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Rio wird 18 – gefeiert wird in Deutschland und Brasilien

Stuttgart > Die Initiative „Rio wird 18“ knüpft an die UN-Konferenz von Rio über Entwicklung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz des Jahres 1992 an. Sie fragt danach, was sich bisher getan hat und was in Zukunft geschehen muss, um den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden. Und sie will das nachhaltige Unternehmensengagement ins Licht der Öffentlichkeit stellen. Wolfgang Scheunemann, Geschäftsführer von dokeo und Veranstalter des jährlichen CSR-Forums in Stuttgart, hat „Rio wird 18“ initiiert. CSR NEWS sprach mit ihm über Chancen und Ziele der Initiative.

CSR NEWS: Wie kamen Sie auf die Idee mit „Rio wird 18“, Herr Scheunemann?

Wolfgang Scheunemann: Nach dem letzten CSR-Forum saß ich mit einem Journalisten zusammen. Als der mir sagte „Rio wird 18“, habe ich das erst nicht verstanden. Er hat mir dann erklärt: Mit 18 Jahren wird man überall auf der Welt volljährig – in Deutschland ebenso wie in Brasilien. Und als Volljähriger muss man Verantwortung übernehmen. Das hat uns auf die Idee für diese Initiative gebracht. Aus Anlass von „20 Jahren Rio“ wird eine Vielzahl von Aktivitäten zu erwarten sein. Unsere Initiative jetzt ist quasi ein „Weckruf“ an die deutsche Wirtschaft, um mit einer unbürokratischen Initiative die Agenda mitzubestimmen und die Chance wahrzunehmen, mit ihrem nachhaltigen Engagement wahrgenommen zu werden.

CSR NEWS: Wie erfolgreich ist denn aus Ihrer Sicht der Rio-Prozess? Was hat er ins Rollen gebracht?

Scheunemann: „Rio“ hat weltweit die öffentliche Aufmerksamkeit auf Nachhaltigkeitsthemen gelenkt. Im Jahr 1992 hatten wir z.B. noch keine Ahnung von Global Warming. Das Thema wurde höchstens in exklusiven Zirkeln diskutiert. Heute ist von Amerika über Europa bis nach Asien, Afrika und Australien akzeptiert: Es gibt die globale Erwärmung, und der Mensch ist mit verantwortlich dafür. Die hohe öffentliche Aufmerksamkeit war eine Voraussetzung dafür, dass Politik und Wirtschaft auch Verantwortung übernehmen.
Bei den Unternehmen hat Corporate Social Responsibility enorm an Bedeutung gewonnen. Nehmen Sie nur die Entwicklung der Global Reporting Initiative und ihrer Guidelines für die Nachhaltigkeitsberichterstattung oder die ISO-Norm 26.000.
Sehr positiv sehe ich z.B. das wachsende Engagement im Bankensektor. Die Finanzinstitute nehmen ihre Rolle als Unternehmens-Stakeholder unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten stärker wahr. Das geschieht still, ist in seiner Bedeutung für die Nachhaltigkeitsorientierung der Wirtschaft aber nicht zu unterschätzen.

CSR NEWS: Was wollen Sie mit „Rio wird 18“ erreichen?

Scheunemann: Wir wollen in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Bedeutung, die Herausforderungen und die Chancen des Rio-Prozesses schaffen. Unternehmen wollen wir anregen, sich Gedanken über ihre zukünftige strategische Ausrichtung auf Nachhaltigkeit zu machen. Und wir wollen ihnen eine Chance eröffnen, sich öffentlich zu positionieren. Das Deutsche CSR-Forum – Forum EnviComm in Stuttgart wird sich 2010 auch diesem Thema widmen.

CSR NEWS: Was werden die Highlights der Initiative sein?

Scheunemann: Im Umfeld der UN-Konferenz in Kopenhagen wollen wir eine Ausstellung positionieren, in der sich Unternehmen ihr Engagement darstellen können. Die Ausstellung wird dann nach Deutschland, Brasilien, zur Fußball-WM nach Südafrika und nach Japan weiterreisen.
Mit einer großen Zahl von Unternehmern werden wir Ende Mai nach Brasilien reisen. Im Amazonasgebiet wollen wir Geschäftskontakte anbieten und so den Druck auf die Abholzung des Regenwaldes verringern. Wenn das gelingt, wäre es ein Riesenerfolg für unsere Initiative.
Und wir wollen mit den Unternehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Vorabend des 18. „Geburtstags“ der Konferenz von Rio in Rio de Janeiro sein und uns wahrnehmbar zu den Zielen des Rio-Prozesses bekennen.

CSR NEWS: Welche Resonanz erlebt ihre Initiative:

Scheunemann: Der offizielle Start von „Rio wird 18“ war am 1. Oktober. Wir erleben eine sehr positive Resonanz durch Firmen, Umweltverbände und Journalisten. Fünf Firmen sind von Anfang an dabei: Böwe-Systec, Coca Cola, Ernst & Young, FischerAppelt tv-media und MTU Aero Engines. Auch die brasilianische Botschaft in Berlin unterstützt uns.
Nun haben die Gespräche mit weiteren Unternehmen begonnen. „Rio wird 18“ bietet Unterstützung bei der Aufbereitung des Themas, bei Inhalten, bei Kontakten, der Adressierung und bei vielen anderen Fragen der Unternehmensreputation. Für ein Unternehmen ist es doch hervorragend, wenn die Öffentlichkeit weiß: „Dass die Ziele von Rio erreicht werden, ist auch uns ein Anliegen“. Zusätzlich bietet sie konstruktive Kontakte zwischen Unternehmen und NGOs. Und außerdem: Gemeinsam werden wir mit unserem Engagement stärker wahrgenommen als allein.

CSR NEWS: Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen im Internet:
www.rio18.de