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Lokale Aktionstage: Schritt für Schritt zu mehr Miteinander zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen

Berlin > UPJ hat einen Leitfaden zum Thema „Lokaler Aktionstag für Unternehmen und Gemeinnützige“ veröffentlicht. Lokale Aktionstage vermitteln greifbare Impulse für neue Kooperationen zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen vor Ort. Der Leitfaden bietet dazu praktische Unterstützung bei der Planung und Durchführung und erleichtert die Umsetzung durch Vorlagen und Checklisten. UPJ bietet den Leitfaden und alle Materialien auf www.upj.de/aktionstag kostenlos zum Download an. CSR NEWS sprach aus diesem Anlass mit der UPJ-Expertin Anja Plock, die den Leitfaden entwickelt hat:

CSR NEWS: Welche Unternehmensgrößen spricht der lokale Aktionstag an? Die KMU? Auch Freiberufler? Oder überwiegend die Global Player?

Anja Plock: Lokale Unternehmenstage beziehen ihre Anziehungskraft daraus, dass sie lokal oder regional ausgerichtet sind. Deshalb sprechen sie vor allem Mittelständler und kleinere Unternehmen an. Die Anzahl der beteiligten Mitarbeiter hängt davon ab, wie viele Personen die Unternehmen entbehren können, ohne den Betriebsablauf empfindlich zu stören. Es gibt aber durchaus auch kleinere Unternehmen, die an einem solchen Tag mit ihrer kompletten Belegschaft mitmachen. Bei Freiberuflern und Ein-Personen-Unternehmen wie z.B. Architekten, Beratern oder Juristen gibt es eine deutliche Tendenz zu Kompetenzspenden. Größere Unternehmen entscheiden sich oft für Einsätze von mehreren Teams von 10 bis 12 Personen.
Für diesen Tag werden sehr unterschiedlich gestrickte Projekte ausgewählt. Das sorgt dafür, dass in den meisten Fällen jedes Unternehmen und jeder Unternehmer etwas Passendes findet.

CSR NEWS: Gelingt es in der Praxis, dass Aktionstage häufiger wiederholt zu einer „lokalen Marke“ werden?

Anja Plock: Die Regelmäßigkeit und ein professioneller Auftritt mit einem lokalen Bezug sorgen für eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung. Für jede Stadt werden Marken kreiert wie etwa „Brücken bauen – Unternehmen engagieren sich“ in der Region Braunschweig, „MUMMM-Mainzer Unternehmen machen mit“, „WIR in Aktion“ in Frankfurt an der Oder oder „Wiesbaden engagiert“. Meistens unterstützt das eine Kommunikationsagentur pro bono. Und die Kommunikation wird durch weitere Maßnahmen unterstützt: In Wiesbaden z.B. durch Plakatierung oder Werbung auf Bussen. Vor allem aber spricht es sich herum. Unternehmen hören von Geschäftspartnern davon und gemeinnützige Organisationen lassen sich von anderen, die schon mal mitgemacht haben, anstecken.

CSR NEWS: Welche Projekte werden von den Unternehmen bevorzugt? Solche mit der unmittelbaren Begegnung von Mensch zu Mensch? Oder eher solche, die etwas mehr Distanz ermöglichen?

Anja Plock: Das hängt oft davon ab, ob das Unternehmen schon durch ähnliche Aktionen Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln konnte. Gerade wenn ein Unternehmen diese Landschaft neu betritt, suchen die verantwortlichen Personen zuerst einmal Projekte aus, die etwas Distanz erlauben. Beliebt sind Renovierungs- und Verschönerungsaktionen in den Häusern oder Gärten der Organisationen. Die MitarbeiterInnen sind auch bei solchen Projekten immer daran interessiert, mit den Adressaten der sozialen Arbeit in Kontakt zu kommen. Erste positive Erfahrungen und die Erkenntnis, dass es ganz gut lief in der Zusammenarbeit, schaffen eine Basis für die weitere Zusammenarbeit. Oft entstehen Ideen für Projekte, die mehr Interaktion zulassen, zum Beispiel eine gemeinsame Feier oder ein Ausflug mit behinderten Menschen.

CSR NEWS: Angesichts des hohen Aufwands für die Vorbereitung eines Aktionstages: Stehen da nicht eher die langfristigen Wirkungen wie Kooperationsanbahnung und Imagegewinn im Vordergrund und weniger das, was sich an dem Tag selbst erreichen lässt?

Anja Plock: Die Aktionstage sind ganz bewusst zum Schnuppern angelegt. Wir verstehen sie als Impulsprojekte. Es wird an die Unternehmen nicht die Erwartung herangetragen, dass sich aus der eintägigen Aktion eine längerfristige Partnerschaft mit der Partnerorganisation ergeben muss. Faktisch passiert das aber sehr oft, weil beide Seiten festgestellt haben, dass sie gut miteinander können.
Die Projekte an diesem Tag sind so angelegt, dass in den Organisationen oder bei ihren Zielgruppen am Projekttag ein Mehrwert realisierbar ist. Oftmals sind das Projekte, die durchaus als Idee schon in der Schublade lagen, bisher aber aus Mangel an fehlenden Helfern und Ressourcen nicht umgesetzt werden konnten.
Darüber hinaus und vor allem hinsichtlich der Wirkung dieser Projekte darf man einen ganz wesentlichen Punkt nicht unterschlagen: Durch die Projekte entstehen Begegnungen, die insbesondere für die Adressaten der sozialen Arbeit anders kaum herstellbar sind. Wann erfahren Kinder oder Jugendliche aus benachteiligten Familien schon, dass ihnen z.B. ein Team von Bankmitarbeitern sehr freundlich, offen und interessiert begegnet? Und dass diese Banker dann auch noch voller Freude mithilft, die Organisation, in der sie sich tagtäglich aufhalten, etwas zu verschönern? Diese Begegnungen zwischen den Lebenswelten durch gemeinsame Projekte machen tatsächlich einen Unterschied.

CSR NEWS: Vielen Dank!

Lokale Aktionstage erleben von unterschiedlicher Seite eine positive Bewertung. „Ich halte die Aktionstage für nützlich, selbst wenn Sie nur einen kurzen Blick auf einen ausgesuchten und vorbereiteten Tag der ‚andere Seite‘ ermöglichen. Somit fehlt die Einsicht in den mühsamen Alltag, die Chancen und Probleme der jeweils anderen Organisation. Er kann damit nur einen ersten Eindruck und eine gewisse Akzeptanz, aber weder Übersicht noch Überzeugungen vermitteln“, sagt Dr. Roland Pietsch von der Kooperationsberatung dropko.

Sascha Stolzenburg von der Johanniter-Unfall-Hilfe betont die lokale Bedeutung der Aktionstage: „Aktionstage sind prinzipiell eine gute Möglichkeit, um in einen persönlichen Kontakt mit Unternehmen zu gelangen. Oft sind die Bedürfnisse vor Ort nicht zu vergleichen mit den Annahmen von überregionalen CSR Strategien. Überregional angelegte Fundraisingprogramme aus den Geschäftsstellen der Organisationen erhalten so eine realistische Umsetzungsperspektive in den Regionen in denen die Unternehmen tatsächlich ansässig sind. Vor diesem Hintergrund ist der Face to Face Kontakt über Aktionstage eine gute erste Möglichkeit für diesen Abgleich für zukünftige Aktivitäten.“

Und auch Anna-Maria Wagner von der Kommunikationsagentur i-gelb GmbH weiß: „Neben der Spendenvergabe wollen sich viele Unternehmen im Rahmen Ihrer CSR-Strategie auch aktiv engagieren – deshalb bietet sich häufig auch das Corporate Volunteering bei der bespendeten NPO an, da regionale Nähe für diese Form des Engagements in der Regel ebenfalls ein zentrales Kriterium ist.“ Der UPJ-Leitfaden „Lokaler Aktionstag für Unternehmen und Gemeinnützige“ wird daher sicher einen weiten Leserkreis finden.

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