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Alternativen zur Gewalt – ein Verein und die Deutsche Telekom kooperieren im Berliner Beusselkiez

Berlin > Fouad lebt in Berlin im Beusselkiez. Der Kiez gehört zu Alt-Moabit, hat einen Migrantenanteil von etwa 70 Prozent, eine hohe Arbeitslosenquote und Probleme mit Drogen und Gewalt. Als Fouad 15 Jahre alt war, drohte er in den Strudel von Kriminalität und Sucht zu geraten. Er hatte Stress in der Schule und Ärger mit der Polizei. Fouad war mit seinem Leben unzufrieden und verschaffte sich Respekt durch Schlägereien, obwohl er eigentlich nie ein Schlägertyp war, wie er sagt. Eine glückliche Wende kam für den Jugendlichen, als er 17 Jahre alt war. Da lernte er ein Theaterprojekt kennen, das sich mit seiner eigenen palästinensischen Kultur auseinandersetzte. Und er begann in einem Fußballverein zu trainieren. Fouad fand neue Freunde und Freizeitaktivitäten. Heute ist er 22 Jahre alt und engagiert sich im „B8“, einem am vergangenen Freitag eröffneten Jugendhaus im Beusselkiez. „Ich bin da, wenn die Jugendlichen mich brauchen“, sagt Fouad. Die Teens kommen zu ihm, wenn sie Stress mit Gleichaltrigen oder Lehrern haben. Dann vermittelt Fouad und geht mit in die Schule oder zu den betroffenen Familien. Warum es so viele Probleme in seinem Kiez gibt? Die Eltern haben sich früher nicht so richtig um ihre Kinder und deren Probleme gekümmert, meint Fouad. Und auch die Lehrer wussten nicht, wie man mit den Jungen und Mädchen redet.

Das große Medieninteresse und die vielen Gäste bei der Eröffnungsfeier für „B8“ überraschen. Fouad gehört zu den kräftigen jungen Männern, die an zentralen Positionen des Geschehens stehen und die Besucherströme lenken. Dass ein Jugendtreff in einem Kietz bei einem positiven Event so viele Kamerateams anlockt, ist eher ungewöhnlich. Dieses Interesse hat das Jugendhaus „B8“ einer Partnerschaft mit der Deutschen Telekom und dem Auftritt des Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann zu verdanken.

Initiiert wurde das Jugendhaus von der Diakoniegemeinschaft Bethania. Der evangelische Verein engagiert sich bereits seit einigen Jahren im Beusselkiez, unter anderem mit KiBiz, einer offenen Kinderfreizeiteinrichtung für die Fünf- bis Zwölfjährigen. „Das ehrenamtliche Engagement ist eine Stärke unseres Vereins“, meint Vereinsvorstand Volker Tepp. Der Diplom-Pädagoge und Pastor berichtet, dass sich etwa ein Drittel seiner Gemeindemitglieder ehrenamtlich engagieren. Und die jungen Leute im Kiez selbst, die er im Wortsinn in „Schlüsselpositionen“ bringt: „Fouad und andere junge Mitarbeiter waren die ersten, die Schlüssel für dieses Gelände erhielten“, sagt Tepp, der stark auf die Wirkung von Vorbildern setzt. Und da sind Fouad und andere junge Leute mit ihrer Biografie gute Modelle für die heute Neun- bis Vierzehnjährigen, die René Obermann die „Lückekinder“ nennt.

Lückekinder sind zu alt für Kinderangebote und zu jung für Jugendprogramme. Für solche jungen Leute in sozialen Brennpunkten wird sich die Deutsche Telekom engagieren, so Renè Obermann. Das Unternehmen will einen Beitrag dazu leisten, dass alle an der Informations- und Wissensgesellschaft teilhaben können. „Viele Jugendliche resignieren und fühlen sich nicht gebraucht. Das kann uns nicht gleichgültig sein“, sagt Obermann. Zumal gerade für diese Kinder und Jugendlichen die Gefahr bestehe, dass sie in falsche Kreise abrutschen. Mit der Initiative „Ich kann was!“ will die Deutsche Telekom bundesweit bis zu 100 Projekte für die Lückekinder mit jeweils bis zu 15.000 Euro fördern. Im Jugendhaus „B8“ finanziert das Unternehmen drei Jahre lang 1,5 Stellen von pädagogischen Mitarbeitern sowie Projekte und Workshops.

Die Finanzierung von Freizeitangeboten für Jugendliche sind freiwillige soziale Leistungen, die in Städten mit Haushaltsnotständen schnell gestrichen werden. „Deshalb bin ich froh, dass viele in diesen Kiez schauen, der einer der ärmsten in unserer Stadt ist“, sagt Rainer-Maria Fritsch, Berliner Stadtrat für Jugend und Finanzen. Denn Armut verhindert den Zugang zu Freizeit-, Sport- und Bildungsangeboten, weiß Fritsch. In diesem Jahr fördert auch die Stadt Berlin das Jugendhaus „B8“. Wie das im nächsten Jahr sein wird, kann der Stadtrat nicht sagen. Ähnlich wie Berlin geht es vielen kleinen und großen Städten. Werden also demnächst Einrichtungsträger und Bürgermeister die Türen bei der Deutschen Telekom einrennen? „An das Türeneinrennen sind wir gewöhnt. Wir erhalten Anfragen von allen Seiten zum Netzausbau, zu Bürgerbegehren und sozialen Projekten“, sagt René Obermann gegenüber CSR NEWS. Deshalb hat sich sein Unternehmen für das gesellschaftliche Engagement klare Leitlinien gesetzt und konzentriert sich auf die drei Themenfelder „Low Carbon Society – Wege zu einer CO2-reduzierten Gesellschaft“, „Connect the Unconnected – Integration in die Informations- und Wissensgesellschaft“ und „Connected Life and Work – nachhaltige Vernetzung von Leben und Arbeiten“.

Ende 2007 begann die Deutsche Telekom mit dem Aufbau einer neuen und effizienten Organisationsstruktur für ihre gesellschaftliche Verantwortungsübernahme. Alle CSR-Aktivitäten wurden dazu in einem eigenständigen Bereich gebündelt, der beim Vorstandsvorsitzenden verankert ist und den Birgit Klesper leitet. Daneben gibt es noch die mit 100 Millionen Euro ausgestattete Deutsche Telekom Stiftung, die sich für eine Verbesserung der Bildung in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) engagiert. Die Deutsche Telekom will mit Initiativen wie „Ich kann was!“ und einer zeitlich befristeten Projektförderung Anstöße geben und andere Akteure nicht aus der Verantwortung entlassen, berichtet Birgit Klesper. Deshalb ist dem Unternehmen die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und engagierten Bürgern und Vereinen besonders wichtig. Erfahrungen aus bestehenden Partnerschaften wie der mit dem Deutschen Kinderschutzbund fließen in die neue Initiative ein. Das Unternehmensengagement bleibt vielseitig, und so wird sich die Deutsche Telekom in diesem Jahr unter anderem für das Europäische Jugendparlament und seine Tagung in Stockholm stark machen, damit dort Themen wie der Klimaschutz auf europäischer Ebene diskutiert werden können. Koordiniert werden die verschiedenen Bereiche gesellschaftlichen Engagements durch einen mit Bereichsleitern besetzten CR-Board, der für eine enge Verzahnung zwischen CR- sowie Konzernstrategie und den Konzernwerten sorgen soll, sowie auf Projektebene durch den Telekom-Relations-Board.

Bis zum 30. Juni rechnet Birgit Klesper mit vielen Bewerbungen im Rahmen der Initiative „Ich kann was!“. Die Zuschläge werden dann im Herbst bekannt gegeben. Gefördert werden sollen gezielt auch kleinere Initiativen. „Das gesellschaftliche Engagement ist für unser Unternehmen eine freiwillige Leistung“, sagt Birgit Klesper. Denn am Ende des Tages steht für die Deutsche Telekom AG die Verantwortung vor den Aktionären.

Die Initiative im Internet:
www.initiative-ich-kann-was.de

Foto: Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann auf der Eröffnung des Jugendhauses „B8“ am 3. April in Berlin (CSR NEWS)

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