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Vertrauen der Meinungsführer in deutsche Wirtschaft sinkt gegen den globalen Trend

Frankfurt a.M. > Während sich das Vertrauen in die Wirtschaft weltweit stabilisiert oder erholt, geht es mit dem Vertrauen in viele Industriezweige hierzulande bergab: In der deutschen Technologiebranche sanken die Vertrauenswerte innerhalb der letzten sechs Monate von 65 auf 58 Prozent, im Einzelhandel von 66 auf 54 Prozent, im Bankensektor von 23 auf 18 Prozent. Die Energieindustrie steigerte sich dagegen von 20 auf 33 Prozent. Das sind Ergebnisse des Edelman Trust Barometers zum Halbjahr 2009. Dazu befragte das Meinungsforschungsunternehmen StrategyOne im Mai und Juni 1.675 Meinungsführer in den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Indien und China telefonisch.

In Deutschland ist die Regierung klarer Gewinner dieser Umfrage. Ihr Vertrauenswert stieg von 36 auf 44 Prozent. Damit liegt sie mit den Nichtregierungsorganisationen (46 Prozent) fast gleichauf. Der Vertrauenswert der Wirtschaft liegt traditionell deutlich niedriger bei 39 Prozent – gleichauf mit den Medien. Besonders schwer haben es die multinationalen Unternehmen: nur 29 Prozent der Deutschen bezeichnen deren Reputation als gut oder ausgezeichnet. Zum Vergleich: In China sind 96 Prozent und in Indien 81 Prozent der Meinungsführer von der guten oder ausgezeichneten Reputation multinationaler Unternehmen überzeugt. In beiden Ländern ist das Vertrauen in die Wirtschaft sehr hoch.

Wie können Unternehmen langfristig Vertrauen aufbauen? Die Befragten erwarten dafür eine gute Behandlung der Mitarbeiter (94 Prozent), transparente Geschäftspraktiken (93 Prozent), die Aufrechterhaltung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen (93 Prozent) und eine häufige und ehrliche Kommunikation (91 Prozent). Die Meinungsführer legen zudem großen Wert darauf, dass sich Unternehmen an der Suche nach Lösungen für globale Probleme beteiligen. Ihre Themen sind etwa die weltweite Klimaerwärmung, die Energiekosten und der Zugang zu bezahlbarer medizinischer Versorgung. Das bisherige Engagement der Wirtschaft zu diesen Themen reicht ihnen nicht.

„Die Erwartungen an die Wirtschaft haben zugenommen und ersetzen Milton Friedmans berühmte Behauptung von 1970, dass die soziale Verantwortung der Wirtschaft darin liegt, höhere Gewinne zu erzielen“, sagt dazu Richard Edelman, Präsident und CEO von Edelman. „Die Welt dreht sich um die Stakeholder und nicht die Shareholder.“ Die wichtigsten Stakeholder sind nach der Edelman-Studie Kunden (70 Prozent), gefolgt von Mitarbeitern (58 Prozent) und Investoren (49 Prozent).

Ein weiteres wichtiges Detail der Studie: Das Vertrauen kommt dem Preis als Kaufentscheidungskriterium immer näher: 53 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen sechs Monaten zu günstigeren Marken gewechselt hätten, und immerhin 45 Prozent, dass sie aufgrund des Vertrauensverlustes zu einer anderen Marke gewechselt hätten.