Museum hängt diese Fotografie anstelle des Kunstwerks. 16 Mitarbeiter nehmen an diesem Projekt teil.

Was ist der „Business Case“, wenn eine Unternehmerin sich so lebendig in der Kunstförderung engagiert? Sicher leistet das Museum Ritter einen positiven Beitrag zum Unternehmensimage – und einen hoch interessanten Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem „Quadrat“, um das sich alles im Unternehmen dreht. Sicher springt aber auch der „kreative Funke“ aus der Beschäftigung mit der Kunst in das Unternehmen und auf seine Mitarbeiter über. Und nicht zuletzt dokumentiert das Museum: Ritter gehört zu Waldenbuch, und hier engagiert sich die Unternehmerfamilie für das Gemeinwesen. Unter dem Titel „Nachhaltigkeitskultur im Unternehmen: Vom Geist des Gebens“ wird Marli Hoppe-Ritter am 20. März im Rahmen der „Arena für Nachhaltigkeit“ in Zeulenroda von ihren Erfahrungen berichten.

Die Arena für Nachhaltigkeit im Internet:
www.nachhaltigkeitsarena.de

Das Museum Ritter im Internet:
www.museum-ritter.de

Foto: © MUSEUM RITTER/Tom Oettle