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Leuchtpol: Energieerzeuger und Umweltorganisation kooperieren bei Elementarbildung

Frankfurt > Der Name „Leuchtpol“ steht für einen ganzen Bogen an Herausforderungen: Er bezeichnet nicht nur das größte deutsche Projekt zur Förderung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Kindergärten. Und er steht nicht nur für die „Leuchtpol gGmbH zur Förderung von Umweltbildung im Elementarbereich“, die in den nächsten vier Jahren 4.000 Kindergärten bundesweit mit nachhaltigen Bildungsthemen rund um Energie und Umwelt erreichen will. „Leuchtpol“ steht für das gemeinsame Handeln des Energieversorgers E.ON AG, der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) und des Instituts für integrative Studien an der Leuphana Universität Lüneburg. Gestern stellten die Beteiligten das Projekt „Leuchtpol“ in Frankfurt der Öffentlichkeit vor.

Dass es bei „Leuchtpol“ um nachhaltige Bildung in der Elementarerziehung und zugleich um mehr geht, betonte Albrecht Hoffmann, Geschäftsführer der Leuchtpol gGmbH. 10 Prozent der deutschen Kindergärten – 4.000 Einrichtungen – will die gemeinnützige Gesellschaft in den nächsten vier Jahren mit Fortbildungsmaßnahmen erreichen und beginnt damit nun in Hessen. An dieses Ziel ist die Förderzusage von E.ON geknüpft. Zudem sollen die Projekterfahrungen in die bildungspolitische Diskussion, in Bildungspläne für Kindergärten und in die Lehrpläne der Fachschulen für Erziehung eingebracht werden. Und als drittes: „Mit unserem Bildungsvorhaben wollen wir einen Beitrag leisten für den Dialog nicht nur zwischen E.ON und dem ANU Bundesverband, sondern auch zwischen Unternehmen und Umweltbewegung, die sich im Bereich Kindergärten und Elementarbildung engagieren“, so Albrecht Hoffmann.

Damit dieser Dialog in gemeinsames Handeln münden konnte, mussten die Beteiligten zuerst in den eigenen Reihen Überzeugungsarbeit leisten. Aufgrund der Zusammenarbeit mit einem Energieversorgungsunternehmen hat der ANU Bundesverband einzelne Mitglieder verloren, und auch die Leitungsebenen von ANU und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) wurden sich in dieser Frage nicht einig. Auf anderen Ebenen fand der ANU Zustimmung, und viele der Mitglieder tragen diese Partnerschaft mit und sehen darin vor allem die Chancen, so die ANU-Vorsitzende Annette Dieckmann. „Denn Bildungsangebote, gute und professionelle Angebote, kosten Geld. Unserer Meinung nach mehr Geld, als der Staat dafür zurzeit zur Verfügung stellt. Den Erfolg in der Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Partner sollen klare Prinzipien garantieren. In der pädagogischen Ausgestaltung und Durchführung der Programme ist Leuchtpol unabhängig. Und Marketingmaßnahmen von E.ON wird es in den Kindergärten und bei den Fortbildungen nicht geben. „Damit sehe ich alle Zeichen auf Grün, auf ein frisches Frühlings-Grün für ein erfolgreiches Projekt“, sagte Dieckmann.

Die Kooperation zwischen dem Energieerzeuger und der unabhängigen Umweltorganisation brauchte einen „Prozess, der am Anfang nicht leicht war, in dem sich aber beide Seiten mit festem Willen annäherten“, berichtete E.ON-Personalvorstand Christoph Dänzer-Vanotti. Auch Dänzer-Vanotti musste im eigenen Haus für das Projekt werben und für die Chance, die in dieser Öffnung hin zu den Umweltverbänden liegt. Der E.ON-Vorstand bedauerte, dass im Verhältnis zwischen Umweltverbänden und seinem Unternehmen Abgrenzung und Distanz vorherrschten. Dabei sei man sich in Bezug auf „das, wo wir hin wollen, relativ einig“. Ein Stück auseinander liege man aber bei den Zwischenschritten. Die Bewältigung der komplexen Zukunftsherausforderungen brauche jedenfalls ungewöhnliche Wege und neue Partnerschaften – so wie die zwischen E.ON und dem ANU.

Für die pädagogische Qualität des Projektes stehen die Begleitung durch Prof. Dr. Ute Stoltenberg von der Leuphana Universität Lüneburg und das Engagement der pädagogischen Leiterin von Leuchtpol, Susanne Schubert. Ute Stoltenberg verantwortet die wissenschaftliche Begleitung und kritische Evaluation des Projektes. Sie will ihren Beitrag für eine Kultur der Zusammenarbeit leisten und rät dazu, die Verschiedenheit der Projektpartner als Chance und nicht als Bedrohung wahrzunehmen. Susanne Schubert ist häufig gefragt worden, ob denn eine nachhaltige Bildung zu den Themen Umwelt und Energie in der Elementarstufe überhaupt möglich sei. „Natürlich“, lautet ihre Antwort. Das Thema Energie besitzt vielseitige Alltagsbezüge und lässt sich spielerisch und experimentierend gut erarbeiten. Da sind dann schon mal Erzieherinnen und Erzieher als „Wärmedetektive“ mit ihren Kindern unterwegs. Wichtig sei, dass Erzieher selbst neugierig bleiben, so Schubert.

Dazu sollen die Fortbildungen von Leuchtpol beitragen und vielseitige pädagogische Anregungen vermitteln. Auf diesen Fortbildungen liegt der Projektschwerpunkt. Daneben gibt es eine Materialkiste und es sollen regionale Arbeitskreise und Regionalstellen aufgebaut werden. Das Projekt beginnt nun in Hessen, eine erste dreitägige Veranstaltung mit 57 Erzieherinnen und Erziehern hat bereits stattgefunden. Die Veranstalter hatten erst spät mit de Werbung begonnen und waren mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Kooperationsgespräche laufen mit den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Brandenburg sowie mit den Verbänden der Kindergartenträger, denn das Projekt soll Kindergärten deutschlandweit zur Verfügung stehen. 10 Mitarbeiter hat Leuchtpol heute, 25 sollen es insgesamt werden. „Im zurückliegenden Jahr hatten wir im Trägerkreis viele Treffen, und wir haben ein hohes Vertrauen von Seiten E.ON erfahren“, sagte Annette Dieckmann. In Zukunft soll dieser Austausch in einem Beirat verankert werden, in dem auch E.ON eine Stimme erhält.

Das Projekt im Internet:
www.leuchtpol.de

Foto: Das Podium von links: Prof. Dr. Ute Stoltenberg, Christoph Dänzer-Vanotti, Albrecht Hoffmann, Annette Dieckmann und Susanne Schubert (CSR NEWS)