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CCC protestiert bei KiK – Zulieferbetriebe in Bangladesch fordern CSR-Programm heraus

Bönen > Rund 80 Unterstützer der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der „Kampagne für Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign – CCC) übergaben gestern Nachmittag über 1.300 Protestpostkarten vor der Konzernzentrale in Bönen an KiK. Die Postkarten waren auf einem 300 Meter langen rot-weißen Band „aufgenäht“. Der Protest richtet sich gegen die Einkaufspolitik von Discountern: Nach Überzeugung von ver.di und CCC führen Dumpingpreise für Textilien zu sinkenden Sozialstandards in Asien und zu Löhnen, mit denen die Beschäftigten ihre Grundbedürfnisse nicht decken können.

„KiK muss faire Preise zahlen, damit auch gerechte Löhne für die Näherinnen gezahlt werden können. Aber auch für die Verkäuferinnen und Verkäufer hierzulande müssen faire Arbeitsbedingungen hergestellt werden“, betonte Gisela Burckhardt von der CCC. 1.622 Taka beträgt derzeit der monatliche Mindestlohn für eine Textilarbeiterin in Bangladesch – umgerechnet etwa 16 Euro. Der Verhaltenskodex des Konzerns dürfe nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müsse in den Herstellerbetrieben auch umgesetzt werden. Dazu seien unabhängige, externe Kontrollen nötig, so die CCC.

Petra Katzenberger leitet den Bereich Corporate Social Responsibility bei KiK und zeigte sich gegenüber CSR NEWS enttäuscht darüber, dass die im Unternehmen erreichten Fortschritte keine Beachtung bei den Nichtregierungsorganisationen finden. Gemeinsam mit acht Kolleginnen und Kollegen arbeitet sie insbesondere an der Verantwortungsübernahme in der Supply Chain und ist mit ihrem Team selbst regelmäßig vor Ort. Das Unternehmen greift dabei auf die fachkundige Beratung durch die Hamburger Systain Consulting GmbH zurück. KiK hat inzwischen alle Lieferanten in Bangladesch auditiert. Partner dabei ist die aus den USA stammende und international tätige Specialized Technology Resources, Inc. (STR – www.strcn.com). Die derzeit laufende Re-Auditierung zeigt, dass es bei den Zulieferbetrieben deutliche Verbesserungen gibt – etwa in Bezug auf das in Bangladesch selbst wenig beachtete Thema Arbeitssicherheit. Wenn der Auditierungsprozess bei einem Zulieferer Missstände offenbart, werden Perspektiven für deren Beseitigung mit dem Unternehmen diskutiert und ein Verbesserungsplan erstellt. Dabei kann der Zulieferbetrieb mit Schulungen unterstützt werden. Nur wenn sich das Unternehmen dem Verbesserungsprozess nicht stellt, wird die Geschäftsbeziehung abgebrochen. Denn dann muss KiK mit einem neuen Zulieferer von vorne in den Prozess einsteigen – und die betroffenen Mitarbeiter verlieren möglicherweise ihre Existenzgrundlage.

Das noch nicht alle Probleme gelöst sind, weiß auch KiK-CEO Stefan Heinig: „Wir haben in den letzten zwei Jahren mehr als zwei Millionen Euro in den CSR-Bereich investiert und damit bereits viel bewegen können. Auf Schwierigkeiten stoßen wir nach wie vor bei der Sensibilisierung der Fabrikbesitzer in Asien, sich stärker um die Einhaltung sozialer Mindeststandards zu kümmern“, so Heinig, der die Situation in Bangladesch aus eigenen Besuchen vor Ort kennt. „Wir übernehmen Verantwortung im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber wir können nicht Richter der Sozialgesetze und des Arbeitsrechts in Fernost spielen“. Heinig nimmt damit auch Stellung zur Mindestlohndiskussion. Katzenberger wünscht sich eine stufenweise Anhebung der gesetzlichen Mindestlöhne, die von Gewerkschaften geforderte Verdreifachung auf 4.500 Taka hält sie nicht für umsetzbar. Zudem beschreibt Katzenberger das Problem aus Einkäufersicht: Für das deutsche Handelsunternehmen ist nicht erkennbar, welche (Lohn-) Kalkulation hinter dem Angebot eines Zulieferers steht.

Um einen Beitrag zur Stärkung der insgesamt aktiven Bürgergesellschaft in Bangladesch zu leisten, kooperiert KiK mit lokalen NGO’s: Gemeinsam mit der Awaj Foundation (www.awajfoundation.org) werden medizinische Behandlungen für Fabrikbeschäftigte nicht nur aus den eigenen Zulieferbetrieben angeboten. Die Gründerin dieser Stiftung, Nazma Akhter, ist selbst eine ehemalige Textilarbeiterin und setzt sich heute besonders für die Rechte arbeitender Frauen ein. Und mit Phulki (www.phulki.org) werden Kindertagesstätten eröffnet.

Zwischen der CCC und KiK gibt es einen Dialog, der allerdings nach Meinung von Heinig „nicht konstruktiv genug“ verläuft. Es wäre bedauerlich, wenn eine öffentlichkeitswirksame Aktion wie die gestern in Bönen keine Fortsetzung in einem detaillierten fachlichen Austausch fände und die verschiedenen Verantwortungsträger – Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik – nicht an einen Tisch kämen.

Foto: ver.di und die CCC protestieren vor KiK in Bönen (CCC)

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