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Manager: Werte keine Zielgrößen – sondern persönliche Überzeugungen

Berlin > Unternehmen sind mehr als „Geldmaschinen für Shareholder“: Sie sind mit einer jeweils eigenen Wertestruktur Grundfesten einer Gesellschaft und darin kulturell abhängig von ihrem Umfeld. Und auch Führungskräfte sind Menschen mit selbstbestimmten Wertanschauungen, persönlichen Interessen und einem jeweils eigenen sozialen Kontext. In ihrem Buch „Die Strategie der Aufrichtigkeit. Vertrauens- und Profilaufbau durch wertebasierte Managementsysteme“ stellt die Managementberaterin Evelin Rosenfeld einen erweiterten Managementansatz vor, in dem Vertrauens- und Profilaufbau zu wichtigen Messgrößen werden. Rosenfeld kritisiert darin, dass Corporate Social Responsibility-Strategien an Handlungsfeldern und Ressourcen ansetzen, bevor Entscheidungsträger gelernt haben, sich ihrer inneren Wertmaßstäbe zu bedienen. Über die Werteimplementierung in Unternehmen sprach CSR NEWS mit Evelin Rosenfeld.

CSR NEWS: Welche Werte brauchen Unternehmen in der Wirtschaftskrise besonders?

Evelin Rosenfeld: Die persönlichen Werte der Schlüsselpersonen im Unternehmen. Es geht hier nicht um allgemeingültige Ethikkodices, sondern um Führungspersönlichkeiten, die ihre Aufgabe mit ihren persönlichen Wertvorstellungen verbunden sehen. Dabei sind Werte keine Zielgrößen – sondern genau die wenigen inneren Überzeugungen, über die sich eine Person selbst definiert, wofür sie steht – und gerade steht.

CSR NEWS: Was müssen Manager tun, um glaubwürdige Vorbilder zu sein?

Evelin Rosenfeld: Das erfordert eine persönliche Reflexion und Bewusstheit – „Wofür bin ich hier? Wofür stehe ich ein – auch gegen Widerstand?“ – und den Mut, dies zu einer verbindlichen Position auch im Business werden zu lassen. Nur so entsteht eine Gegenkraft zum leblosen Zweckrationalismus und zur grenzenlosen Nutzenmaximierung.

CSR NEWS: Entstehen Unternehmenswerte top down oder im Dialog?

Evelin Rosenfeld: Werte entstehen nicht – sondern sie ruhen in Menschen und machen ihre Identität aus. Da nur wenige Menschen die wesentlichen Stellgrößen eines Unternehmens bestimmen – etwa Governanceregeln, Performance Management und strategische Eckpunkte – kommt es auf die Werte DIESER Menschen an. Natürlich müssen deren Werte sorgfältig zu allen Beteiligten im Unternehmen und außerhalb des Unternehmens transportiert werden – das wiederum geht nur im Dialog.

CSR NEWS: Was ist wichtig, damit der Wertetransfer in die Praxis gelingt?

Evelin Rosenfeld: Die Personalisierung auf Top Ebene, die systematische Verknüpfung von Zielgrößen und Werten (über das Performance Management) und die Relevanz (Messung) von Entscheidungsverhalten (Vorgang und Ergebnis).

CSR NEWS: Und was überzeugt Stakeholder, dass ein Unternehmen seine Werte lebt?

Evelin Rosenfeld: Authentische Spitzenkräfte, transparente Entscheidungsprozesse auf strategischer Ebene und wiederkehrendes Werteprofil in allen relevanten Unternehmensaktivitäten.

CSR NEWS: Vielen Dank!

Evelin Rosenfeld stellt Instrumente, Praxisbeispiele und eine Methode aus ihrem neuen Buch bei einer Lesung mit anschließendem Forum am 30. Juli in „Die-Fabrik-Frankfurt“ in Sachsenhausen vor. Mit dabei sind als Gastgeber Jürgen Engel, Global Account Development Executive bei Dow Jones, und auf dem Podium Peter Kusterer, Leiter Corporate Citizenship & Corporate Affairs bei IBM, sowie Reinhold Wege, Director Human Resources bei The Nielsen Company.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung:
http://www.rosenfeld-wmb.de/veranstaltungen.htm

Das Buch zum Thema:
Evelin Rosenfeld: Die Strategie der Aufrichtigkeit: Vertrauens- und Profilaufbau durch Wertebasierte Managementsysteme. Berlin (BOD Verlag), März 2009, ISBN 978-3-8370-3321-2

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