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„Geben gibt.“ will Unternehmen für gesellschaftliches Engagement begeistern

Berlin > „Geben gibt.“ ist eine Kampagne des „Bündnis für Engagement“. Darin haben sich die großen gemeinnützigen Dachverbände sowie bundesweite Netzwerke und Initiativen zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) verleiht die Kampagne „Geben gibt.“ einmal jährlich den Deutschen Engagementpreis an Personen aus Wirtschaft, Staat und gemeinnützigen Organisationen. Die Einreichungsfrist für den diesjährigen Preis endete gestern. CSR NEWS sprach mit der Kampagnenleiterin Frau Dr. Cornelie Kunkat über das gesellschaftliche Engagement in Deutschland, Herausforderungen für die Akteure und das Miteinander von Bürgern, Staat und Wirtschaft:

CSR NEWS: Die Kampagne „Geben gibt“ will das Engagement in Deutschland fördern. Wer ist denn bereits engagiert? Und wessen Engagement muss noch geweckt werden?

Dr. Cornelie Kunkat: Mehr als 23 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits freiwillig engagiert. Das ist eine beeindruckende Zahl. Es könnten aber noch deutlich mehr sein: So sind 36 Prozent der bislang nicht Aktiven grundsätzlich zum Engagement bereit. Dabei ist das Potenzial in allen Altersklassen gegeben, wie eine emnid-Umfrage bestätigt, die im Auftrag der Kampagne „Geben gibt.“ durchgeführt wurde. Die große Herausforderung besteht hauptsächlich darin, bildungsferne und materiell benachteiligte Bevölkerungsschichten an für sie geeignete Engagementformen heranzuführen. Geben gibt. stellt deshalb die vielen Facetten des freiwilligen Engagements vor: auf Plakaten und in Anzeigen, auf der eigenen Homepage sowie durch Pressearbeit. Die Kampagne möchte Menschen aller Generationen sowie Organisationen und Unternehmen dafür begeistern, sich den eigenen Möglichkeiten entsprechen, für das Gemeinwohl einzusetzen. Für Unternehmen ist gesellschaftliches Engagement ab einer bestimmten Größenordnung mittlerweile obligatorisch – kaum ein Konzern verzichtet heute noch auf eine CSR-Strategie. Nachholbedarf kann aber noch bei kleineren und mittelständischen Unternehmen diagnostiziert werden. Nicht, dass sich diese Unternehmen einem Engagement verweigern, aber oft ist der Einsatz der Mittel hier eher zufallsgetrieben. Deshalb wird die Kampagne „Geben gibt.“ diese wichtige Zielgruppe ab 2010 mit spezifischen Angeboten und Kommunikationsmaßnahmen verstärkt ansprechen sowie Engagementmöglichkeiten aufzeigen.

CSR NEWS: Bei der Kampagne „Geben gibt“ geht es nicht nur um Geld. Was können Bürger und Unternehmen über das Materielle hinaus geben?

Kunkat: Sicherlich ist das Spenden von Geld eine unkomplizierte Möglichkeit, sich für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Die Kampagne „Geben gibt.“ möchte aber auf den Dreiklang des freiwilligen Engagements aufmerksam machen: Hierzu gehört neben dem Stiften und Spenden auch das Ehrenamt. Denn wer sich nicht materiell engagieren möchte, kann etwas von seiner Zeit und seinem Wissen geben und unbezahlt bei Vereinen, in der Gemeinde, bei Organisationen oder anderen Einrichtungen aktiv werden. Anstöße für Aktivitäten finden sich häufig schon im persönlichen Umfeld. Aber auch lokale Freiwilligen-Agenturen bieten Interessenten Informationen und konkrete Angebote auf lokaler Ebene.
Diese drei Engagementformen kommen grundsätzlich auch für Unternehmen in Betracht: So vergeben mit 96 Prozent fast alle deutschen Unternehmen zumindest gelegentlich Einzelspenden. Immer mehr Unternehmen entdecken auch das Stiften als nachhaltiges und konstantes Instrument bei der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Als Alternative zu diesem finanziellen Engagement können Unternehmen gemeinnützigen Organisationen und Initiativen auch unendgeldliche Dienstleistungen, Know How oder die Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Hier gibt es bereits einige sehr innovative Projektideen.

CSR NEWS: Wie sehen Sie die Engagementverteilung zwischen Bürgern, Wirtschaft und Staat? Läuft das zusammen oder getrennt? Gibt es starke und schwache Partner, Ergänzung oder Konkurrenz?

Kunkat: Dass zahlreiche gesellschaftliche Bereiche ohne den unentgeltlichen Einsatz freiwillig Engagierter viel schlechter funktionieren würden, braucht an dieser Stelle nicht ausgeführt werden. Gesellschaftliche Veränderungen, allen voran der demografische Wandel, fordern jedoch die weitere Stärkung des freiwilligen Engagements. Deshalb hat der Staat die Aufgabe, gesetzliche Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen und die Anerkennungskultur zu stärken. Das Bundesfamilienministerium bündelt beispielsweise seit 2007 verschiedene Projekte und Maßnahmen in der „Initiative ZivilEngagement“, um die Engagementkultur nachhaltig auszubauen. Insbesondere Großunternehmen setzen CSR bereits zwar bereits gezielt ein, um ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dietmar Meister, Sprecher des Vorstands der Generali Deutschland AG. betont jedoch: „Man muss auch andere stärken, die sich engagieren wollen. Die Wirtschaft kann dabei wichtige Impulse geben.“ Die Generali-Versicherungsgruppe hat deshalb eigens den Generali-Zukunfsfonds ins Leben gerufen, und unterstützt mit diesem auch maßgeblich die Kampagne „Geben gibt.“
Mit dem Deutschen Engagementpreis möchten die Initiatoren der Kampagne „Geben gibt.“ engagierten Personen und beeindruckenden Projekten ein Gesicht geben und die Anerkennungskultur für alle Formen des Engagements in Deutschland nachhaltig ausbauen.

CSR NEWS: Wodurch entstand „Geben gibt.“ und wie kommt Ihre Aktion an?

Kunkat: „Geben gibt.“ ist eine der Säulen der „Initiative ZivilEngagement“. Initiatoren der Kampagne sind die großen gemeinnützigen Dachverbände sowie bundesweite Netzwerke und Initiativen, die sich zum „Bündnis für Engagement“ Ende des vergangenen Jahres zusammengeschlossen haben. Sie repräsentieren 15 Millionen Mitglieder und stellen „Geben gibt.“ ihre Infrastruktur zur Verfügung.
Sowohl die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit als auch die mediale Resonanz auf die Kampagne sind insgesamt sehr positiv. Zudem konnte „Geben gibt.“ seit dem Kampagnenstart im März diesen Jahres etliche Kooperations- und Medienpartner hinzugewinnen. Und nicht zuletzt ist der große Zuspruch zu nennen, den der „Deutsche Engagementpreis“ bislang erfahren hat: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben bereits mitgemacht und mehr als 1900 engagierte Menschen und beeindruckende Projekte für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen. Leider sind die Nominierungen in der Kategorie „Wirtschaft“ im Vergleich zu den anderen drei Wettbewerbskategorien „Staat“, „Dritter Sektor“ und „Einzelpersonen“ bislang prozentual unterrepräsentiert. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Nominierung engagierter Unternehmen – schließlich gilt es, positive Engagementbeispiele für alle Sektoren aufzuzeigen, Maßstäbe zu setzen und zur Nachahmung anzuregen. Nominiert werden konnte dieses Jahr bis zum 31. August und ab Frühjahr 2010 unter http://www.geben-gibt.de/wettbewerb.html. Denn der Deutsche Engagementpreis soll ab sofort jährlich vergeben werden.

CSR NEWS: Was können Unternehmen im Rahmen der Aktion konkret tun?

Kunkat: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit denen Unternehmen zum Erfolg von Geben gibt. beitragen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Kampagne für ihre Aktivitäten nutzen können. Von Medienpartnerschaften über Online-Kooperationen bis hin zu maßgeschneiderten Projekten und gemeinsamen Veranstaltungen rund um das Thema „Engagement“. Eine Übersicht finden Sie auf der Kampagnenwebsite www.geben-gibt.de. Individuelle Kooperations- und Unterstützungsmöglichkeiten erörtern wir interessierten Unternehmen auch gerne in einem persönlichen Gespräch.

CSR NEWS: Vielen Dank!

Ansprechpartnerin für interessierte Unternehmen:
Dr. Cornelie Kunkat
Projektleiterin Kampagne
c/o Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V.
Mauerstr. 93 I 10117 Berlin
Telefon (030) 89 79 47-93 I Fax -51
Cornelie.Kunkat@Stiftungen.org

Foto: Dr. Cornelie Kunkat (Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V.)

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