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Bonizahlungen der Banken stoßen auf heftige Kritik

Bielefeld > In der vergangenen Woche präsentierte die US-Investmentbank Goldman Sachs für das zweite Quartal. Der Branchenprimus strich in der Zeit von April bis Juni einen Rekordgewinn von 3,4 Milliarden Dollar ein und stellte 10 Milliarden US-Dollar für Bonuszahlungen zurück. Bei einer Fortsetzung dieses Trends würde jeder der 30 000 Mitarbeiter im Jahr 2009 im Schnitt 770 000 Dollar verdienen, rechnete das Westfalen-Blatt aus und kommentierte:

„‚Erst kommt das Fressen, dann die Moral‘, möchte man mit Bertolt Brecht achselzuckend sagen, wären da nicht Millionen Menschen in aller Welt, die sich mitten in der Krise befinden oder denen sie erst noch bevorsteht. Vor diesem Hintergrund ist der Rückfall in alte Verhaltensmuster besonders schwer erträglich. So schwer, dass man aufpassen muss, nicht Recht und Moral durcheinander zu bringen. Geht es allein nach dem Recht, sind Goldmans Gehälter ebenso wenig zu beanstanden wie die elf Millionen Dollar, die der ehemalige GM-Chef Rick Wagoner als Rente kassiert. (…) Wem diese Gesetze zur Legitimation genügen, der darf sich nicht wundern, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren. Gerade jene, die sich abgespeist fühlen könnten, müssen sich die Augen reiben ob der Großzügigkeit, mit der sich einige bedienen beziehungsweise bedient werden.“

Die Bonizahlungen von Goldman Sachs lösten in Deutschland eine überwiegend kritische Reaktionen aus, wobei ein landeseigener Fall stärker im Mittelpunkt steht: die Sonderzahlung von 2,8 Millionen Euro an Dirk Jens Nonnenmacher, den Vorstandschef der von massiven Staatshilfen abhängigen HSH-Nordbank. Der Fall hat ein mittleres politisches Erdbeben ausgelöst: Hamburgs SPD-Chef Michael Neumann Finanzsenator zeigte sich uninformiert und warf Michael Freytag (CDU) bewusste Täuschung vor. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) steht unter Druck: Nach SPIEGEL-Informationen hat er den Landtag im Zusammenhang mit der Sonderzahlung für HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher falsch informiert.

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