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Erneuerbare Energien als Wahlkampfthema – Gelingt der Dialog zwischen NGOs, Politik und Unternehmen?

Berlin > Die große Mehrheit der Deutschen setzt eindeutig auf Erneuerbare Energien. Das meldet der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) unter Verweis auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts tns emnid im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. Auf die Frage, welcher Energieträger künftig Vorrang genießen solle, nannten 85 Prozent der Befragten die regenerativen Energien. Dabei zieht sich die hohe Zustimmung quer durch alle Alters- und Bildungsschichten. Für Atomenergie sprachen sich danach nur 10 Prozent der Befragten aus.

Die Einstellungen differenzieren nach Geschlecht: Frauen bevorzugen mit insgesamt 91 Prozent die regenerativen Energien am deutlichsten und lehnen mit je vier Prozent sowohl die Atomkraft als auch fossile Energien am deutlichsten ab. Bei den befragten Männern sprechen sich 79 Prozent für die Erneuerbaren aus, 16 Prozent für die Atomkraft und nur 5 Prozent für die fossilen Energieträger.

Hoch ist die Zustimmung zu Erneuerbaren Energien bei den Anhängern aller Parteien: bei 81 Prozent der CDU/CSU- und FDP-Anhänger, 88 Prozent der Anhänger der Partei Die Linke, 93 Prozent SPD-Anhänger und – wenig überraschend – 99 Prozent der Anhänger von Bündnis90/Die Grünen. TNS-Emnid hatte für Greenpeace vom 20.08. bis 21.08.2009 insgesamt 1.004 repräsentativ ausgewählte bundesdeutsche Bürger befragt.

Der BEE leitet aus den Ergebnissen den klaren Auftrag für die kommende Bundesregierung ab, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zügig voranzutreiben. Umweltverbände werden das Thema „Energie“ mit unterschiedlichen Aktionen in den Bundestagswahlkampf einbringen. So sind am Dienstag 15 Greenpeace-Aktivisten auf den Deutschen Reichstag geklettert und haben dort ein Transparent mit der Aufschrift „… eine Zukunft ohne Atomenergie“ entrollt. Kritik richtet sich dabei gegen die Positionen politischer Parteien und gegen Stromkonzerne. „Ganz gleich, welche Konstellation nach dem 27. September in Deutschland regiert: Die kommende Bundesregierung muss den Vorrang für die Erneuerbaren Energien sicherstellen und den schnellen Umbau unserer Energieversorgung ermöglichen“, fordert BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann.

Dabei ist es für alle unstrittig, dass den Erneuerbaren Energien die Zukunft gehört und dass hohe Investitionen in die Weiterentwicklung und Nutzung dieser Technologien fließen sollen. Das Öl wird als Energiequelle versiegen. Strittig ist jedoch die Rolle von Energieträgern wie Atomkraft und Kohle in den kommenden Jahren. Hier argumentieren die Befürworter dieser Energieträger, dass Atomenergie und – bei einer Abscheidung von CO2 durch sogenannte CCS-Technologien – auch die Kohle saubere und sicher verfügbare Energieträger sind, auf die angesichts des weltweit wachsenden Energiebedarfs mittelfristig nicht verzichtet werden kann. Unternehmen wie E.ON bemühen sich darum, eine solche differenzierte Position in die Diskussion einzubringen – E.ON mit dem Online-Dialogangebot www.eon.com/energie2030. Offen ist, ob ein differenzierter Dialog in Wahlkampfzeiten gelingen kann – und welche Beteiligte am Kommunikationsprozess in der Öffentlichkeit als glaubwürdig akzeptiert werden.