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Verantwortung und Identität – Was Karstadt in Krisenzeiten stark macht

Von Dr. Alexandra Hildebrandt, Leiterin Gesellschaftspolitik Arcandor AG.

Warenhäuser gehören neben Bahnhöfen, Flughäfen und Fußballstadien zu den erlebnisstärksten Orten der modernen Welt. Hier kommen Menschen, unabhängig von sozialem Status, Beruf oder kulturellem Milieu zusammen. Warenhäuser tragen Verantwortung nicht nur gegenüber den Kunden oder der Stadt, mit der sie untrennbar verbunden sind, sondern auch gegenüber einer ehrbaren Welt, die es gerade in Krisenzeiten wieder zu entdecken gilt: Kontinuität, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Die Warenhäuser prägten 150 Jahre das deutsche Einzelhandelsgeschäft (1). Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich, von Paris ausgehend, das zentral geführte, in Abteilungen gegliederte, moderne Warenhaus. Es galt seither als Symbol für eine moderne und offene Welt. So alt wie die Warenhäuser ist allerdings auch die Kritik an ihnen: So galten sie zur letzten Jahrhundertwende als Symptom wachsender Großstädte, die bezichtigt wurden, Menschen in Reizüberflutung zu stürzen. Andere sahen in ihnen die Vernichter gewachsener Stadt und Handelsstrukturen. Im Nationalsozialismus dienten sie als Beleg für die zerstörerische Gewalt jüdi¬schen Kapitals. Und die 68er-Generation sah in ihnen das Symbol eines dekadenten Spätkapitalismus. Verstärkt wird seit Jahren darüber diskutiert, ob die Idee des Warenhauses vor dem Hintergrund von E-Commerce, Erlebnis-Shopping oder Factory-Outlet-Center auch im 21. Jahrhundert noch erfolgreich sein kann (2). Die Antwort ist eindeutig: Ja. Denn es geht um mehr als nur um die Befriedigung von Konsumbedürfnissen – es geht um gesellschaftliche Verantwortung. So ist KARSTADT mit seinen 90 Waren- und 32 Sporthäusern Bestandteil des Lebens- und Einkaufsalltags vieler Menschen.

Das drückt sich auch in ihrer Sprache aus. Dass sie zu Karstadt gehen und nicht „nach“ einem Warenhaus, will vielen von ihnen bis heute nicht einleuchten. „Nach“ heißt es bekanntlich immer dann, wenn das Ziel eine Stadt oder ein Land ist. Der Bestsellerautor Bastian Sick widmete sich immer wieder diesem linguistischen Phänomen: „Firmennamen werden in der Grammatik genauso behandelt wie Personennamen. Meistens ist der Name einer Firma ja aus einem Personennamen hervorgegangen. Für Frau Jackmann scheint es sich bei Karstadt allerdings nicht um eine Firma zu handeln, sondern eher um eine Ortschaft; denn bei ihr heißt es grundsätzlich ‚nach Karstadt‘. Nun deutet der zweite Bestandteil des Namens ja auch auf eine stadtartige Beschaffenheit hin, und Frau Jackmann beweist immer wieder, dass man sich mühelos einen ganzen Nachmittag in dieser Stadt aufhalten kann, ohne dass einem langweilig wird.“ Dass sich Ausländer mit deutschen Präpositionen besonders schwer tun, ist für ihn verständlich: „Die junge Generation deutscher Türken (oder türkischer Deutscher) hat in ihrem hinreißenden Jargon das Problem auf ganz einfache, klare Weise gelöst: Vor Aldi, Lidl und anderen Geschäften steht überhaupt keine Präposition mehr. Der Streit über ‚nach‘ oder ‚zu‘ ist hinfällig: ‚Ich muss gleich noch Aldi!‘, heißt es zum Beispiel voll krass, oder: ‚Kommste mit Karstadt?‘“

Karstadt- Momentaufnahmen schildert übrigens auch der Schriftsteller und Journalist Matthias Kehle in seinem Gedichtband „Drahtamseln“ – und spielt dabei in wenigen Worten mit Details. Das Gedicht erschien am 23.08.2007 in DIE ZEIT:

Rolltreppe Karstadt
im tiefgeschoß gart
ein fernsehkoch gemüse
für lange schlangen

eine lampe ragt aus
einer tasche ein rufer
bittet zur kasse
draußen an der luft

ists dunkel was
leuchtet ist licht (3).

Diese Beispiele zeigen, dass KARSTADT mehr ist als ein Warenhaus. KARSTADT ist auch ein Sinnbild für Deutschland und mit dem politischen Wiederaufstieg der Bundesrepublik untrennbar verbunden. So veröffentlichte der deutsch-jüdische Publizist Henryk M. Broder 1987 einen Text mit dem Titel „Ich liebe KARSTADT“. Thematisiert wurde das schwierige Verhältnis des Autors zu Deutschland – z.B. die Verdrängung des Nationalsozialismus oder die autoritären Strukturen der Nachkriegsrepublik. Erst als er nach Israel zieht, spürt er, was er mit Deutschland assoziiert und vermisst: Werte wie Zuverlässigkeit und Ordnung. Diese verbindet er vor allem mit KARSTADT. Das Warenhaus ist seine erste Anlaufstelle in Deutschland, wenn er „nach Hause“ kommt:

„Und jedesmal, wenn ich nach Köln komme, um meine Mutter zu besuchen, renne ich als erstes in die Karstadt-Lebensmittelabteilung und staune: Was für eine Ordnung! Was für eine Auswahl! Was für ein Überfluß! Diese nicht endenwollenden Theken mit Käse, Wurst und Konserven! Wie geschmackvoll präsentiert! Und wie billig! Ich führe mich auf, wie die DDR-Deutschen, die zum ersten Mal ins KaDeWe am Kudamm gehen. Nach zwei, drei Tagen im Konsumrausch habe ich mich dann beruhigt, und statt die Bundesrepublik als eine Art großen Warenkorb zu betrachten, kann ich meine Aufmerksamkeit substantielleren Dingen widmen.“ (4)

Für Broder ist das Warenhaus ein positiv besetztes Symbol für Heimat und die Bundesrepublik. So ist es auch kein Zufall, dass die Ostdeutschen 1989, nach Mauerfall, bei ihrem ersten Besuch in einem westlichen Warenhaus das Gefühl hatten, im Westen „wirklich“ angekommen zu sein. All diese Beispiele zeigen, dass nicht nur die bei KARSTADT angebotenen Marken, sondern vor allem KARSTADT selbst als Ort emotionaler Bindung von Interesse ist. KARSTADT lebt und reklamiert mit seiner engagierten Belegschaft Zukunftskompetenz. Prof. Wolfgang Ullrich sagt in diesem Zusammenhang zu Recht: „Wem es gelungen ist, das stürmische 20. Jahr¬hundert erfolgreich zu bestehen, der braucht auch vor dem 21. Jahrhundert keine Angst zu haben!“

Die in den Medien viel zitierte Krise sollte demnach wörtlich genommen werden: So bezeichnet das griechische Wort „krisis“ den Höhe- oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage – von da an wird alles besser. In der Medizin steht Krise für das Stadium einer Infektion, in der das Fieber schon wieder im Sinken begriffen ist. Krisen sind Gelegenheiten, neue Verhaltensweisen und Strategien zu entwerfen. Sie sind kein dead end, sondern Stimulation zu Besserem.

Besser KARSTADT.

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alexandra.hildebrandt@arcandor.com

Hier erfahren Sie mehr über den KARSTADT-Kunden-Dialog.

(1) Hinweis von Wollfgang Ullrich: Die Idee des Kaufhauses ist vermutlich zum ersten Mal in einer Denkschrift aus dem Jahr 1671 (!) von Gottfried Wilhelm Leibniz formuliert worden. Sie soll dem Ziel der „glückseeligmachung des Menschlichen Geschlechts“ dienen und schlägt zur Förderung des Handels insbesondere vor, „Magazinen und Kauffhäuser auffzurichten“. G.W. Leibniz, Grundriß eines Bedenckens von aufrichtung einer Societät in Teutschland zu auffnehmen der Künste und Wißenschafften, in: LAA, Reihe IV, Bd.1, S.530-543, hier: S.536, 542.
(2) Aus einem unveröffentlichten Manuskript von Wolfgang Ullrich.
(3) Matthias Kehle: Drahtamseln. Gedichte; Rimbaud Verlag, 2007.
(4) Henryk M. Broder, Ich liebe Karstadt und andere Lobreden, Augsburg 1987, S.195.

Foto: KaDeWe Berlin (KARSTADT)