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Compliance bei Siemens: Führungskräfte beim Geldbeutel packen

Bonn > Siemens will im Rahmen seines neuen Compliance-Systems „Führungskräfte bei ihrem Geldbeutel packen“ und compliance-relevante Messgrößen in die Bonussysteme einbauen. Das sagte Dr. Andreas Pohlmann, Compliance-Verantwortlicher bei Siemens, heute auf der Jahrestagung des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE).

Korruption war Teil des Geschäftsmodells von Siemens, so Pohlmann. Das galt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Ein Neuanfang kann nur radikal sein – personell, kulturell und organisatorisch. Heute hält Pohlmann das Siemens-Complianceprogramm für eines der besten in der Welt. Trotzdem werde Siemens auch in Zukunft Complianceverletzungen sehen, aber nicht als systematisches Fehlverhalten oder Teil der Unternehmenskultur. „Wo wir so etwas sehen, werden wir konsequent reagieren“, kündigte Pohlmann an.

Entscheidend sei die unternehmensinterne Kommunikation der Compliance, da dürften nicht nur Broschüren verteilt werden. Pohlmann will die Kommunikation im Unternehmen weiter vorantreiben, um die Mitarbeiter zu erreichen. Dazu gehört für ihn eine klare Stellungnahme der Unternehmensleitung. Bis 2007 hieß es von dort: Natürlich wollen wir Compliance, aber bringt uns das Geschäft. Heute heißt es klar: Compliance ist Voraussetzung für das Geschäft.

In seinen Bemühungen um die Wahrung der Compliance sucht Siemens Mitstreiter: In den Geschäftfeldern des Unternehmens findet Bestechung statt, deshalb muss Siemens den Kampf gegen Korruption mit anderen gemeinsam vorantreiben, so Pohlmann.

Im November 2006 durchsuchten rund 200 Beamte der Staatsanwaltschaft Geschäftsräume von Siemens und Privathäuser leitender Mitarbeiter. Danach stand eine klare Botschaft im Mittelpunkt: Wir wollen etwas verändern. Von Mitte 2007 bis März 2008 hat Siemens dazu ein umfassendes Compliance-Programm definiert, eine globale Compliance-Organisation errichtet und Fach- und Führungskräfte geschult. 70.000 Mitarbeiter wurden in Präsenzveranstaltungen qualifiziert, 200.000 weitere über das Internet. 2010 will Siemens zu den führenden Unternehmen im Bereich Compliance gehören.

Siemens lebt aufgrund der Krise in einer stark regulierten Situation. Aktuell will Pohlmann daher die Integritäts- und Verantwortungskultur stärken, um weg von einer reinen Regulierungskultur zu kommen. Mitarbeiter sollen verantwortlich entscheiden, dabei auch den gesunden Menschenverstand einsetzen und nicht nur regelbasiert handeln. Etwa 2,5 Milliarden Euro kosten Siemens die Bemühungen zur Stärkung der Compliance. Zu den Maßnahmen gehören die Reduzierung der Zahl der Bankkonten des Unternehmens, eine eigene Task Force zur Früherkennung von Fehlverhalten und eine globale Fallverfolgung (global case tracking).

Siemens hat und hatte Werte, die sich an den Adjektiven exzellent, innovativ und verantwortlich orientieren, so Pohlmann. Die Förderung der werteorientierten Unternehmenskultur besitzt für die Zukunft des Unternehmens eine große Bedeutung. In der Bewertung des Dow Jones Sustainability Index schaffte es Siemens inzwischen von einer „0“ im Jahr 2007 inzwischen wieder auf den Wert „93“.

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