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Pioniere der Nachhaltigkeit

Ein Beitrag von Mira M. Hische und Steffen Lembke, Ernst & Young > Gerade in den letzten Jahren ist das Thema Nachhaltigkeit so stark wie noch nie in den Fokus gerückt, doch gab es im Laufe der Geschichte schon immer Personen, die das Potential nachhaltiger Unternehmensführung erkannten. Der schottische Unternehmer und Sozialreformer Robert Owen (1771 – 1858) ist so ein Pionier der Nachhaltigkeit.

Robert Owen wird 1771 in Newtown (Wales) geboren. Im Alter von 24 Jahren gründet er mit einem Partner die Spinnerei „Charlton Twist Company“. Vier Jahre später erwirbt er mit einigen Partnern die „New Lanark Twist Company“ in Schottland. Schon zu dieser Zeit ist Owen nicht nur ein angesehener Geschäftsmann, sondern hat auch durch seine literarischen, philosophischen und gesellschaftskritischen Beiträge große Wertschätzung erlangt.

Mit dem Erwerb der „New Lanark Twist Company“ beginnt die erfolgreichste Phase seines Lebens: Owen entwickelt New Lanark zwischen 1800 und 1825 zu einer Musterfabrik und verdient gleichzeitig ein Vermögen. Seine Karriere wird zu einer der großen Erfolgsgeschichten der frühen industriellen Revolution. Während dieser Zeit beginnt Owen auch damit, sich mit der sozialen Situation der Industriearbeiter auseinander zu setzen. Unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen waren damals üblich und die Zustände verschlimmerten sich zunehmend mit der einsetzenden industriellen Revolution. Owen kritisierte die herrschenden sozialen Bedingungen der Industriearbeiterschaft und beschließt zu beweisen, dass schlechte Arbeitsbedingungen und Unterdrückung der Arbeiter keine Voraussetzung für eine effektive Produktion und wirtschaftlichen Erfolg sind.

So führt Robert Owen mitarbeiterfreundliche Arbeitsbedingungen ein und finanziert mit dem Gewinn der Spinnerei eine Reihe von sozialen Projekten um die Lebensqualität seiner Mitarbeiter zu verbessern: Er verkürzt die Arbeitszeit von üblichen 14 auf 10 ½ Stunden, richtet Kranken- und Altersrentenversicherungen ein, lässt Wohnungen für seine Arbeiter bauen und vermietet diese günstig an sie. Nahrungsmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs werden für die Fabrikarbeiter preisgünstig angeboten. Außerdem können die Arbeiter kostenlose ärztliche Versorgung sowie einen Krankheitsfonds in Anspruch nehmen. Sogar eine Sparkasse wird gegründet. •

Owen verbietet in seiner Spinnerei in New Lanark Kinderarbeit und errichtete eine Schule, die Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren aufnimmt. Es folgen weitere Bildungseinrichtungen, wie das „Institute for the Formation of Character“ und eine Abendschule. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sind naturwissenschaftliche Studien, Geschichte und Geografie sowie Musik und Kunst wichtige Bestandteile des Unterrichts. Die anderswo üblichen Prügelstrafen gibt es an diesen Schulen nicht. Auch Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie die Auflösung patriarchalisch-autoritärer Ehe- und Familienstrukturen sind für Owen wichtige Anliegen.

In der Folgezeit entwickelt sich New Lanark von einer wenig erfolgreichen Textilfabrik zu einem Musterbetrieb für die gesamte damalige Wirtschaft. Robert Owen konnte so beweisen, dass sich gewinnorientiertes Wirtschaften und betriebsnahe Sozialpolitik keineswegs ausschließen. Die von Owen umgesetzten Arbeitsbedingungen lassen sich gut mit den heute gültigen Anforderungen der „ILO Kernarbeitsnormen“ vergleichen und gingen sogar über diese hinaus. Robert Owen kann somit als ein frühes Vorbild nachhaltigen bzw. sozialen Wirtschaftens angesehen werden.

1824 beginnt die „kapitalismuskritische Phase“ Owens mit der Gründung der Kommune von New Harmony (USA). Er entwickelt sich zunehmend vom bürgerlichen Sozialreformer zum utopischen Visionär. 1825 gibt Owen New Lanark auf, um sich voll und ganz dem Experiment New Harmony zu widmen, das jedoch 1829 scheitert. Owen kehrt nach England zurück, wo seine Ideen zwischen 1829 und 1834 maßgeblich die Gewerkschaftsbewegung prägen.

Owen genoss zu Lebzeiten eine hohe Anerkennung, wurde aber jedoch angesichts seines mit dem Alter zunehmenden utopischen Denkens auch scharf kritisiert. Dennoch steht außer Frage, dass Owen sowohl in seiner Rolle als Unternehmer als auch in der des Utopisten einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des modernen Sozialstaates sowie die Gewerkschaftsbewegung genommen hat. 1858 stirbt Owen in seinem Geburtsort Newtown. New Lanark ist heute ein Museum und trägt seit 2001 den Status des UNESCO Weltkulturerbe

Weiterführende Informationen über die International Labour Organization (ILO) und die Kernarbeitsnormen finden Sie unter http://www.ilo.org

Mehr über das UNESCO Weltkulturerbe New Lanark erfahren Sie unter http://www.newlanark.org

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