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Kontroverse um Preis für Unternehmensethik: CCC kritisiert DNWE

Essen > Gestern Abend vergab das Deutsche Netzwerk Unternehmensethik den „Preis für Unternehmensethik 2008“ an die Business Social Compliance Initiative (BSCI). Die im Jahr 2003 von der Foreign Trade Association gegründete Initiative harmonisiert die Verhaltenskodizes europäischer Einzelhandelsunternehmer für ihre weltweiten Zulieferer und koordiniert die zu deren Überwachung eingesetzten Monitoring-Systeme. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Der BSCI sei als Verbandslösung der richtige Weg zwischen einzelbetrieblichen Lösungen und einer staatlichen Lenkung, sagte Karl-Hermann Blickle, Mitglied der DNWE-Preisjury, in seiner Laudatio. Der soziale Aspekt werde so aus dem Wettbewerb herausgenommen und die Vernachlässigung von Sozialstandards scheide als eine Möglichkeit zur Reduzierung der Einkaufspreise aus. Zudem übernehme die Branche durch diese Initiative Mitverantwortung für die Globalisierung. Blickle betonte die Prozessorientierung des BSCI-Ansatzes: Die Stakeholder-Dialoge in Europa und die runden Tische in den Zulieferländern seine wesentliche Dialogelemente. Zudem gehe es dem BSCI mit seinen Audits nicht um ein Aussortieren von Lieferanten, sondern um deren Höherqualifizierung. Und mutig sei der BSCI, wenn er auch in der öffentlichen Diskussion stehende Unternehmen wie Aldi und Lidl als Mitglieder aufnehme und dabei mit öffentlicher Kritik rechnen müsse.

Die Kritik von Nichtregierungsorganisationen richtet nun auch gegen das DNWE selbst: Die Auszeichnung des BSCI für Transparenz und die Entwicklung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen sein nicht nachvollziehbar, hieß es gestern von der Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign – CCC) und der Supermarkt-Initiative. „Aldi, Lidl, Metro und weitere deutsche Einzelhandelsunternehmen, die BSCI-Mitglieder sind, tragen Verantwortung für die weltweite Schwächung von Sozialstandards“, erklärte Sandra Dusch Silva von der CCC. Nach Überzeugung der NGOs sind die BSCI-Betriebskontrollen kein effektiver Weg zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferketten. Die Arbeitnehmer ständen dabei zu sehr unter Druck, um auf Arbeitsrechtsverstöße hinzuweisen. Zudem kritisierten sie, dass NGOs und Gewerkschaften in der BSCI keine gleichberechtigten Mitglieder seien.

Für Jan A. Eggert, den CEO der BSCI, liegt in der Qualifizierung der Zulieferer eine der großen Herausforderungen für seine Organisation. In diesem Jahr fanden dazu 55 Workshops in neun Ländern statt. Das sei noch ein „Tropfen auf den heißen Stein“, so Eggert. Erforderlich seien spezialisierte Workshops und Kooperationen mit der Europäischen Kommission, den Regierungen europäischer Länder sowie den Stakeholdern und Regierungen in den Zulieferländern selbst. Zudem warnte Eggert vor Illusionen: Europäische Unternehmen könnten nicht die gesellschaftlichen Bedingungen in Zulieferländern ändern. Deshalb sei es so wichtig, diese Länder und ihre Regierungen und gesellschaftlichen Kräfte „mit ins Boot“ zu bekommen. Der Veränderungsprozess könne nicht anstelle dieser Akteure, sondern nur mit ihnen gestaltet werden. Von der Kritik der Supermarkt-Initiative zeigte sich Eggert enttäuscht: Der BSCI überprüfe das Engagement seiner Mitglieder und ermutige gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation dazu, in den Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit nicht nachzulassen. Tragfähig seien solche Initiativen aber nur dann, wenn Erfolge auch von Kritikern anerkannt würden.

Das DNWE zeichnete gestern auch die Ristic AG aus dem fränkischen Oberferrieden mit dem „Preis für Unternehmensethik 2010“ aus. Dazu berichten wir morgen.

Foto: DNWE-Vorsitzender Prof. Dr. Albert Löhr (rechts) übergibt die Preisurkunde an Jan A. Eggert (links). Im Hintergrund: Laudator Karl-Hermann Blickle. (Bild: CSR NEWS)


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