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Outdoorfirmen: Bei der Unternehmensverantwortung fehlen „Gipfelstürmer“

Münster > Anlässlich der europäischen Fachmesse „OutDoor“ vom 16. bis 19. Juli in Friedrichshafen startete Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) am Dienstag eine Informationsreise durch Deutschland. Mit der Reise will die NGO teilweise menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der Outdoor-Kleidungsherstellung beleuchten. Im Rahmen der Rundreise berichtet die aus El Salvador stammende Textilarbeiterin und Mitarbeiterin des gewerkschaftsnahen Comité Nacional Laboral über ihre aktuellen Recherchen zur Herstellung von Outdoor-Kleidung in El Salvador. Ein heikles Thema, denn die Käufer von Outdoor-Kleidung gehören zu den für Menschenrechts- und Umweltthemen besonders sensiblen Gruppen.

Die ebenso wie die CIR zur Clean Clothes Campaign (CCC) gehörende NGO „Erklärung von Bern“ (EvB) hatte im Juni 29 Outdoor-Firmen in einem Ranking bewertet und kam dabei zum Schluss, dass nur wenige Firmen transparent über ihre Unternehmensverantwortung informieren. Quer durch alle Preissegmente stellte das Ranking Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Textilbranche der Produktionsländer fest. Dazu gehörten massive Einschüchterungstaktiken gegen Gewerkschaftsmitglieder, sexuelle Belästigungen der Fabrikarbeiterinnen und exzessive Überstunden.

Das Ranking unterscheidet je nach ihrem Einsatz für faire Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette zwischen „Gipfelstürmern“, „Mitläufern“ und „Ignoranten“. Keine der bewerteten Unternehmen wurde als „Gipfelstürmer“ gerankt, acht Firmen erhielten die Bewertung „Mitläufer“ und 21 die Bewertung „Ignoranten“. Als Kriterium für „Mitläufer“ galt dabei etwa, dass ein Unternehmen einen Kodex mit Inhalten gemäß ILO-Kernkonventionen vorhält – aber ohne klare Verweise auf ILO bzw. einen Bedürfnislohn nicht garantiert und dass gemessen am CCC-Modellkodex weitere Elementen fehlen.

CCC und EvB fordern von Unternehmen die Erarbeitung und Umsetzung eines Verhaltenskodexes, den Beitritt zu einer Multistakeholder-Initiative wie der Fair Wear Foundation (FWF) und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft, die Förderung von Organisationsfreiheit und Kollektivvertragsverhandlungen sowie die Unterstützung von Kleinbauern im Rohstoffanbau.

Zu den als „Mitläufer“ gerankten Unternehmen gehört Jack Wolfskin. Die Firma steht im Dialog mit der deutschen Christliche Initiative Romero e.V., jedoch nicht mit der schweizerischen EvB. Jack Wolfskin setzt gemeinsam mit externen Beratern Programme zur Verantwortungsübernahme in der Supply Chain um. So hat das Unternehmen alle Lieferanten vertraglich auf die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards verpflichtet und überprüft die Einhaltung dieser Standards in regelmäßigen Besuchen vor Ort durch unabhängige Dritte. Lieferanten werden dabei als Partner behandelt und bei Verstößen gegen den Kodex wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Großen Wert legt Jack Wolfskin auf ökologische Aspekte und reduziert durch Prozessänderungen im Einkauf den Luftfracht-Anteil erheblich. Das Unternehmen ist zudem in unterschiedlichen gesellschaftlichen Projekten engagiert und hat gemeinsam mit WORLD VISION „Rebound“ ins Leben gerufen – ein umfassendes Resozialisierungsprojekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen ehemaliger Kindersoldaten in Uganda.

Bezüglich der Arbeitsbedingungen in der Textilbranche gilt für die Outdoorfirmen, was auch auf andere Unternehmen in der Branche zutrifft: Ein Netz von Lieferanten und Unterlieferanten, fehlende gesetzliche Regelungen oder deren fehlende Kontrolle in den Zuliefererländern und der Preiskampf stellen das Supply Chain Management und die Corporate Social Responsibility vor anspruchsvolle Aufgaben.

Die Christliche Initiative Romero e.V. im Internet:
www.ci-romero.de

Das Ranking „Outdoorfirmen 2009“ der EvB im Internet:
www.evb.ch/p16031.html

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