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„Schoggi-Kampagne“ schärft Bewusstsein für Fair Trade

Zürich > Osterzeit ist „Schoggizeit“ – nicht nur in der Schweiz, die für ihre hervorragenden Schokoladenprodukte bekannt ist. Doch unbeschwert scheint auch der Schokoladengenuss in diesem Jahr nicht zu bleiben. Denn während der Einzelhandel Schweizer Schokoladenprodukte in Form von Hasen und Eiern präsentiert, läuft in sechs Schweizer Städten eine Unterschriftssammelaktionen zur „Schoggi-Kampagne“ der „Erklärung von Bern (EvB)“.

6.000 Unterschriften hat die EvB seit Anfang Februar für eine Petition gesammelt, die sich gegen Kinderarbeit in der Zulieferkette der Schokoladenindustrie richtet. 60 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos kommt aus Westafrika, allein 40 Prozent aus der Elfenbeinküste. Kinderarbeit und Kindersklaverei seien auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste gängig und werde von den Schokoladeherstellern seit Jahren bewusst in Kauf genommen, klagt die EvB. Das International Institute of Tropical Agriculture (IITA) spricht in einer Studie von über 250.000 Kindern, die unter ausbeuterischen Bedingungen auf westafrikanischen Kakaofarmen arbeiten. Mit der Aktion in der Vorosterzeit will die NGO Konsumenten auf dieses Problem aufmerksam machen und die Konsumentennachfrage nach fair gehandelter Schokolade stärken.

Ein Problem für die mittelständischen Schokoladenhersteller ist, dass sie ihre Schokolade nicht unmittelbar bei den Erzeugern, sondern auf dem Weltmarkt kaufen. Hier fließen Produkte aus unterschiedlichen Regionen zusammen und für den Hersteller ist nicht mehr nachvollziehbar, welche Schokolade unter welchen Bedingungen gewonnen wurde. Dass Hersteller aber durchaus Verantwortung übernehmen können, zeigen Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern.

So unterstützt die deutsche Marke RITTER SPORT seit 1990 das private agroforstliche Entwicklungsprojekt CACAONICA in Nicaragua. Zu Fair-Trade-Preisen liefern mittlerweile fünf dem CACAONICA-Projekt angeschlossene Kooperativen ca. 250t biologisch angebauten Kakao jährlich an den Schokoladenproduzenten mit dem „Quadrat“. Durch Kontakte zu Bauern und Farmern in den Herstellungsländern, denen RITTER SPORT faire Preise zahlt, konnte das Unternehmen insgesamt 14 Kooperativen in Nicaragua, aus Peru, Ecuador und der Dominikanischen Republik für die Lieferung von Bio-Kakao gewinnen. Fünf Bio-Sorten konnte das Unternehmen inzwischen am Markt platzieren.

In Großbritannien stellt Cadbury sein Hauptprodukt, den Schokoladenriegel „Cadbury Dairy Milk“, auf Fair Trade um. Das Unternehmen kooperiert dazu mit der Fairtrade Foundation, die gemeinsam mit ihrer Prüfungsgesellschaft FLO-Cert die Einhaltung der Standards überwacht. Rohstoffe bezieht Cadbury dabei von Fairtrade-zertifizierten Genossenschaften aus Ghana.

Gelebte Corporate Social Responsibility fordert die EvB von den Schokoladenproduzenten. Dazu gehören für die NGO eine offene Kommunikation, eine faire Preispolitik und ein angewandter Verhaltenskodex inklusive Monitoring und Controlling. Die EvB hat 18 Schweizer Firmen zu diesen Instrumenten befragt und nur eine aussagekräftige Antwort erhalten. Deshalb startete die Petition. Denn „Konsumenten stimmen mit ihrer Geldbörse ab“, sagt Mediensprecher Oliver Classen. Mit der „Schoggi-Kampagne“ soll das Verbraucherbewusstsein für die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern geschärft werden.

Weitere Informationen im Internet:
www.evb.ch/schoggi