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Aktuelle Analyse von PwC und oekom research: Corporate Responsibility bei Auslandsinvestitionen

Frankfurt a.M. > Der Einfluss nachhaltiger Kapitalanlagen nimmt trotz oder gerade in Folge der derzeitigen Finanzkrise stetig zu. Investoren achten ebenso wie weitere wichtige Stakeholder aus der Politik und NGOs zunehmend darauf, dass Unternehmen bestimmten sozialen oder ökologischen Standards entsprechen. oekom research und PricewaterhouseCoopers zeigen in ihrer gemeinsamen Analyse den aktuellen Stand der Entwicklungen auf und weisen auf Risiken für Kapital und Reputation bei Mißachtung sozialer und umweltbezogener Aspekte hin.

Eine Zusammenfassung der Analyse untenstehend, die komplette Ausarbeitung ist in ca. 10 Tagen als Download unter folgendem Link kostenlos verfügbar:
www.pwc.de/de/sustainability

Corporate Responsibility bei Auslandsinvestitionen

Der Einfluss nachhaltig orientierter Investoren am Finanzmarkt nimmt stetig zu. Mit rund 2,7 Billionen Euro betrug der Anteil nachhaltiger Kapitalanlagen 2007 am europäischen Gesamtmarkt bereits 17,6 Prozent. Marktbeobachter gehen beinahe einhellig davon aus, dass trotz bzw. in Folge der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise der Marktanteil des nachhaltigen Investments weiter wachsen wird. Die Erwartungen der nachhaltigen Investoren, aber auch anderer wichtiger Stakeholder wie der Politik und Nichtregierungsorganisationen an eine verantwortungsvolle Unternehmensführung beziehen sich dabei auch auf das Verhalten der Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Für deutsche Unternehmen, die mit der zunehmenden Globalisierung ihre Auslandsinvestitionen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert haben, bekommt angesichts dieses Trends das Thema Corporate Responsibility (CR) zusätzliche Relevanz.

Während der Großteil der Auslandsinvestitionen bislang in Industrieländern eingesetzt wird (2006: 87,7 Prozent), gewinnen die Schwellen- und Entwicklungsländer an Bedeutung. Seit 2003 haben die Direktinvestitionen in diesen Regionen um ein Drittel zugenommen – 2006 beschäftigten deutsche Unternehmen rund 5,2 Millionen Menschen im Ausland, davon knapp 1,6 Millionen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Gerade in diesen Regionen sind Verstöße gegen anerkannte Arbeits-, Menschenrechts- und Umweltstandards weit verbreitet, immer wieder sind Unternehmen aus den Industrieländern hierin verwickelt oder sogar aktiv involviert.

In der aktuellen Analyse „Corporate Responsibility bei Auslandsinvestitionen“ zeigen Experten der auf nachhaltige Kapitalanlagen spezialisierten Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) den aktuellen Stand und die Perspektiven des Managements von Auslandsinvestitionen unter sozialen und umweltbezogenen Gesichtspunkten auf.

Nachhaltige Investoren: Risiken für Kapital und Reputation vermeiden

Wie eingangs dargestellt, gehen wichtige Impulse für die Ausrichtung von Auslandsinvestitionen nach Aspekten der CR vom Finanzmarkt aus. Investoren legen neben den klassischen Anlagekriterien vermehrt Wert darauf, dass die Unternehmen, in die sie investieren, sozialen und ökologischen Standards entsprechen. Diesem Engagement nachhaltiger Investoren liegen zwei Motive zugrunde: zum einen sollen bei der Kapitalanlage eigene ethische Motive berücksichtigt werden, zum anderen geht es aber auch darum, Risiken für Kapital und Reputation zu vermeiden.

Investment-Standards definieren die Rahmenbedingungen

Nachhaltige Investoren haben sich inzwischen in verschiedenen Initiativen organisiert, um gemeinsam an Standards für eine nachhaltige Kapitalanlage zu arbeiten und so ihren Einfluss zu stärken. In den „Principles for Responsible Investment“ (PRI) beispielsweise bekennen sich rund 360 institutionelle Anleger mit über 14 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen (Stand Ende 2008) zu nachhaltigen Anlagestrategien. Mit dieser und anderen Initiativen, etwa dem Carbon Disclosure Project und den Key Performance Indicators (KPI) der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), haben die Kapitalmarktakteure begonnen, Bewertungsmethoden für die Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Leistung in Unternehmen zu entwickeln bzw. anzuwenden und damit ihren Einfluss auf das jeweilige Management zu erhöhen. Auch in den Banken haben mittlerweile Umwelt- und Sozialstandards Einzug gehalten. Dort sehen beispielsweise die so genannten „Equator Principles“ vor, dass bei Projektfinanzierungen ab einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Dollar Sozial- und Umweltaspekte beachtet werden müssen. Die derzeitigen Unterzeichner der Equator Principles bedienen über 80 Prozent des weltweiten Marktes für Projektfinanzierungen.

Bestandsaufnahme – Anspruch und Wirklichkeit fallen auseinander

Eine von oekom research vorgenommene Bestandsaufnahme bei 825 Unternehmen aus 38 Staaten und rund 40 Branchen zeigt, dass Anspruch und Wirklichkeit in vielen Branchen noch weit auseinander liegen. So haben Unternehmen in besonders relevanten Branchen – etwa in den Bereichen Öl und Gas, Bergbau, Nahrungsmittel und IT – zwar damit begonnen, sich zu ihrer Verantwortung für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards an ausländischen Standorten und auch in der Zulieferkette zu bekennen und entsprechende Leitlinien formuliert. Bei der Umsetzung der Leitlinien und Kontrolle der Einhaltung gibt es aber nach wie vor große Defizite. Es ist bedenklich, dass in einigen Branchen bei Quoten von über 50 Prozent entsprechende Verstöße eher die Regel als die Ausnahme sind. So weisen knapp zwei von drei Unternehmen aus der Unterhaltungselektronikbranche (62,5 Prozent) einen Verstoß im Bereich der Arbeitsrechte auf, in der Computerbranche ist mehr als jedes zweite Unternehmen (53,3 Prozent) in derartige Kontroversen involviert. Mit Menschenrechtsverletzungen wird mehr als jedes dritte Bergbauunternehmen und jedes fünfte Öl-/Gasunternehmen in Verbindung gebracht. Beim Thema Umweltschutz zertifizieren Unternehmen ihre Produktionsstätten zwar häufig nach international gültigen Standards, doch auch hier werden immer wieder Fälle massiver Umweltverschmutzungen publik. Insgesamt gibt es, das zeigt die Analyse deutlich, trotz steigender reputationsbezogener und ökonomischer Risiken noch strukturelle Mängel bei der Implementierung entsprechender Sozial- und Umweltstandards.

Messbare Ziele definieren und durch Kennzahlen steuern

Unternehmen sollten daher neben einer umfassenden Analyse der sozialen und umweltbezogenen Situation in den Zielländern ihrer Auslandsinvestitionen die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in ihre Investitionsstrategie sicherstellen. Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist, soziale und ökologische Standards sowie Vorschriften der Unternehmensführung der Muttergesellschaft auch auf ausländische Standorte zu übertragen und klare Ziele vorzugeben. Die Analyse zeigt, dass trotz teilweise guter strategischer Ziele und recht fundierter Unternehmenspolitiken Mängel in der Umsetzung der unternehmenseigenen Standards bestehen. Um die Umsetzung der definierten Ziele überprüfen zu können, ist es daher wichtig, eindeutige, möglichst quantitative Zielsetzungen und Termine zu formulieren. Um die Umsetzung vor Ort zu gewährleisten, erscheint es sinnvoll, sämtliche relevanten Gruppen in den Prozess einzubinden. Neben Anwohnern sind das die lokalen Medien, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftliche Institute, sowie Politik und Verwaltung. Durch konsequentes CR-Management lassen sich Probleme minimieren und somit letztlich ein strategischer Vorteil erzielen. Auch für die Banken als Kreditgeber gilt es, die Bewertung von Sozial-, Umwelt- und Corporate Governance-Aspekten stärker in das Tagesgeschäft zu integrieren, um so den langfristigen Investitionserfolg abzusichern.

Soziale und umweltbezogene Aspekte werden ökonomische Notwendigkeit und strategische Chance

Des Weiteren bietet ein strategisches CR-Management bei Investitionen auch Chancen, sofern es auf Markterweiterung oder Produktinnovation ausgerichtet ist. Megatrends wie Klimawandel, der sogenannte digitale Graben sowie Wasser- und Ressourcenknappheit können neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Neue Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern lassen sich mithilfe eines strategisch ausgerichteten Stakeholdermanagements erschließen, indem beispielsweise Unternehmen im aktiven Dialog mit der Bevölkerung vor Ort deren Bedürfnisse aufnehmen und so Produktmöglichkeiten identifizieren. Der wachsende Druck von Finanzmärkten, Politik und Öffentlichkeit führt dazu, dass sich Unternehmen zunehmend mit langfristigen Auswirkungen ihrer Auslandsinvestitionen auf Umwelt und Gesellschaft beschäftigen müssen. Insofern wird es für die Unternehmen – wenn sie es nicht schon als moralisches Gebot betrachten – zu einer ökonomischen Notwendigkeit, soziale und umweltbezogene Aspekte beim Management ihrer Auslandsinvestitionen zu berücksichtigen und in eine konsequente CR-Strategie einzubetten.

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