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Banken: Mehr Flexibilität bei Privatkrediten gefragt

Hamburg > easyCredit – herausragende Momente fair ermöglichen. Mit diesem Slogan wirbt das Kreditinstitut auf seiner Website. „Wir von easyCredit sind Ihr fairer Partner. Bleiben Sie flexibel: auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten bieten wir Ihnen eine zuverlässige Begleitung und bieten Ihnen einen Kredit, der sich Ihrem Leben anpasst“, heißt es dazu erläuternd. Der Ratenkreditspezialist gehört in den genossenschaftlichen Verbund der Volksbanken und Raiffeisenbanken. „Unsere Mitarbeiter sind stolz darauf, fair sein zu dürfen“, sagt easyCredit-Chef Theophil Graband heute in Hamburg. Dort stellte er gemeinsam mit Wissenschaftlern, Schuldnerberatern und den Vertretern der Stiftung „Deutschland im Plus“ den iff-Überschuldungsreport 2009 vor. Das Hamburger institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff) analysiert darin die Dauer und die Phasen der Überschuldung von Privathaushalten und deren Ursachen. Unterstützt wird es dafür von der Stiftung „Deutschland im Plus“, einer von easyCredit vor zwei Jahren ins Leben gerufenen und mit einer Million Euro Kapital ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Stiftung.

Von den ersten Anzeichen einer Verschuldung bis zum Abschluss eines Privatinsolvenzverfahrens und zur Löschung von Eintragungen in der SCHUFA vergehen in Deutschland 13 bis 15 Jahre. Mit diesem sehr langen Zeitraum ist Prof. Udo Reifner vom iff nicht zufrieden. Andere Länder – Frankreich zum Beispiel – ermöglichen ihren Schuldnern deutlich schneller einen neuen Start – ohne dass dies von den Schuldnern zu leichtfertigem Verhalten missbraucht werde, wie Reifner betont. Ein Problem dabei ist: Bei dem einer Privatinsolvenz vorgeschalteten privaten Einigungsversuch verweigern Banken wie die anderen Gläubiger häufig ihre Zustimmung und schicken den Schuldner damit auf den langen Gerichtsweg. Der Schuldner ist meistens durch Lebenskrisen wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder das Scheitern einer Selbständigkeit in seine finanzielle Notlage geraten. Bei Banken hielten sich dagegen Vorurteile wie etwa, Schuldner seien faul, kritisiert Reifner. Dagegen seien seitens der Banken neue Ideen gefragt, denn die Verpflichtung auf regelmäßige Rückzahlungsraten werde den Wechselfällen des Lebens nicht gerecht, so der Wissenschaftler.

Solche neuen Lösungen will Graband mit seinem Institut anbieten, das sich inzwischen zur Fairness im Umgang mit seinen Kunden verpflichtet. Erfahrungen aus der Stiftungsarbeit überträgt das Institut deshalb in sein Kreditgeschäft. „Ein zufriedener Nicht-Kunde ist besser als ein unzufriedener Kunde“, sagt Graband. Seine Mitarbeiter sollen nicht um jeden Peis Kredite vermitteln. Letztlich kämen Überschuldungssituationen allen teuer zu stehen: Den Schuldnern, deren Gläubigern und auch der Gesellschaft. Notleidende Forderungen werden nicht an Inkassounternehmen verkauft, sondern im eigenen Haus verfolgt. Und seit 2007 bietet easyCredit einen Kredit an, bei dem auch in wirtschaftlichen Notlagen keine gerichtlichen Maßnahmen ergriffen werden – solange sich die Schuldner an die Spielregeln halten.

Die Banken sieht auch Hjördis Christiansen von der Verbraucherzentrale Hamburg in der Verantwortung. Schuldner warten oft sehr lange und bemühen sich intensiv um eine Lösung ihrer finanziellen Probleme, bevor sie eine Privatinsolvenz ansteuern. Kreditanbieter dürften ihre Präventionspflicht nicht auf die Kunden abschieben. Keine verschwiegenen Kosten bei der Kreditvergabe, eine Anknüpfung an das tatsächliche Arbeitseinkommen und keine unzulässige Werbung, das erwartet Christiansen von den Banken.

Die Stiftung „Deutschland im Plus“ widmet sich besonders der Prävention, indem sie Bildungsarbeit an Schulen unterstützt. Dabei gehen auch Mitarbeiter von easyCredit in die Schulen und erarbeiten mit den Schülern Fragen einer verantwortungsvollen Gestaltung der eigenen Vermögensverhältnisse.

Foto (von links): Prof. Udo Reifner, Theophil Graband und Stiftungsvorstand Prof. Michael-Burkhard Piorkowsky mit dem Überschuldungsreport (CSR NEWS)

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