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ROADSIGNS für Verantwortlichkeit – CSR bei einem mittelständischen Textilunternehmen

Oberhausen > Die Nachweihnachtstage bescheren mir traditionell einen ausgedehnten Einkaufsbummel durch die Shoppingmalls unserer Region. Das ist – zugegeben – nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber ein klarer familieninterner Mehrheitsbeschluss, 3 zu 1 gegen mich. In diesem Jahr habe ich dabei die Augen aufgehalten in Sachen Öko- und CSR-Kommunikation am Point of Sales. Nach einigen Stunden in Bekleidungsläden aller Größenordnung steht für mich fest: Glatte Fehlanzeige, die Kunden erfahren so gut wie nichts von diesem Thema. Erst zuhause machte meine Frau mich auf ein kleines Etikett an einer Mütze aufmerksam, die ich gekauft hatte. ROADSIGN australia® heißt die Marke, die dort in wenigen Sätzen über ihr gesellschaftliches Engagement in Australien berichtet.

Den Faden greife ich auf, recherchiere über das Internet und stoße auf die Firma Jansen Textil GmbH, die diese Marke im deutschsprachigen Raum vertreibt. Eine Email an die info@-Adresse ist ungewöhnlich erfolgreich: Geschäftsführer Guido Koch bietet ein Gespräch über die soziale Verantwortung seines Unternehmens an.

Die Marke ROADSIGN australia® entstand aus der Beobachtung des Studenten Roger Carthew, dass Touristen auf seinem Kontinent Straßenschilder mit Kängurus in großen Mengen abmontierten und als Souvenire mit nach Hause nahmen – ein für diese Tiere und für Autofahrer sehr gefährliches Vorgehen. Also baute Carthew die Schilder nach und vertrieb sie sehr erfolgreich über Souvenirläden. Carthew engagiert sich heute in Australien für verschiedene gemeinnützige Projekte, unter anderem für Tierkrankenhäuser. Die Marke kam 2002 nach Frankreich und dann 2007 zu Jansen Textil nach Wesseling.

Das Textilunternehmen ist mit einem Umsatz von etwa 40 Mio. Euro und 100 Mitarbeitern ein typischer Mittelständler. Und auch dass die weltweite Zulieferkette eine wachsende Bedeutung für das Unternehmen aus dem Großraum Köln besitzt, entspricht der Situation im deutschen Mittelstand. Das Thema Corporate Social Responsibility ist beim Chef selbst angesiedelt. In der Zulieferkette spielt Indien für Jansen Textil eine wichtige Rolle. Das Unternehmen ist mit einem Büro in Bangalore vertreten und Geschäftsführer Guido Jansen kennt die Region gut aus seinen eigenen Besuchen vor Ort. Sechs Primary-School-Projekte unterstützt seine Firma dort. Ein neues Schulprojekt aus dem Jahr 2008 entstand in Kooperation mit dem örtlichen Rotary-Club und ist der Marke ROADSIGN australia® gewidmet. Das Engagement wird von den Mitarbeitern seines Unternehmens mitgetragen, berichtet Koch, und auch er persönlich engagiert sich dort mit seinen privaten Ressourcen. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen ist durch dieses Engagement gewachsen, hat Koch beobachtet.

Jansen Textil bleibt dabei nicht bei reiner Charity stehen. Das Textilunternehmen ist Mitglied im BSCI und zertifiziert seine Zulieferunternehmen. Koch hatte sich vorher in der Branche umgesehen, verschiedene Beratungsunternehmen und Nachhaltigkeitsinitiativen kennen gelernt und sich dann für die BSCI-Mitgliedschaft entscheiden.

Seit dem vergangenen Jahr engagiert sich sein Unternehmen auch in Deutschland für gesellschaftliche Themen, und zwar gemeinsam mit dem Essener Medizindienstleister Contilia. Über einen Zeitungsartikel erfuhr Koch von deren ambulanter Kinderkrankenpflege „Die Kängurus“. Der Dienst ermöglicht schwerstkranken Kindern aus wirtschaftlich schwachen Familien die Rückkehr aus dem Krankenhaus. Das unterstützt Jansen Textil – etwa mit Kleidungsspenden oder im November mit einer sehr erfolgreichen Versteigerung von sieben lebensgroßen Kängurus auf der Fachmesse eat’n STYLE in Köln.

Ökomode kommt, das spiegelt sich auch bei Jansen Textil wieder. Derzeit tastet das Unternehmen den Markt ab. Bio-Baumwolle kann Koch aus der Türkei und Indien beziehen, allerdings zu etwas teureren Preisen. Jansen Textil startet – klassisch – mit Bio-Babywäsche. Ökomode kommt: H&M bringt am 25. März die „Garden Collection“ heraus, die ausschließlich aus nachhaltigen Materialien hergestellt wird. Materialien der Verarbeitet werden dazu Bio-Baumwolle, Bio-Leinen, recycelte Polyester und Tencel, ein seidiges, erneuerbares Material, das mit geringer Umweltbelastung produziert wird.

Bleibt zu hoffen, dass Ökomode auf Kundeninteresse trifft, dass Unternehmen mutig am Point of Sales kommunizieren und dass Themen wie die Verantwortungsübernahme in der Zulieferkette auf dieser Welle mitschwimmen. Da bin ich doch schon auf mein diesjähriges Nach-Weihnachts-Shopping gespannt.

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