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Qualitätsmanagement und CSR profitieren voneinander

Frankfurt > Bei CSR-Programmen fehlen häufig intensivere Analysen und eine stärkere Einbindung von Interessengruppen sowie durchgängige Ziele und Prozesse mit einem entsprechend durchgängigen Controlling. Das ergab eine von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) und forum! Marktforschung aufgelegte Excellence Barometer-Benchmarkstudie. CSR NEWS berichtete darüber in der vergangenen Woche.

Verfasst wurde die Studie von Dipl. Ing. Claudia Nauta, Projektmanagerin Konzeption bei der DGQ Weiterbildung GmbH. CSR NEWS fragte sie danach, wie Synergien zwischen Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement geschaffen werden können.

CSR NEWS: Frau Nauta, in einer aktuellen Benchmark-Studie weisen Sie aus, dass erfolgreiche Unternehmen in der Tendenz nachhaltiger ausgerichtet sind als weniger erfolgreiche. Wie erklären Sie sich das?

Claudia Nauta: Die Studienergebnisse belegen die Verbindung von erfolgreichem und nachhaltigem Wirtschaften anhand einiger Erfolgsfaktoren. Dazu zählt bei den erfolgreichen Unternehmen die stärkere Ausrichtung der Strategie an Belangen von Kunden und Mitarbeitern und die konsequente Umsetzung in den Handlungsfeldern und Prozessen.

CSR NEWS: Sie haben beobachtet, dass CSR strategischer in Unternehmen integriert werden kann. Was wären dazu die richtigen Schritte?

Claudia Nauta: In jedem Unternehmen werden Werte gelebt und verkörpert. Ein erster Schritt ist sich bewusst zu werden, welche Werte dies sind und in welchen Handlungsfeldern das Unternehmen schon aktiv ist.
Die Strategie wird dazu hinsichtlich der Position in Markt und Gesellschaft, der Produkte und Ressourcen hinterfragt. Impulse für die strategische Ausrichtung lassen sich dann beispielsweise durch die intensive Reflexion des Umgangs mit den Interessengruppen des Unternehmens gewinnen.

CSR NEWS: Kann CSR gewinnbringend in ein klassisches Qualitätsmanagement integriert werden?

Claudia Nauta: Die Verbindung mit der Managementsystematik ist der zweite Schritt. Möchte ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung umsetzen, liefert ein Managementsystem die Basis. Das sind die Prozessorientierung, der Kreislauf „Planen, Umsetzen, Controllen, Lernen und Verbessern“ oder auch die Transparenz zur Unternehmenssteuerung. Das klassische Qualitätsmanagement liefert auf der einen Seite diese Strukturen und unterstützt auf der anderen Seite bereits die Handlungsfelder Produktgestaltung und Kundenorientierung. Qualitätsmanagement kann sich mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit weiterentwickeln. Beide Themen profitieren voneinander.

CSR NEWS: An welchen Schnittpunkten in einem Unternehmen kommt CSR Ihrer Beobachtung nach oft noch zu kurz?

Claudia Nauta: Es wird strategisch oft unterschätzt, welche betriebs- und volkswirtschaftliche Kraft mit nachhaltigem Handeln einhergeht. Der Umweltschutz ist das beste Beispiel. Er hat nicht nur völlig neue Produkte und Kundenbedarfe erschaffen, sondern ist sogar zu einer starken Branche gewachsen. Die Wertschätzung der Umwelt und selbstverständlich auch die Aussicht auf Gewinn haben den Nährboden für Innovationen geschaffen. Die Fähigkeit, solche Chancen im gesellschaftlichen Kontext zu erkennen, benötigt noch mehr Weitblick und Veränderungsbereitschaft von Führungskräften.
Ebenfalls an Führungskräfte adressiert ist die Vorbildfunktion in CSR. Die Studie zeigt ja, dass erfolgreiche Unternehmen bei der Mitarbeiterorientierung den weniger erfolgreichen eine Nasenlänge voraus sind. Werte haben nur eine Chance im Unternehmen, wenn Mitarbeiter ihre Führungskräfte in der Umsetzung authentisch und überzeugend erleben.
Schwierig gestalten sich besonders die Schritte, nachhaltiges Handeln durchgängig in den Zielen, Prozessen und im Controlling des Unternehmens zu etablieren.

CSR NEWS: Und wo können Sie deutliche Fortschritte und ein stärkeres CSR-Bewusstsein wahrnehmen?

Claudia Nauta: Das Bewusstsein und Interesse in Unternehmen und Führungsetagen für nachhaltiges Wirtschaften nimmt zu. Dies wird durch die äußeren Ereignisse wie Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen und nicht zuletzt der aktuellen Wirtschaftskrise mit all ihren Facetten verstärkt. Aufgrund der erstmalig durchgeführten Studie konnten Fortschritte nicht gemessen werden. Themen wie Ethik, Sustainability und Wertemanagement werden jedoch beispielsweise vermehrt in die Hochschulbildung eingebunden. Auch dadurch werden CSR und Nachhaltigkeit mittelfristig bei Führungskräften zum Thema.

CSR NEWS: Besten Dank.

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