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Europäische Behörden: Ökologischer Einkauf hilft sparen

Frankfurt > Deutsche Behörden berücksichtigen ökologische Aspekte nur bei 30 Prozent ihres Beschaffungsvolumen – im Vereinigten Königreich sind es dagegen 74 Prozent und im europäischen Vergleich 45 Prozent. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten beim Einkauf der öffentlichen Hand kommt große Bedeutung zu: „Auf Ausgaben des öffentlichen Sektors für Waren und Dienstleistungen entfallen etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Union. Eine konsequent an ökologischen Kriterien ausgerichtete Einkaufspolitik hätte daher erhebliche Bedeutung für Umwelt- und Klimaschutz“, sagte Stefan Calvi, verantwortlich für den Bereich Sustainable Business Solutions (SBS) Advisory bei PwC in Deutschland.

In der deutschen Diskussion wurde bisher das Kostenargument gegen eine Verpflichtung der öffentlichen Hand zum nachhaltigen Einkauf ins Feld geführt. Die PwC-Studie weist dagegen aus: Der Einkauf ökologisch vorteilhafter Produkte ist für die öffentliche Hand nicht teurer, sondern im Gegenteil sogar günstiger als die Beschaffung konventioneller Waren und Dienstleistungen. Der Einsparungseffekt wird bei höheren Einkaufspreisen durch niedrigere Betriebskosten verwirklicht. Die erzielten Einsparungen beliefen sich im Durchschnitt der sieben Länder auf 1,2 Prozent, im Vereinigten Königreich auf 5,7 Prozent und in Deutschland auf gut 0,3 Prozent.

Weitere Ergebnisse der im Auftrag der Europäischen Kommission erstellten Studie: In den Produkt- und Dienstleistungsbereichen Elektrizität, IT und Ausstattung besitzt die „grüne“ Beschaffung bisher die höchste Bedeutung, gering ist ihre Bedeutung in den Bereichen Bau, Landschaftspflege und Transport. Die Verantwortung für nachhaltige Beschaffung liegt meist im mittleren Management. Bei der Suche nach „grünen“ Produkten besitzt das Internet eine hohe Bedeutung. Ganzheitliche Betrachtungen der Produktlebenszirkel haben sich in den Verwaltungen noch nicht durchgesetzt.

Für die PwC-Studie gaben 1105 öffentliche Institutionen in Deutschland, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Österreich, Schweden und dem Vereinigten Königreich an, ob und in wie weit ökologische Kriterien bei der Beschaffung berücksichtigt wurden. Im Jahr 2010 soll die Umfrage in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt werden. Analysiert wurden die Produkt- und Dienstleistungsbereiche Reinigung, Bau, Elektrizität, Nahrung, Landschaftspflege, IT, Papier, Textilien, Transport und Möbel.

Die Studie „Collection of statistical information on Green Public Procurement in the EU“ steht im Internet zum Download zur Verfügung: www.pwc.de/de/sustainability