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Ressource Wasser gnadenlos verschwendet – 5. Weltwasserforum endete mit Kontroverse

Istanbul > Die Ressource Wasser wird von vielen Unternehmen in „gnadenloser Weise verschwendet“. Das betonte Martin Geiger, Leiter des Süßwasserbereichs beim WWF Deutschland, der für seinen Verband am gestern zu Ende gegangenen 5. Weltwasserforum in Istanbul teilnahm. Dessen Abschlussdeklaration bezeichnet Geiger als „relativ dünn“, den auf dem Forum fortgesetzten Dialog als sehr wichtig.

Der WWF fordert von Unternehmen, öffentlich über ihren direkten und indirekten Wasserverbrauch, die damit verbundenen Risiken und die Gegenmaßnahmen zu berichten. Viele Unternehmen seien sich der mit dem hohen Wasserverbrauch verbundenen Risiken nicht einmal bewusst. Eines der Risiken sei der Reputationsschaden, der bei mangelnder Unternehmensverantwortung entstehen könne. Welche hohe Bedeutung dem Thema „Wasser“ zukommt, wurde auch in folgender Kontroverse deutlich: In der Abschlusserklärung des Weltwasserforums ist von einem „menschlichen Grundbedürfnis“ nach Wasser die Rede. Das löste heftige Meinungsverschiedenheiten aus, denn viele Teilnehmer hatten die Festschreibung eines „Grundrechts auf Wasser“ gefordert. 20 Staaten – darunter Spanien, die Schweiz, Südafrika und Bangladesch – veröffentlichten ein eigenes Papier, in dem sie dieses Grundrecht anerkennen.

Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an Krankheiten, die durch Mangel an sauberem Wasser entstehen, eine Milliarde Menschen leider unter dem Mangel an sauberem Trinkwasser. „Wasser ist für den Menschen essentiell und daher sind Unternehmen, die in großem Umfang diesen Rohstoff verbrauchen, in besonderer Verantwortung – aus ökonomischer, ökologischer und ethischer Sicht“, so Geiger. Größter Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft, gefolgt von Industrie und dem Kühlwasserverbrauch bei der Stromerzeugung. Zu den Branchen mit hohem Wasserverbrauch gehören die IT-Branche, der Tourismus, der Bergbau, das Papier- und Zellstoffgewerbe sowie die Textilindustrie. Nach Überzeugung des WWF täten Unternehmen gut daran, aus den durch Wassernutzung und Entnahme entstehenden Gewinnen Gemeindeprojekte mitzufinanzieren und so die Akzeptanz ihres Unternehmens zu erhöhen und Vertrauen zu schaffen.

Heftige Kritik erntete die türkische Regierung für ihre Pläne, Flüsse, Seen und Quellen zu privatisieren. Auf dem Weltwasserforum nicht zugelassene Gruppen, darunter türkische Nichtregierungsorganisationen, diskutierten ihre kritischen Standpunkte auf einem „Alternativen Weltwasserforum“. Martin Geiger plädiert dafür, auch die kritischen Stimmen umfassend auf dem Weltwasserforum einzubinden. In Deutschland sind über drei Viertel der Trinkwasserversorgung in den Händen kommunaler Wasserversorgungsunternehmen. Auch hierzulande gibt es Initiativen und erste Modelle für eine Privatisierung der Wasserversorgung. In diesem Zusammenhang spricht sich Transparency Deutschland nicht grundsätzlich gegen solche Privatisierungsbestrebungen aus, stellt an privatwirtschaftliche und öffentliche Akteure aber hohe Transparenzforderungen. Auf 320 Milliarden US-Dollar jährlich schätzt die Züricher Kantonalbank den Markt für Trinkwasser- und Abwasserversorgung. Im Wasser- und Abwassersektor seien intransparente Vergabeverfahren und die Planung überdimensionaler Anlagen mit hohen Korruptionsrisiken verbunden, so TI. In ihrem „Global Corruption Report 2008“ hatte Transparency International Korruption im Wassersektor als Ursache und Auslöser für globale Wasserkrisen festgestellt.

Auf dem Weltwasserforum kamen auch Initiativen zu Wort, in denen sich Regierungen, Unternehmen und NGOs um eine Lösung der drängenden Probleme bemühen: Im Rahmen des 2007 gegründeten „CEO Wasser-Mandates“, einer Unterorganisation des UN Global Compact, arbeiten Unternehmen daran, ihren „Wasserfußabdruck“ zu definieren, Risiken zu erfassen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Aus Deutschland gehören die Unternehmen Siemens und Bayer zu diesem Verbund, international sind es auch Coca Cola, IKEA, H&M, Nestlé und Unilever. Am gleichen Thema arbeitet das 2008 von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gegründete „Netzwerk Wasserfußabdruck“. Und die vom WWF und anderen Organisationen getragene „Alliance for Water Stewardship“ stellte auf dem Weltwasserforum konkrete Ideen für einen neuen Wasserstandard und ein Zertifizierungssystem vor.

Das erste Weltwasserforum fand 1997 in Marrakesch/Marokko statt. Es wird alle drei Jahre vom World Water Council, einem Multistakeholderforum, ausgerichtet. Am 5. Weltwasserforum nahmen rund 25.000 Politiker, Wasserexperten und NGO-Vertreter aus 180 Ländern teil. In der Abschlusserklärung am Ende der siebentägigen Konferenz forderten die Teilnehmer gemeinsame Anstrengungen für die Lösung von Wasserkonflikten, gegen Überschwemmungen und Dürren sowie eine bessere Nutzung und Verteilung der Wasserressourcen.

Foto: Jody Valente