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In der Supply Chain fehlen Verhaltenskodizes – Ethos Stiftung legt Analyse vor

Genf > Bei der Abgabe ihres Verhaltenskodexes an Lieferanten zeigen schweizerische Unternehmen einen erheblichen Nachholbedarf. Gleiches gilt für deren Einbeziehung in diese unternehmensethischen Standards etwa durch Schulungen. Verbesserungspotentiale bestehen auch bei der Transparenz zum Umgang mit Unregelmäßigkeiten und Compliance-Verstößen. Ansonsten bescheinigt eine gestern von der Ethos Stiftung vorgestellte Studie zu den Verhaltenskodizes der 100 größten schweizerischen Aktiengesellschaften „der Mehrheit der analysierten Unternehmen, dass sie ihre Verantwortung für Geschäftsethik und die nachhaltige Entwicklung erkannt haben“.

Von den 100 untersuchten Gesellschaften verfügen 69 über einen Verhaltenskodex. 56 Unternehmen publizieren diesen auch auf ihrer Website. In die Ethos-Untersuchung einbezogen werden konnten 65 Verhaltenskodizes, da vier Unternehmen diese Regeln vertraulich behandeln wollten. Wesentliche Ergebnisse der Analyse:

In 51 Verhaltenskodizes werden die wichtigsten Herausforderungen – Geschäftsethik, Umwelt- und Sozialverantwortung – umfassend berücksichtigt. Am schlechtesten unter den von Ethos untersuchten Aspekten ist die Einbeziehung der Lieferanten abgedeckt. Nur 23 Verhaltenskodizes schreiben vor, dass auch Geschäftspartner diese erhalten müssen. Und nur 13 benennen konkrete Maßnahmen, die deren Einhaltung durch Lieferanten sicherstellen können. Unternehmen des Konsumgütersektors erweisen sich hier exponierter als Finanzdienstleister und Higtech-Firmen.

Von den Verletzungen der Verhaltenskodizes und den daraufhin getroffenen Maßnahmen berichten im Internet oder in ihren Jahresberichten nur wenige Unternehmen. Auch die Fragen nach den Beziehungen zur und dem Dialog mit der Zivilgesellschaft werden meist nur in bescheidenem Rahmen abgedeckt.

Das wichtigste Thema der Verhaltenskodizes ist das Engagement gegenüber Kunden mit Themen wie Produktsicherheit, Zufriedenheit, Gesundheits- und Datenschutz. 58 Unternehmen nehmen dazu Stellung. Ausführlich nehmen 51 der vorgelegten Regelwerke auf Fragen der Geschäftsethik und deren Durchsetzung Bezug und behandeln Themen wie Bestechung, Vorteilsannahme, Insidergeschäfte, Interessenkonflikte, politische Spenden, Datenschutz, Geldwäsche oder Einhaltung von Wettbewerbsrecht und Urheberschutz. Auch Fragen der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter sowie der Anti-Diskriminierung werden häufig behandelt. Seltener sind dagegen Themen wie die Work-Life-Balance oder die Mitarbeiterfortbildung.

Nach einer KPMG-Studie aus dem vergangenen Jahr besitzen 86% der 200 weltweit größten Aktiengesellschaften einen Verhaltenskodex, darunter sämtliche nordamerikanischen Unternehmen, 80 Prozent der europäischen Unternehmen und 52 Prozent der Unternehmen in Asien. Im Jahr 1990 waren es weltweit erst 14 Prozent. Die Zahl der Unternehmen mit Verhaltenskodizes steigt auch in der Schweiz deutlich: 2006 waren es 42 Unternehmen mit einem solchen Regelwerk, zwei Jahre später bereits 69 Unternehmen. Von den Unternehmen mit einem über drei Jahre alten Kodex haben zwei Drittel diesen bereits überarbeitet.

Ethos betont, dass sich ein Verhaltenskodex nicht auf bloße Absichtserklärungen beschränken darf. Glaubwürdig umgesetzt sei er erst dann, wenn er zu einem praktischen Managementinstrument wird und die Verantwortung für seine Umsetzung auf der obersten Unternehmensebene angesiedelt ist. Zudem müsse er konkret formuliert sein und dürfe sich nicht auf allgemeine Erklärungen beschränken. Als notwendige Mittel für die Umsetzung eines Verhaltenskodexes nennt Ethos ein internes Warnsystem, die Ausweitung des Geltungsbereichs auf Geschäftspartner, Untersuchungen bei Regelverstößen sowie eine interne und externe Wirtschaftsprüfung. Ein effizient angewandter Verhaltenskodex trage zur Wertsteigerung für das Unternehmen und seine Stakeholder bei.

Die Ethos-Studie steht im Internet zum Download bereit.

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