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Potsdamer Dialog zur Zukunft des Pflanzenschutzes

Potsdam > Heute beginnt in Potsdam ein dreitägiger „Fachworkshop zum nationalen Aktionsplan für die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“. Der Hintergrund: Die Europäische Union fordert in ihrem 6. Umweltaktionsprogramm (2002 bis 2012) die nachhaltige Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Biozid-Produkte. Dazu tritt aktuell eine Richtlinie über einen Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden in Kraft, auf die sich das Europäische Parlament und der Rat nach 2-jähriger Debatte geeinigt haben. Die Mitgliedsstaaten sollen danach nationale Aktionspläne entwickeln und allgemeine Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes bis zum 1. Januar 2014 verbindlich einführen. Die Bundesrepublik Deutschland wird bei ihrem nationalen Aktionsplan für die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) das 2004 verabschiedete „Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz“ anknüpfen, das im Jahre 2008 zu einen ersten „Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ erweitert wurde. Auch diesem Programm gingen Multistakeholder-Dialoge in Potsdam voraus. Der Nationale Aktionsplan will z.B. die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Agrarprodukten verringern und eine Kostenbelastung landwirtschaftlicher Betriebe durch unnötige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vermeiden

Das Thema Pflanzenschutz wird in Deutschland bereits seit Monaten von Umwelt- und Verbraucherverbänden in die öffentliche Diskussion gebracht. So wandte sich Greenpeace im vergangenen Jahr mit einem Konzernvergleich unter dem Titel „Die schmutzigen Portfolios der Pestizid-Industrie“ an die Öffentlichkeit. Druck üben die Verbände insbesondere über den Einzelhandel aus, der mit seiner Einkaufsmacht für eine Reduzierung der Pestizidbelastung seiner Produkte sorgen soll. Und so gehört der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels neben den Vertretern der Landwirtschaft, des Gartenbaus, des Industrieverbandes Agrar, des Verbraucherschutzes und des Umwelt- und Naturschutzes zu den Beteiligten in diesem Dialog.

„Schon jetzt haben wir in Deutschland ein hohes Nachhaltigkeitsniveau erreicht“, ist Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA), überzeugt. „Die heute festgestellten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln bergen keine Risiken für die Verbraucher, wie die zuständigen Behörden immer wieder bestätigen.“ Das sehen Umweltverbände anders. Ein weiterer Streitpunkt wird sein, inwieweit Pflanzenschutzmittel durch nichtchemische Maßnahmen ersetzt werden können. Der Biolandbau bringe höhere Kosten und geringere Ernten. Dies steigere die Preise und werde der Versorgung der rasch wachsenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln nicht gerecht, so der IVA.

Informationen zu dem Fachworkshop im Internet:
www.fachworkshop-rahmenrichtlinie.de

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