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Malaysia: Kontroverse um nachhaltiges Palmöl

Berlin > Die britische Advertising Standards Agency (Werbeaufsichtsbehörde) hat eine Werbeanzeige des Malaysian Palm Oil Council (MPOC) in einem Magazin zensiert. Das berichtet Survival Deutschland .In der Anzeige sei behauptet worden, dass „nachhaltiges“ malaysisches Palmöl zu der „Verminderung der Armut, insbesondere der ländlichen Bevölkerung“ beitrage. Nach Einschätzung der britischen Advertising Standards Agency seien diese und andere Behauptungen in der Anzeige irreführend und strittig. Survival kritisiert, dass durch die mit dem Bau von Palmölplantagen verbundenen Waldrodungen die Volksgruppe der Penan im malaysischen Bundesstaat Sarawak in Borneo ihre Lebensgrundlage verliert. „Behauptungen, dass malaysisches Palmöl umwelt- und menschenfreundlich sei, sind wenig überzeugend, besonders nicht für die Penan“, sagte Survivals Direktor Stephen Corry gestern. Die industrielle Expansion auf ihrem Land sei eine Katastrophe.

Tan Sri Dr. Yusof Basiron, CEO des Malaysian Palm Oil Council, geht dagegen scharf mit den europäischen Nichtregierungsorganisationen ins Gericht. Ihre Kritik zeige, wie wenig NGOs aus wohlhabenden Ländern die Lebenslagen der Menschen in Entwicklungsländern verstehen. In seiner aktuellen Stellungnahme auf der Website des MPOC verweist er auch darauf, dass europäische Kolonialmächte einen großen Teil der heutigen ökonomischen und ökologischen Probleme seines Landes verursacht hätten. Palmöl sei in vielen Regionen Asiens zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden und schaffe allein in Malaysia etwa 500.000 Arbeitsplätze. Die Palmölindustrie arbeite in enger Abstimmung mit der Regierung; über 50 Prozent der Landflächen seien einer industriellen Nutzung entzogen. Und bei der Bewirtschaftung des Landes werde besonders auf den Erhalt der Ökosysteme geachtet und in den Naturschutz – etwa für die Bewahrung der Lebensräume für Orang-Utans – investiert.

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen und als Rohstoff bei der Herstellung von Lebensmitteln, Reinigungsmitteln und Kosmetika verwendet. An Bedeutung gewonnen hat das Palmöl für die Herstellung von Biodiesel. Die Erträge der Ölpalme sind sehr hoch, es lassen sich etwa vier Tonnen Öl pro Hektar und Jahr erzielen (im Vergleich zu nur etwa 0,6 Tonnen Öl/Hektar/Jahr beim Raps). Der WWF sieht deshalb in der Verwendung von Palmöl eine Chance zur klimafreundlichen Energieproduktion, wenn dabei gleichzeitig strenge Regelwerke und Standards für einen nachhaltigen Anbau eingehalten werden. Das sollen die Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) garantieren. Der RSPO wurde von NGOs, Unternehmen des Palmölsektors, Lebensmittelkonzernen und Banken gemeinsam ins Leben gerufen, umfasst heute über 160 Mitglieder und deckt damit rund 50 Prozent der globalen Palmölproduktion ab. Seit 2004 wurde an einem Zertifizierungssystem für umweltschonendes Palmöl gearbeitet und im November 2008 die erste Schiffsladung mit RSPO-zertifiziertem Palmöl nach Europa geliefert. Allerdings wird bis heute deutlich zu wenig als nachhaltig zertifiziertes Palmöl eingesetzt.

Weitere Informationenwww.mpoc.org.my