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Ethisches Wirtschaften braucht Motive

Der Kommentar. Die Diskussion über das Weltwirtschaftsethos erinnert an Arthur Schopenhauer. „Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer“, stellte der deutsche Philosoph fest. Wissen wir, welches Wirtschaften für die Gesellschaft und den einzelnen gut ist? Ja. Das belegt der Fundus an gemeinsamen Werten, den die Arbeitsgruppe Weltwirtschaftsethos kultur- und religionsübergreifend herausgearbeitet hat. Was aber verpflichtet Menschen und Organisationen zur Orientierung an diesen Werten, wenn ein anderes Handeln für sie deutlich vorteilhafter erscheint?

Der mögliche Akzeptanzverlust einer freien oder sozialen Marktwirtschaft, drohende Reputationsschäden für Unternehmen oder Karriererisiken für Manager orientieren sich als Argumente ethischen Wirtschaftens doch im letzten an egoistischen Vorteilen für einzelne oder Gruppen. Für das ethische Wirtschaften stellt sich eine Frage, die wir aus der Kriminalprävention gleichfalls kennen: Warum soll ein Mensch „richtig“ handeln, wenn das „falsche“ Handeln erfolgsversprechender und mit keinerlei Nachteilen verbunden scheint? Täter halten sich regelmäßig für klüger und geschickter, als es die Ermittler sind.

Moderne Ethiken erscheinen als Konsens- und Dialogethiken. So ist es dem Symposium in Basel hoch anzurechnen, dass es Vertretern der sogenannten Dritten Welt eine Stimme verlieh. Im Dialog mit Shareholdern und Stakeholdern werden Erwartungen geklärt und Handlungsräume definiert. Wer sagt aber, dass Ergebnisse solcher Dialoge wirklich „ethisch“ sind und sich hier nicht einfach nur die Stärkeren oder Raffinierteren oder Sprachfähigsten durchsetzen.

Wir wissen oft, was richtig ist – auch für das globale Wirtschaften. Die Würde des Menschen wird als Wert von niemandem angezweifelt, aber häufig im praktischen Handeln verletzt. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Diskussion um das Weltethos und nun um das Weltwirtschaftsethos mit dem Parlament der Weltreligionen verbindet. Denn solange ein Manager oder Unternehmer als Argument für das „Warum“ des ethischen Handelns nur (wie auch immer definierte) Vorteile für sich und sein Unternehmen kennt, ist die Gefahr für sein Scheitern in sogenannten Dilemmata-Situationen groß. Wirtschaft braucht Ethik und wird den Begründungsrahmen dafür nicht systemimmanent finden.