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Wie ein Riss in einer hohen Mauer – EKD: Zukunftsfähiges Wirtschaften braucht geistige Grundlagen

Berlin > Das Wort des Rates der EKD zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise gibt einen wichtigen Anstoß zur Diskussion über die geistigen Grundlagen und die politischen Voraussetzungen für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, betont der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU). Auch der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK), Thomas Rachel MdB, begrüßt das EKD-Papier mit dem Titel „Wie ein Riss in einer hohen Mauer“. Ein ausufernder Liberalismus und die bloße Deregulierung der internationalen Märkte seien in der Vergangenheit oftmals mit marktwirtschaftlicher Freiheit verwechselt worden, so Rachel. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hatte bei der Vorstellung des Textes am vergangenen Donnerstag eine Diskussion über die Zukunft des Wirtschaftssystems gefordert. „Das Fundament unserer Wirtschaftsordnung ist verantwortete Freiheit. Freiheit ohne Verantwortung verkommt“, sagte Huber, der angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ein neues Interesse an ethischen Maßstäben des Wirtschaftens ausmacht.

„Wie bildet sich Vertrauen? Auf welchem Nährboden wächst Verantwortung? Was ist nötig, damit Menschen den Mut finden, Schuld und Irrtümer einzugestehen und neue Wege zu beschreiten?“ Mit diesen Fragen umreißt der EKD-Text eine wichtige Dimension der Krise: die Moralische. Der Rat der EKD betont: Ausgangspunkt der Krise ist ein Mangel an Verantwortung im Umgang mit Risiken. Politische Ordnungen können nie vollständig verhindert, dass Einzelne ihre Eigeninteressen absolut setzen und dem Gemeinwohl schaden. Deshalb gehören politische Rahmensetzungen und die Verantwortung des Einelnen zusammen. Das fordere ethische Diskurse auf allen Ebenen der Gesellschaft wie der Unternehmen heraus. Es sei eine kulturelle Aufgabe, dem Eigennutz eine gemeinwohlverträgliche Gestalt zu verleihen.

Der Rat der EKD sieht in Krisenzeiten „die Gefahr, in Denkmuster zurückzufallen, in denen wirtschaftliche Vernunft, soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung als Gegensätze begriffen wurden.“ Dagegen fordert der Text, das klassische Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu einer sozial, ökologisch und global verpflichteten Marktwirtschaft zu erweitern. Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Rohstoffeffizienz sowie Investitionen in Bildung seien zu fördern. In der globaen Wirtschaftsordnung komme dem Staat die Rolle des Schiedsrichters einer fairen Wettbewerbsordnung zu. Mehr Distanz zwischen Politik und Wirtschaft sei für eine wirksame Rahmenordnung hilfreich.

In dem Text nimmt der Rat der EKD zugleich Stellung zu seiner eigenen Position im politischen Dialog: „Wenn die Kirchen sich jetzt in die Politik einmischen, geht es nicht darum, Politik zu machen. Es geht darum, politisches Handeln zu ermöglichen.“ Und es ist ein theologischer Text, der Christen mit einem Zitat aus dem 58. Kapitel des Propheten Jesaja zum Gottvertrauen und zum Bemühen um Gerechtigkeit ermutigt: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! … Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten“.

Das Wort des Rates der EKD „Wie ein Riss in einer hohen Mauer“ zum Download im Internet:
www.ekd.de/download/ekd_texte_100.pdf

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