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Tschechischer Umweltminister: Wirtschaftskrise bedroht Biodiversität

Hamburg > Mehr Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung wünscht sich der tschechische Umweltminister Dr. Ladislav Miko von Unternehmen in seinem Land. Unternehmen sollten den Kampf mit Naturschutzorganisationen aufgeben und stattdessen den Dialog suchen, so der promovierte Biologe im Gespräch mit CSR NEWS am Rande der Hamburger Gespräche für Naturschutz am vergangenen Donnerstag. Es gebe in einzelnen Branchen Beispiele für einen erfolgreichen Dialog zwischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen – etwa in der Zementindustrie. Im Energiesektor und bei der Kohleförderung sieht Miko dagegen weiterhin große Herausforderungen. Das öffentliche Interesse an Fragen des Umweltschutzes habe im Jahr 1999 seinen Höhepunkt erreicht und sei seitdem zurückgegangen, so der Minister. Viele Bürger glaubten, einen an westeuropäischen Maßstäben orientierten höheren Konsum notfalls auch auf Kosten natürlicher Ressourcen herbeiführen zu müssen. Und immer dann, wenn es in der Krise um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe, spielten Naturschutzgesichtspunkte eine untergeordnete Rolle.

Dass ökonomische Krisenzeiten eine Auswirkung auf die Biodiversität besitze, betonte Miko auch in seinem Beitrag auf dem von der Michael Otto Stiftung initiierten Symposium: Es fehle an finanziellen Mitteln für den Schutz der Biodiversität und in zumindest einigen Regionen Europas werde es zu einer verstärkten Ausbeutung der Natur kommen. Umweltminister Miko, der bis Anfang des Jahres Direktor der Abteilung „Schutz der natürlichen Umwelt“ der EU-Kommission war, sprach insbesondere über die europäische Perspektive des Naturschutzes. Und er betonte dabei zugleich die Chancen, die eine ökonomische Krise für den Start einer stärkeren Bewegung in Richtung auf eine „grüne Ökonomie“ biete. So plant Tschechien eine umweltbezogene Steuergesetzgebung: Sie soll zu einer Reduktion umweltschädlicher Verhaltensweisen führen, jedoch keine Erhöhung der Steuerlast bewirken und in drei Stufen bis zum Jahr 2017 umgesetzt werden.

Die tschechische Erfahrung belege, dass kleinere Umweltschutzprojekte in der Regel deutlich effizienter als große Umweltschutzprojekte seien, so der Minister. Leider zeigten sich Unternehmen oft nur an großen Projekten interessiert. Tschechien wolle jedenfalls so viele kleine Projekte wie möglich starten.

In Bezug auf die Bedeutung der Biodiversität betonte Miko: Es ist nicht nur der Einfluss des Klimawandels auf Biodiversität zu betrachten, sondern andersherum auch der Betrag funktionierender Ökosysteme zum Klimaschutz. Zum Schutz der Biodiversität seien verstärkt ökonomische Begriffe und Sichtweisen in die Diskussion einzuführen. Ökosysteme seien „öffentliche Güter“, ohne Markt und ohne Preis, was allgemein als selbstverständlich betrachtet werde. Für den Staat sowie für Unternehmen und Bürger müsse der Wert der Nutzung natürlicher Ressourcen jedoch erkennbar werden, forderte Miko mit Bezug auf die Ergebnisse europäischer Studien.